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16.01.2008
 

Frischer Fisch

Kälte, Forellen und viel Alkohol

Von Horst Köder

Putzen Sie immer noch Ihre Ruten vor dem Kamin, weil es draußen kalt ist? Schluss damit! Auf ans Wasser und das Eisangeln üben. In Finnland und Russland ist es Volkssport, auch die Koreaner sind auf den kalten Fisch gekommen - und nehmen die ganze Familie mit.

Wir mitteleuropäischen Angler sind ja so etwas wie die Weicheier des Kontinents. Kaum heiße Sommer, kaum kalte Winter, das gemäßigte Klima hat uns jeglicher Härte beraubt. Selbst wenn wie jetzt im Januar Temperaturen um plus zehn Grad Celsius herrschen, trauen wir uns nicht ans Wasser ("zu kalt"), sondern polieren unsere Kunstköder und ölen unsere Rollen im warmen Wohnzimmer. So entgeht uns eine der schönsten und aufregendsten Spielarten unseres Hobbys: das Eisangeln.

Da haben es die Finnen schon besser. Sie haben einen Formel-1-Weltmeister, gewinnen den Grand Prix Eurovision de la Chanson, die Schüler sind alle superschlau und der Klimawandel hat um das Land bislang einen weiten Bogen gemacht, wie eigentlich auch um alle Gebiete östlich der ehemaligen DDR (Russland, Ukraine etc.). Von September bis Mitte April befindet sich Finnland praktisch in einer Eisstarre. Doch die Finnen sind harte Kerle, allesamt Angler, und lassen sich auch bei minus 20 Grad nicht von ihrem Hobby abhalten.

Das ist ganz einfach, viel braucht man nicht dazu: ein gefrorenes Gewässer, eine kurze Rute, einen Hocker, ein paar Köder. Nicht zu vergessen das wichtigste Utensil: den Eisbohrer. Denn ohne Loch im Eis gibt's keine Fische, und ohne Eisbohrer wird es schwierig mit dem Loch im Eis. Manche Angler haben es auch schon mit Alternativen wie einer schweren Axt versucht, doch das endete meist in Verzweiflung und monatelanger Depression. Auf einer geschlossenen Eisdecke.

Nach dem Bohren hockt man am Loch und harrt der Dinge. Das wird doch ganz schön kalt mit der Zeit, werden Sie jetzt denken, und da haben Sie vollkommen recht. Deshalb ist das wichtigste Utensil doch nicht der Eisbohrer, sondern eine schöne Flasche klaren Alkohols, bevorzugt Wodka. Das Getränk hat gleich mehrere Vorteile: Nach ein paar Schlücken spürt man die Kälte nicht mehr, man kann sich bei einem gefangenen Fisch als Belohnung einen besonders großen Schluck gönnen, und wenn man im Schneider (ohne Fisch) geblieben ist, hilft die Flasche auch gegen den aufkeimenden Frust.

Wenn Kinder mit ans Wasser kommen, dann ist Alkohol natürlich tabu, dann muss Mutti einen schönen heißen Tee für die Thermoskanne zubereiten. Denn Eisangeln ist nicht nur in Ländern wie Finnland oder Russland unter landestypisch einsamen, bärtigen und knorrigen Kerlen verbreitet, auch die Koreaner haben dieses wunderschöne Hobby für sich entdeckt. Und weil der Koreaner an sich im Gegensatz zum Finnen oder Russen ungern alleine ist, nimmt er dabei gleich die ganze Familie mit.

Das gipfelt dann in Veranstaltungen wie dem Hwacheon Sancheoneo Ice Festival, das jährlich fast eine Million Besucher anlockt und in dem jeder dem Eisangeln nachgeht, der eine der kurzen und einfachen Ruten (ohne Rolle) halten kann. So zeigt schon der Fünfjährige dem Papa, wo die Forelle hängt, denn Sancheoneo ist eine Forellenart. So ein Ausflug im Januar ist sicherlich förderlicher für den familiären Zusammenhalt als ein Abend vor der Glotze. Und wenn die halbwüchsige Tochter partout nicht angeln will, kann sie sich immer noch Schlittschuhe unter die Füße schnallen.

Wer jetzt schon seine Angeltasche gepackt und den Eisbohrer geschultert hat und gerade zur Tür raus ist, dem sei gesagt: Wird schwer mit Eisangeln in unseren Breiten in diesen Tagen. Der Klimawandel macht den Eisschollen den Garaus. Schon die Eisbären am nördlichen Polarkreis haben kaum noch genügend zur Verfügung, da bleibt für uns noch weniger übrig.

Manch einer mag sich noch an die zugefrorenen Seen aus seiner Kindheit erinnern. Das waren jedoch auch nur halbe Winter. Wer wirklich wissen will, wie kalt es auch mal bei uns war, der muss endlich mal Oma zuhören ("Damals im Juli '42...") und sich erzählen lassen, dass es Zeiten gab, in denen sogar die Ostsee unter einer Eisschicht verschwand. Darunter machten es sich die dicken Dorsche gemütlich.

Lang ist's her, aber wir sollten die Hoffnung trotz der derzeit frühlingshaften Temperaturen nicht aufgeben. Vielleicht erwischt und ja ein Polartief noch Mitte Februar, und die Eisbohrer sind in den Baumärkten dann innerhalb von Stunden ausverkauft, die Wodkavorräte im Supermarkt um die Ecke ebenso. Bis dahin können Sie sich ja die Zeit mit Rutenpflege und dem Blättern in Urlaubskatalogen vertreiben.

Oder Sie fahren mal wieder zu Oma.

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04.09.2011 von mopedheinz: Fliegenfischen

Angler-Leidenschaft = Sinn für Gemütlichkeit ( Angler sind die Freizeitpunks der Neuzeit - Früher noch SexPistols und CLASH, heute eine Forelle oder Lachs auf dem Griller ) Brot + Zeit = Brotzeit [...] mehr...

29.07.2011 von drnice1983: Schade...

... dass das catch and release in Deutschland verboten ist... Ich angle auch eher um der Natur zuzusehen, Greifvögel zu beobachten, leckeres Bierchen in der Abendsonne auf dem Boot zu genießen, mit Freunden zu lachen und zu [...] mehr...

27.07.2011 von 1Piantao:

Ja, kyon. Man kann alles von einer grausamen Seite aufziehen. Ich esse auch Fisch trotzdem man bei Doku Sendungen gar nicht hinschauen mag was mit dem Thunfisch etc beim fischen veranstaltet wird. Ich möchte auch nie beim [...] mehr...

25.07.2011 von kyon: mit Augenzwinkern gesagt

Ja, natürlich haben Sie recht. Ich habe das auch nur mit einem Augenzwinkern gesagt. In bin halt Aquarianer und mag die Fische gern schwimmen sehen. Angler sind mir aber von ihrer Lebensart her sehr sympathisch, und Fisch esse [...] mehr...

25.07.2011 von 1Piantao:

Das ist lobenswert, wird aber wohl eher als Kalauer aufgenommen. Nach dem Motto: Ich kaufe den Fisch ja beim Fischhändler. mehr...

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