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15.02.2008
 

Dopingverdacht

Anonyme Anzeige beschuldigt deutsche Athleten

Ein Dokument, 32 Namen: Eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Wien belastet mehrere Sportler aus dem In- und Ausland, in der österreichischen Hauptstadt Blutdoping betrieben zu haben. Auch Olympiasieger sind darunter.

Wien - Eine anonyme Anzeige beim österreichischen Bundeskriminalamt und der Wiener Staatsanwaltschaft bringt neue Bewegung in die Affäre um die Wiener Blutbank "Humanplasma". Die Anzeige, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, liefert umfangreiches Material und konkrete Anhaltspunkte für Dopingverstöße. In der Anzeige, über deren Inhalt die "Tiroler Tageszeitung" bereits gestern berichtete, werden 32 Namen von betroffenen Sportlern genannt, darunter Radprofis, Wintersportler und mehrere Olympiasieger. 16 Athleten sind Österreicher, unter den 16 restlichen befinden sich elf Deutsche.

Schild des Blutlabors "Humanplasma": Was geschah hinter den Fenstern?
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AFP

Schild des Blutlabors "Humanplasma": Was geschah hinter den Fenstern?

Die Anzeige stützt sich nach Angaben des anonymen Schreibers auf Informationen von Athleten, die selber in Wien und Linz Blutdoping betrieben haben sollen sowie auf Angaben von "ermittelnden Personen". Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), warnte vor Vorverurteiligungen: "Anonyme Beschuldigungen sind unzulässige Spekulationen. Sie dürfen nicht Anlass geben, Athleten unter Pauschalverdacht zu stellen. Jeder Sportler verdient Schutz, so lange nichts Beweiskräftiges gegen ihn vorliegt." Man stehe in engem Kontakt mit den österreichischen Behörden, nach deren Aussage es keinerlei neue Informationen bei den Ermittlungen gebe.

Eine Sprecherin des Wiener Landesgerichts bestätigte heute, dass die Anzeige eingegangen sei. "Da die Ermittlungen jedoch gerade erst begonnen haben, können und dürfen wir noch nichts dazu sagen."  Die Anzeige richtet sich gegen mehrere Ärzte, darunter Paul Höcker, bis 2007 Vorstand der Klinischen Abteilung für Transfusionsmedizin der Universitätsklinik Wien. Höcker, der auch bei "Humanplasma" tätig war, wird Blutdoping und Versicherungsbetrug vorgeworfen.

Der Kärntner Richter Arnold Riebenbauer, der nach der Doping- Affäre bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin vom Österreichischen Skiverband mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt worden war, begrüßt die neuen Ermittlungen. "Mir ist es recht, wenn es nicht im Sande verläuft. Ich hoffe, dass nun bei offiziellen Stellen etwas ins Rollen kommt", sagte er heute. Er sei bei seinen Untersuchungen auf viele Information gestoßen, die jedoch nicht zu beweisen gewesen waren. "Ich hatte Hinweise, die systematisches Doping vermuten ließen", sagte Riebenbauer. Die Gesetzeslage in Österreich ließ damals aber eine strafrechtliche Verfolgung von Dopingsündern nicht zu.

Auf Grundlage des ebenfalls in der anonymen Anzeige angeführten Vorwurfs des Versicherungsbetrugs hätten Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt nun die Möglichkeit, eigenständig im Blutdoping-Fall aktiv zu werden. Laut Anzeige sollen neben Höcker zwei weitere österreichische Transfusionsmediziner in den vergangenen Jahren in Wien (seit 2000) und Linz systematisch Blutdoping betrieben haben. Als Standort für das gelagerte Blut soll unter anderem das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) gedient haben. "Das Blut wurde und wird im AKH Wien für Zwecke des Tiefkühlens präpariert und im AKH Wien gelagert", heißt es in dem Schreiben. "Im Gebrauchsfall wurde und wird das präparierte Eigenblut dem AKH entnommen und (...) vor Ort der Wettkämpfe wieder zugeführt."

Zudem beschreibt die Anzeige die Vorgänge, wie die Bluttransfusionen vorgenommen worden sein sollen. Außerdem werden vier Hotels in Wien aufgelistet, wo manche Sportler jeweils am Samstag eingecheckt haben sollen, um sich Sonntagmorgen in der nahegelegenen Blutbank behandeln zu lassen.

Deutsche Wintersportler haben bisher alle Verbindungen nach Wien bestritten und dem Deutschen Ski-Verband (DSV) eidesstattlich versichert, keine Blutauffrischungen in Wien in Anspruch genommen zu haben. Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) lagen keine Hinweise auf eine mögliche Verwicklung deutscher Athleten in die Wiener Affäre vor. Der DSV war wegen der von ihm stark kritisierten Fernseh-Berichterstattung auch juristisch gegen seinen Partner ARD vorgegangen, der dann "journalistische Fehler" in seiner Dopingberichterstattung zugab.

Die österreichische Regierung hatte Mitte Januar auf die Anfragen des DOSB und des Internationalen Olympischen Komitees mit der Erklärung reagiert, es lägen keine Beweise vor, dass Athleten "irgendeines Landes" in Wien Blutdoping vorgenommen oder gegen ein Gesetz verstoßen hätten.

fpf/sid/dpa

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