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14.04.2008
 

Dopingverdacht

Verfahren gegen Jan Ullrich eingestellt

Gegen Zahlung einer sechsstelligen Summe hat die Staatsanwaltschaft Bonn die Ermittlungen wegen Betrugs gegen Radstar Jan Ullrich beendet. Die "kriminelle Energie" des Tour-de-France-Siegers sei gering gewesen - angesichts des ohnehin dopingverseuchten Radsports.

Hamburg - Radprofi Jan Ullrich wird "einen Gesamtbetrag in sechsstelliger Höhe an gemeinnützige Institutionen und die Staatskasse" zahlen, teilte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel am Montag in einer Pressemitteilung mit. Das Ermittlungsverfahren, in dem Ullrich vorgeworfen wurde, seine früheren Arbeitgeber, die Rennställe T-Mobile sowie Telekom und Coast, durch Verwendung von Dopingmitteln betrogen zu haben, wurde eingestellt.

Ex-Radprofi Ullrich: "Weitere Ermittlungen im Bereich Doping"
AP

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Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass Ullrich durch die Ermittlungen und die Dopingvorwürfe bereits erhebliche Nachteile hinnehmen musste, da er "gezwungen war, seine Radsportkarriere endgültig zu beenden", erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen musste und "sein herausragender Ruf als Sportler weitgehend geschädigt ist".

Außerdem sei Ullrichs kriminelle Energie "als eher gering zu bewerten", weil "Doping im Radsport im Tatzeitraum in starkem Maße verbreitet" gewesen sei, so dass die "Hemmschwelle zur Anwendung verbotener leistungssteigernder Mittel" sehr niedrig gewesen sei.

"Ich war immer ein fairer Sportler, die Zahlung ist kein Schuldeingeständnis", behauptete Ullrich auf seiner Homepage. "Ein Geständnis konnte es auch deshalb nicht geben, weil es keinen Betrogenen gibt. Aber ein Kampf bis zum Freispruch hätte mich wesentlich mehr Geld gekostet. Meine Frau und ich sind froh, dass endlich der überfällige Schlussstrich gezogen wurde." Das Verfahren gegen ihn lief seit August 2006.

Damit gilt Ullrich als nicht vorbestraft. Der 34-Jährige hat bis dato bestritten, je betrogen zu haben. Allerdings stehen weitere Verfahren gegen ihn an. In der Schweiz ermittelt der Radsportverband, mit dessen Lizenz Ullrich als Profi fuhr, weiterhin wegen Dopings. Die Bonner Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass Ullrich nunmehr den Zugriff auf wichtige Beweismittel ermöglicht habe, die "für weitere Ermittlungen im Bereich Doping von erheblicher Bedeutung sein dürften".

Zudem hat Ullrich ein Verfahren gegen den Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke angestrengt, weil der Anti-Doping-Fachmann öffentlich behauptet hatte, Ullrich habe 35.000 Euro an den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes gezahlt.

Die Bonner Staatsanwälte teilten nun mit, dass Ullrich auch eine außergerichtliche Einigung mit Franke angeboten habe - doch der besteht nach SPIEGEL-Informationen auf eine Beweisaufnahme. Der Hintergrund: Dann könnte Franke sehr wahrscheinlich Einsicht in die Akten des Bonner Strafverfahrens gegen Ullrich nehmen.

all/sid

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