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14.01.2008
 

Prothesenläufer

Pistorius darf nicht bei Olympia starten

"Erhebliche Vorteile": Der Leichtathlet Oscar Pistorius erhält keine Starterlaubnis für die Olympischen Spiele in Peking. Die Prothesen des Unterschenkelamputierten sollen eine zu große Hilfe sein. Doch der Südafrikaner gibt sich nicht geschlagen.

Hamburg - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF berief sich im Urteil auf ein 30-seitiges Gutachten der Sporthochschule Köln, das nach ausgiebiger Untersuchung des Sprinters zu dem Schluss gekommen war, dass sich der Paralympics-Gewinner über 100 Meter durch die hochtechnologisierten Carbonprothesen einen zu großen Vorteil verschafft. Laut IAAF-Regel 144.2 dürfen Behinderte mit künstlichen Hilfsmitteln nicht zu offiziellen Wettbewerben der Nichtbehinderten antreten.

Sprinter Pistorius: "Keinen Respekt vor Behinderten"
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AFP

Sprinter Pistorius: "Keinen Respekt vor Behinderten"

Pistorius hatte der IAAF deshalb vorgeworfen, "keinen Respekt vor Behinderten" zu zeigen. Pistorius war ohne Wadenbeine zur Welt gekommen, mit elf Monaten wurden ihm die Beine knieabwärts amputiert. Pistorius wird nun den Obersten Sportgerichtshof Cas in Lausanne anrufen. Dies kündigte sein Manager Peet van Zyl heute gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an: "Wir sind natürlich sehr enttäuscht und müssen mit der IAAF reden. Mit unseren Anwälten werden wir nun überlegen, wie wir vorgehen, um dagegen Einspruch zu erheben."

Pistorius selbst hatte bereits vor der Entscheidung erklärt, er wolle notfalls vor den Cas gehen. "Ich fühle, es ist meine Verantwortung, für mich und alle behinderten Athleten die Entscheidung auf dem höchsten Level zu suchen, um bei Olympia und den Paralympics zugleich starten zu können", sagte der 21-jährige Student der Betriebswirtschaftslehre.

Mit dem Beschluss der IAAF war in Expertenkreisen bereits gerechnet worden. Pistorius, der von sich selbst sagt, er sei "der schnellste Mann mit keinen Beinen", war am 12. und 13. November für zwei Tage zu Tests an der Sporthochschule. Der Kölner Biomechanik-Professor Gert-Peter Brüggemann meinte anschließend: "Er hat erhebliche Vorteile gegenüber von uns getesteten Vergleichssportlern ohne Prothesen, das waren mehr als ein paar Prozentpunkte. Ich hätte das nicht so deutlich erwartet."

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Bislang haben drei Behindertensportler an Olympischen Sommerspielen teilgenommen. Mit einem Holzbein gewann der US- Amerikaner George Eyser 1904 in St. Louis Gold im Turnen. Die querschnittsgelähmte Neuseeländerin Neroli Fairhall startete 1984 in Los Angeles im Bogenschießen. Im Jahr 2000 trat in Sydney mit Marla Runyan aus den Vereinigten Staaten eine sehbehinderte Läuferin über 1500 Meter an. Seit ihrem neunten Lebensjahr leidet die Leichtathletin an einer Augenkrankheit. Das zentrale Sehen ist gestört. Nur aus dem Augenwinkel kann sie Umrisse erkennen. "Es ist, wie wenn man mit einem Schmierfilm über den Augen durch dichten Nebel läuft", sagt Marla Runyan.

Weitere Informationen zum Thema Behindertensport finden Sie hier oder auf der Homepage von Wojtek Czyz.
Laut der Studie benötigt Pistorius in der Beschleunigung aufgrund der Rückfederung der Prothesen rund 25 Prozent weniger Energie als ein Vergleichssportler ohne Prothesen. Durch die Federung sei die rückfließende Energie bei einer Prothese bei Maximalgeschwindigkeit dreimal so hoch wie durch ein Sprunggelenk.

Manager van Zyl äußerte jedoch Zweifel an den Ergebnissen der Studie: "Wir haben sie an Experten in den USA weitergereicht. Sie haben uns gesagt, dass nicht genügend Faktoren berücksichtgt worden seien. Wir glauben, dass mehr Tests notwendig sind." Oscar Pistorius, dessen Bestzeit über 400 Meter bei 46,34 Sekunden steht, durfte per Ausnahmegenehmigung im Juli beim Golden-League-Meeting in Rom starten und wurde dort Zweiter im B-Lauf (46,90).

fpf/sid

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