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20.03.2008
 

Basketball an der Küste

Zu arm für die erste Liga

Von Sascha Klettke, Cuxhaven

Sie haben zwei Bundesligisten aus dem Pokal geworfen und stehen souverän an der Spitze der zweiten Bundesliga: Es hätte eine Traumsaison für die Cuxhaven Bascats werden können. Doch in dieser Woche sind gleich zwei Träume geplatzt.

Die Party hat schon begonnen: Eine Stunde vor dem Pokalviertelfinale der Cuxhaven Bascats gegen die Eisbären Bremerhaven ist ein großer Teil der 1200 Zuschauer bereits da und viele von ihnen schreien, singen oder trommeln. Auf die Frage, warum die Fans schon lange vor dem Sprungball in die Halle kommen, hat Bascats-Pressesprecher Knut Spreckelsen eine einfache Antwort: "Es gibt keine festen Plätze bei uns." Die Cuxhavener Spieler belohnen das frühe Kommen mit artistischen Einlagen beim Aufwärmen. Die beliebtesten Übungen sind Rückwärts-Dunkings oder den Ball gegen das Brett werfen, ihn dann in der Luft fangen und in den Korb stopfen.

Niederlage im Pokal, vorne in der zweiten Liga: Rocky Trice und Monta McGhee von den Cuxhaven Bascats
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Knut Spreckelsen

Niederlage im Pokal, vorne in der zweiten Liga: Rocky Trice und Monta McGhee von den Cuxhaven Bascats

"Das war unser Konzept: Wir haben Spieler gesucht, die spektakulär und sprungstark sind", sagt Bascats-Geschäftsführer Peter Neumann. Eine Strategie, die nicht ohne Risiko ist: Wenn Spieler die große Show mit dem Ball abziehen, sorgt das zwar für Begeisterungsstürme im Publikum, aber auch für Wutausbrüche bei Trainern. Oft bleibt nämlich das Teamplay auf der Strecke, wenn Basketballer ihre Kunststücke zeigen wollen.

Bascats-Trainer Vilmantas Matkevicius, der in Cuxhaven liebevoll Willi genannt wird, ist es aber gelungen, aus seinen fünf amerikanischen Ballartisten eine Mannschaft zu formen, in der jeder auch bereit ist, den Ball seinem Mitspieler zu geben. Der Nachteil der Konzentration auf eine starke erste Fünf: Die sieben deutschen im Team sehen das Spiel fast nur von der Bank. Im Pokal gegen Bremerhaven kamen nur zwei von ihnen zum Einsatz, für gerade einmal zwei Minuten und 15 Sekunden.

Der Erfolg gibt dem Trainer Recht. Die Bascats stehen in der zweiten Bundesliga, die Pro A heißt, auf dem ersten Platz und sind ins Viertelfinale des Pokals eingezogen. Doch weiter wird es nicht gehen: Sie werden nicht in die Basketball-Bundesliga aufsteigen, weil sie nicht genug Geld auftreiben konnten und ihre Halle zu wenig Plätze hat. Und sie werden nicht zum Pokalturnier nach Hamburg fahren, weil die Eisbären Bremerhaven zu stark für sie waren. Mit 73:80 verlor Cuxhaven am Mittwochabend.

Kein körperloses Spiel

Von einem Klassenunterschied zwischen Erst- und Zweitligisten war dabei wenig zu sehen. Die Bascats lagen nach dem ersten Viertel sogar in Führung, bis zwei Minuten vor Schluss hatten sie noch die Chance zum Sieg. Den Ausschlag gaben am Ende zwei Faktoren: die aggressive Verteidigung der Bremerhavener, die alle Vorurteile von Basketball als körperlosem Spiel widerlegte. Und ein zwei Meter elf großer Powerforward namens Matt Haryasz, den seine Gegenspieler kaum halten konnten. Er machte alleine 29 Punkte.

Cuxhaven liegt in Niedersachsen ganz im Norden, dort wo die Elbe in die Nordsee fließt und hat etwas mehr als 50.000 Einwohner. Das muss nicht zu wenig sein für eine deutsche Basketball-Hochburg: Bamberg, wo der deutsche Meister herkommt, hat nur 20.000 Bewohner mehr und beim Vizemeister Quakenbrück wohnen sogar 37.000 Menschen weniger. Und doch wird Cuxhaven in nächster Zeit keine Rolle spielen in der Basketball-Bundesliga. Das ist seit Dienstag endgültig klar.

Denn Geschäftsführer Neumann hat den Lizenzantrag für die BBL gar nicht erst eingereicht. Die Bascats haben weder eine Halle mit Platz für 3000 Zuschauer, noch einen Jahresetat von einer Million Euro. "Wir sind auf niemanden sauer, weil es nicht klappt", sagt Neumann, "die Mosaiksteine müssen halt zusammenpassen." Wenn eine größere Halle da wäre, dann würden auch die Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf steigen. Die Stadt Cuxhaven überlegt bereits, ob sie die alte Rundturnhalle ausbaut oder einen Neubau planen soll.

Hoffen auf die Zukunft

Neumann glaubt daran, dass Cuxhaven das Potential hat, um in Zukunft Sponsoren zu finden, die den Sprung in die erste Liga finanzieren. Wie hoch der Etat im Moment ist, lässt sich Neumann nicht entlocken. Er verrät nur, dass man davon ein "Einfamilienhaus bauen könnte, in dem man gut leben könnte". Finanziert wird der Zweitliga-Basketball derzeit von so vielen lokalen Sponsoren, dass sie nur knapp auf eine DIN-A4-Seite passen.

Die Negativ-Beispiele aus der BBL dürften Neumann darin bestärkt haben, das Aufstiegsrisiko nicht einzugehen. In der laufenden Saison mussten Köln und Gießen durch neue Geldgeber gerettet werden. Zur Zeit hat Aufsteiger Jena mit Finanzproblemen zu kämpfen.

Die Entscheidung, den Lizenzantrag für die erste Liga nicht zu stellen, wurde in der BBL-Geschäftsstelle in Köln mit Respekt aufgenommen: "Wenn ein Verein vorher erkennt, dass die Herausforderung zu groß ist, finde ich das vernünftiger als einen Husarenritt mit ungewissem Ausgang", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer SPIEGEL ONLINE. Und die Fans in Cuxhaven sehen das wohl ähnlich. Für das Pokalspiel hatten sie ein Transparent gemalt: "Wir brauchen keine BBL, um guten Basketball in Cuxhaven zu sehen." Aber ein bisschen hoffen sie doch, dass es irgendwann einmal klappt mit den Aufstieg ins Oberhaus. Wenn nicht in diesem, dann vielleicht im nächsten Jahr.

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