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Kanu-Trainer Capousek "La Paloma kommt später"

2. Teil: Kasernierte Sportler und martialische Parolen

"Fleißig ist das Lieblingswort in China", sagt Capousek. "Für die chinesischen Trainer ist ein Training erst gut, wenn die Sportler abends auf allen Vieren ins Bett kriechen. Motivation und Psychologie sind hier Fremdworte. Lob gibt es keins." Hier setzt Capousek an. Weniger Kraft, mehr Köpfchen und bessere Technik ist seine Devise. Biomechanik hat er an der Frankfurter Sporthochschule studiert, auf richtige Bewegungsabläufe legt er viel Wert.

Außerdem schafft er den Polit-Unterricht ab, die Sportler müssen sich auch nicht mehr die 19 Uhr-Nachrichten ansehen.

Weil "die Chinesen gar nicht wissen, was Regeneration ist", gibt er der Mannschaft mehr Luft. Er lässt sie morgens eine halbe Stunde länger schlafen, am Mittwochnachmittag und am Sonntag hat sie frei. Wer in der Nähe eines Trainingslagers lebt, darf nach Hause. "Wenn man das ganze Jahr im Lehrgang ist", sagt Capousek, "dann sagen die morgens nach dem Aufwachen nicht: 'Jetzt will ich', sondern: 'Jetzt muss ich'."

Diplomatie statt klare Worte

Wie die meisten chinesischen Sportler sind sie sonst jahrelang wie Soldaten kaserniert, nur zum Frühlingsfest Anfang des Jahres dürfen sie zur Familie, wenn überhaupt. Dafür werden sie nicht schlecht bezahlt. Capouseks Kanuten verdienen rund 3000 Yuan im Monat sowie 1500 Yuan Trennungsgeld. Das ist viel für Sportler, die sich sonst wohl als Soldaten oder Wanderarbeiter durch das Leben schlagen würden.

Vor dem Kraftraum steht Yang Wenjun, Olympiasieger von Athen, Goldkettchen um den Hals, graue Neoprenhose. "Wir müssen nicht mehr so schwere Gewichte heben wie früher", sagt er, "dafür müssen wir sie öfter stemmen." Die Atmosphäre sei unter Capousek entspannter als früher: "Wir haben mehr persönliche Freiräume, jetzt trainieren wir freiwillig."

Sportlich erfüllt Capousek die Erwartungen seiner Arbeitgeber, und auch wieder nicht. Die Chinesen werden schneller, der Abstand zu den europäischen Spitzenmannschaften schrumpft. Aber auch andere asiatische Nationen legen zu, die Kasachinnen etwa und die Japanerinnen.

Bei den Weltmeisterschaften in Duisburg im Mai 2007 qualifizieren sich zunächst nur drei Boote für die Olympischen Spiele. Das ist den Funktionären zu wenig.

Je näher die Spiele rücken, desto nervöser werden die Funktionäre. Im Wassersportzentrum von Guangdong steht Anfang Februar plötzlich sein Vorgänger, der Kanadier Marek Ploch. "Ich soll die Kanadier übernehmen, du bleibst bei den Kanuten", sagte der, und dem sonst so wortgewandten Capousek verschlägt es einen Moment lang die Sprache. Dann sagt er aus Zorn alle Einladungen zu Banketten zum Frühlingsfest ab.

Eine schlüssige Erklärung erhält er nicht. War er mit seiner Kritik an den Verhältnissen zu deutlich, ist er einem Funktionär zu nahe gekommen?

Dreckwasser und Dopingkontrollen

Er macht sich Gedanken, wo er die Mannschaft in den letzten Wochen trainieren soll: "In Peking ist es zu heiß, woanders haben wir zu viele Wellen." Nun wartet er darauf, was die Funktionäre entscheiden.

Das Perlfluss-Delta in Guangdong ist alles andere als ideal. Um die Rennstrecke sind trübe, müffelnde Kanäle gezogen, aus denen die Bauern ihre Felder bewässern. Auch das Wasser der Rennstrecke ist nicht sauber, manche Sportler bekommen Magenprobleme.

Nach einem starken Regen wird das Wasser noch dreckiger.

Capouseks Truppe ist auf acht Frauen und zwölf Männer geschrumpft. Regelmäßig tauchen Doping-Kontrolleure aus Peking auf, die Blut- und Urinproben der Sportler nehmen. Die Zentralregierung hat Doping streng verboten. Sie will den Verdacht entkräften, dass in China Verhältnisse wie einst in der DDR herrschen.

In Capouseks Team haben sie bislang keine Sünder gefunden. Nur eine Kanutin, die ihre Eltern besuchte, sperrten sie für vier Monate, weil sie es nicht rechtzeitig zur Kontrolle zurückschaffte.

Seither trauen sich die Sportler nicht mehr, sich allzu weit vom Zentrum zu entfernen. Allein dürfen sie nicht mehr in die Heimatprovinz fahren. Die Funktionäre fürchten, die Genossen in der Provinz könnten aus lauter Ehrgeiz ihren Zöglingen verbotene Substanzen geben. Pakete aus der Heimat werden deshalb streng kontrolliert.

Nur Gold zählt

"Insgesamt haben wir zu wenig Wettbewerbe vor den Spielen", sagt Capousek. Gleichwohl hofft er auf drei bis vier Medaillen. "Mindestens eine muss Gold sein. Ohne Gold ist nichts, nur Gold zählt", sagt er.

Capousek funktioniert. Im Mai qualifizieren sich im japanischen Komatsu fünf weitere seiner Kanus. "Eine Supersache", kommentiert der Deutsche.

Am Gebäude in Guangzhou fordert ein Transparent, eine "mächtige und zivilisierte Kraft auf dem Wasser zu errichten, die schwere und große Schlachten gewinnen kann." Der Deutsche Capousek darf sich als Feldherr in China fühlen. "Volle Kanne", sagt er. "La Paloma kommt später."

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