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05.05.2008
 

Pokalsieger Quakenbrück

Mit dem Fahrrad zur Titelfeier

Von Frieder Pfeiffer

Erster Titel für Quakenbrücks Basketballer: Der Pokalerfolg der Artland Dragons macht die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison endgültig zum Meisterschaftsfavoriten. Das Team und seine Fans aus der Provinz sind bereit für die Playoffs - im Gegensatz zu Tabellenführer Alba Berlin.

Svetislav Pesic hat als Trainer unzählige Erfolge gefeiert. Er war Meister in Spanien und Deutschland, gewann die Europaliga mit dem FC Barcelona, war Weltmeister mit Jugoslawien (2002) und Europameister (2001) mit Jugoslawien und Deutschland (1993). Seine Erfahrung ist riesig, sein Wort hat Gewicht. An diesem Wochenende während des Top-Four-Turniers in Hamburg, der Finalrunde des deutschen Basketball-Pokals, bewies der 58-jährige Serbe, dass er die große Beachtung immer noch zurecht genießt.

Bereits am Samstag, sein ehemaliger Verein Alba Berlin war gerade im Halbfinale gegen die Artland Dragons ausgeschieden (69:76), sollte der derzeit vereinslose Pesic den Charakter der zweitägigen Veranstaltung am treffendsten beschreiben: "Wer solche tollen Fans hat", sagte der Meistertrainer, "der hat auch einen großen Club". Pesic meinte die Dragons aus Quakenbrück.

Und wirklich: Die etwa 1300 Fans aus dem Artland feuerten ihr Team derart zahlreich, lautstark und ausdauernd an, dass nicht nur der Titel für die besten Fans des Wochenendes dabei heraussprang, ein interessanter Nebenwettbewerb zwischen den mitgereisten Fangruppen; sondern auch der Titel für die Mannschaft - der Pokalsieg. 74:60 hieß es am Ende eines über lange Zeit spannenden Finales gegen die EnBW Ludwigsburg, die als Außenseiter im Halbfinale die Eisbären Bremerhaven (76:72) besiegt hatte. Die beste Mannschaft mit den besten Fans hatte sich somit durchgesetzt, Pesics Paralleldeutung war aufgegangen.

Es gibt derzeit keine Mannschaft im deutschen Basketball und vielleicht auch keine Profimannschaft überhaupt in Deutschland, die wie der derzeitige Tabellenzweite ein derart enges Verhältnis zwischen Spielern und Fans pflegt. Im Laufe der Siegerehrung zeigten die Profis den Funktionären mit den Medaillen in den Händen lange ihre breite Rückansicht, um sich ausgiebig bei den dunkelrot bekleideten Anhängern auf der anderen Seite zu bedanken. Erst spät drehten sie sich weg von der feiernden Masse - für den kurzen Moment des Händeschüttelns und Posierens für die Fotografen.

Und während die wiedervereinigte Quakenbrücker Delegation das Spielfeld stürmte und die Netze von den Körben schnitt, saß unten in den Katakomben der Trainer der Dragons, Chris Fleming, und sprach davon, wie "unglaublich" es sei, was diese Fans leisten würden. "Es wäre egal, wo das Top Four stattfinden würde - die Leute würden überall hinkommen", sagte der US-Amerikaner, der mit 38 Jahren zwar noch relativ jung, mit acht Jahren Trainererfahrung in Quakenbrück aber lange kein Anfänger mehr ist.

Zweimal Zweiter - das war der Ertrag der vergangenen Dragons-Saison. In dieser Spielzeit steht nun der erste Titel in der Erfolgsbilanz. Und vor den Playoffs in der Liga, an deren Ende auch der erste Meistertitel gefeiert werden soll, kann der Verein nun endgültig nicht mehr in seiner bequemen Underdog-Rolle verharren. Was für Dragons-Manager Marko Beens aber auch kein Problem ist: "Letztes Jahr sind wir als Underdog zweimal Zweiter geworden. Jetzt haben wir als Favorit im Finale unseren ersten Titel geholt. Vielleicht ist es gut so."

Der Manager, seit sechs Jahren in Quakenbrück, hat das Team in dieser Saison zusammen mit Fleming noch einmal verstärkt. Nun ist nicht nur die Geschlossenheit ein Merkmal der Mannschaft. Es verfügt jetzt über Spieler, die auch im Alleingang immer gefährlich sind. "Wir sind tiefer besetzt als letztes Jahr", sagte Fleming, "und sind eingespielter, weil wir in dieser Saison weniger Verletzungen hatten". Der Trainer wertet auch den Uleb-Cup, in dem die Dragons überraschend das Achtefinale erreichten, als positiven Faktor. "Die junge Mannschaft hat in Europa sehr viel gelernt", so Fleming. So wagt sich auch der Manager aus der Defensive. "Wir sind stärker als vor einem Jahr", sagte Beens.

Das dürfte man auch bei den Berlinern erkannt haben, die am Sonntag auch das Spiel um Platz drei gegen Bremerhaven verloren. Der Bundesliga-Tabellenführer ist noch nicht in Playoff-Verfassung. "Wir hatten viele Umbrüche in dieser Saison", sucht Alba-Kapitän Patrick Femerling eine Erklärung. "Wir müssen uns steigern", so der Nationalspieler. Trainer Luka Pavicevic sprach von einem "schwierigen Wochenende". In der ersten K.o.-Runde geht es erneut gegen die Eisbären. Die gute Nachricht für Alba in diesen Tagen war immerhin die Rückkehr von Nationalspieler Johannes Herber nach dessen Kreuzbandriss.

"Die Leute werden den Marktplatz umgraben"

Die enttäuschten Berliner waren schon lange zurück in der Hauptstadt, als sich der Quakenbrücker Tross auf den Weg in die Heimat machte. Eiligst wurde dort ein Empfang für die Pokalsieger organisiert. "Die Leute werden den Marktplatz umgraben", freute sich Manager Beens vor der Abfahrt, während Coach Fleming eigentlich am liebsten sich mit seiner Frau in Ruhe "hinsitzen und ein Bier trinken" wollte. Dazu kam er nicht. Er schaffte es nicht einmal pünktlich zum Marktplatz. Von jubelnden Nachbarn vor dem eigenen Haus aufgehalten, war die Feier mit 3000 Fans unter dem winzigen Rathausbalkon schon lange in Fahrt, als Fleming auf dem Fahrrad die Ortsmitte erreichte.

Zufriedene Gesichter gab es auch bei der BBL. "Wir haben wieder einen Schritt nach vorn gemacht. Fast 13.000 Zuschauer an beiden Tagen können sich sehen lassen", sagte Geschäftsführer Jan Pommer. Im vergangenen Jahr waren nur gut 5500 Zuschauer am Finaltag in die ColorLine Arena gekommen. Wie auch Fleming, der von einem "super Veranstaltungsort" sprach, der nun "von Jahr zu Jahr wachsen muss", bewertet Pommer den Erfolg perspektivisch: "Das Ganze muss noch einen gewissen Gewöhnungswert bekommen", so der 37-Jährige. Bis 2011 ist Hamburg garantierter Top-Four-Standort.

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