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16.05.2008
 

Basketball-Playoffs

Die wilde Dunking-Show der Albatrosse

Von Sascha Klettke

Aus einem mit Spannung erwarteten Duell wurde ein einseitiges Freudenfest. Zum Playoff-Auftakt in der Basketball-Bundesliga schießt Alba Berlin die Eisbären Bremerhaven aus der Halle. Der zuletzt im Schatten stehende Berliner Nachwuchs sorgte am Ende für Rekorde.

2,13 Meter gegen 1,98 - Rekordnationalspieler Patrick Femerling, 33, und der 19-jährige Oskar Faßler schubsen sich nach dem Abpfiff scherzhaft durch den Mittelkreis, während das Publikum in der Berliner Max-Schmeling-Halle seit Minuten stehend Beifall klatscht. So grandios hatten sich wohl weder Spieler noch Fans den Start in die Playoffs vorgestellt. 105:65 stand am Ende auf der Anzeigentafel - dabei hatten viele mit einem engen Ausgang gerechnet.

Flügelspieler Philip Zwiener: Vom Bankdrücker zum Leistungsträger
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Flügelspieler Philip Zwiener: Vom Bankdrücker zum Leistungsträger

Gründe dafür, warum Alba nur mit begrenztem Optimismus in die Serie gegen die Eisbären gehen konnte, gab es genug: Hinter der Mannschaft liegt eine Saison mit Verletzungen, neuen Spielern und Vertragsauflösungen - die letzte erst vor einer Woche: Dijon Thompson, Hoffnungsträger aus den USA, Spieler in der ersten Fünf und bester Rebounder des Teams, musste gehen. Wegen "nicht akzeptabler Vorkommnisse", Details wurden nicht genannt, sie wären wohl zu pikant gewesen. Außerdem hatte Berlin vor zwei Wochen gegen Bremerhaven beim Spiel um den dritten Platz bei der Pokal-Endrunde in Hamburg 70:74 verloren.

Am Donnerstagabend schien das alles vergessen: Albas Aufbauspieler Bobby Brown, dessen Würfe in den vergangenen Wochen nicht fallen wollten, schoss den ersten Dreier. 8:0 gingen die Berliner in Führung, bevor Bremerhavens Power Forward Anthony Tolliver die ersten drei Punkte für das Team von der Nordseeküste machte. Er stemmte sich am erfolgreichsten gegen die Niederlage, machte insgesamt 19 Punkte.

Aber seinen Mannschaftskollegen gelang nicht viel, zur Halbzeit stand es schon 49:36 für Alba. Nach der Pause starteten Julius Jenkins, der MVP ("wertvollster Spieler") der BBL-Hauptrunde, und Point Guard Bobby Brown eine Show, die mehr an einen Auftritt der Harlem Globetrotters erinnerte als an ein intensiv geführtes Playoff-Spiel. Beim Schnellangriff wirft Jenkins den Ball zum Alley Hoop in die Luft, Brown stopft ihn im Flug in den Korb - die Zuschauer jubeln. Doch nur wenige Sekunden später wiederholen die beiden den Alley-Hoop-Angriff auch noch - nur mit umgedrehten Rollen. Dunking-Wahnsinn. Die Halle tobt.

Ein Grund für das Bremerhavener Desaster war die schwache Verteidigung, ein zweiter aber war Albas neue Stärke. Spielfreude und tolle Passstaffetten hatten die Albtrosse die ganze Saison über gezeigt, aber so viel Einsatz und Kampfeswillen über 40 Minuten noch nicht. Auch mit mehr als 30 Punkten Vorsprung hechteten die Albaspieler jedem Ball nach. Einer von denen, der sich bis zum Schluss aufs Parkett warf, war der 22-jährige Philip Zwiener. Er trägt das Alba-Trikot jetzt in der dritten Saison. Sein Stammplatz war bisher die Bank. Durchschnittlich knapp neun Minuten stand er in dieser Saison auf dem Feld, manchmal auch mehrere Spiele gar nicht. Die magere Ausbeute: 2,5 Punkte im Schnitt.

Playoff-Viertelfinale
Alba - Bremerhaven 105:65 1:0
Artland - Bonn 99:89 1:0
Leverkusen - Frankfurt 78:75 1:0
Bamberg - Oldenburg 54:55 0:1
Die Fans hielten trotzdem zu ihm. Immer wenn Trainer Luka Pavicevic ihn einwechselte, wurde es lauter in der Halle. Seine Körbe wurden mit Sprechchören gefeiert - bis jetzt. Zum Playoff-Auftakt gegen Bremerhaven wurden Zwieners Punkte nicht mehr lauter bejubelt als die seiner Kollegen. Denn seit Samstag sind Körbe des zweiter Meter großen Flügelspieler nichts Besonderes mehr: Gegen Braunschweig im letzten Vorrundenspiel (77:57) war er mit 17 Punkten Top-Scorer, blieb für 22 Minuten auf dem Feld. Genauso lange wie nun gegen Bremerhaven.

Seine Bilanz: Zehn Punkte, zwei Korbvorlagen, zwei Steals, ein Block - und vier Ballverluste. Die waren für Philip Zwiener nach dem Spiel gleich Anlass zur Selbstkritik. "Das waren zu viele und die ein, zwei Schnitzer in der Verteidigung muss ich auch noch abstellen", sagte er eine Viertelstunde, nachdem sein Team ein anderes mit 40 Punkten Vorsprung aus der Halle geschossen hatte, zu SPIEGEL ONLINE.

Nachdem seine Nervosität ihm in den vergangenen Jahren das Spielen auf Bundesliga-Niveau schwer gemacht hatte, spielt Zwiener nun nicht nur wie ein Profi, sondern spricht auch wie einer: "Das war nur das erste Spiel, wir müssen drei gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen."

In den letzten drei Minuten des ersten Playoff-Spiels konnte Zwiener gleich noch eine neue Rolle ausprobieren: die des Profis, der erfahrener ist als seine Mitspieler. Dreieinhalb Minuten vor Schluss holte Pavicevic seine Stammkräfte vom Platz und ließ die übrigen Bankkräfte spielen. Den 19-jährigen Oskar Faßler, den 22-jährigen Yannik Evans und den 25-jährigen Center Mladen Pantic.

Obwohl Bremerhaven auch gegen Albas Jugendtruppe noch versuchte, ein paar letzte Akzente zu setzten - es wollte nicht so recht klappen. Stattdessen punkteten noch alle Alba-Spieler. Mladen Pantic traf per Freiwurf den 100. Punkt, und Oskar Fassler stopfte den Ball zum 105:65-Endstand kraftvoll durchs Netz. Damit schaffte er gleich zwei Rekorde: die meisten Punkte in einer Partie in dieser Saison und mit 40 Punkten die größte Differenz.

Was der Erfolg wert war, werden die Albatrosse am Sonntag sehen. Dann treten sie zum zweiten Spiel in Bremerhaven an. Und Philip Zwieners junge Kollegen müssen sich vielleicht an das Gefühl erinnern, auf dem Feld zu stehen, ohne es selbst erleben zu können. Denn: Wenn der Vorsprung nicht so deutlich ist, bevorzugt Trainer Pavicevic die kleine Rotation. Aber auch aus der ist Zwiener im Moment nicht wegzudenken.

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