Von Frieder Pfeiffer
Jesús Manzano wollte, dass sein Blut mehr Sauerstoff transportiert. Er wollte es um jeden Preis, wollte im Kampf um Verträge und Prämien das letzte bisschen Leistungsreserve ausschöpfen, und darum griff er zu der Packung mit der Aufschrift "Oxyglobin". Er fragte nicht nach den Risiken, als sie ihm empfohlen wurde. Und so nahm er ein Medikament aus der Tiermedizin, gegen Blutarmut bei Hunden. Ein Mittel, das zum Beispiel der Analytiker Mario Thevis vom Dopinglabor in Köln "sehr gefährlich" für Menschen nennt.
Als Manzano sich 2003 vor der ersten Bergetappe der Tour de France Oxyglobin spritze, merkte er an einem steilen Anstieg, was er da getan hatte. Er musste die Rundfahrt beenden - im Delirium: "Das Einzige, woran ich mich noch erinnere, ist, dass mir schwindlig war und ich nicht länger geradeaus fahren konnte. Aber ob ich hinfiel oder ob sie mich wegtrugen und wo sie mich hinbrachten, weiß ich nicht mehr", sagte er der spanischen Zeitung "As". Seine Karriere war kurz darauf beendet.
Hunde-Pharmaka für Radsportler - das war 2003. Der Fall zeigt, wie erfinderisch die vielen Betrüger in dieser Disziplin sind.
2008 werden sie neue Mittel probieren. Davon ist auszugehen.
Der ehemalige deutsche Radprofi Jörg Jaksche, wie Manzano geständiger Ex-Doper, spricht heute von "Methoden aus den sechziger Jahren", wenn er an die Mittel wie Oxyglobin zurückdenkt. "Wenn Du Glück hattest, waren sie gut gekühlt, dann haben sie wenigstens nicht geschadet."
Tiermittel als Dopingsubstanzen sind Jaksche zufolge in diesem Jahr ebenso wenig zu erwarten wie anabole Steroide. Der SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist ist sicher, dass inzwischen andere gefährliche Substanzen den Weg ins Peloton gefunden haben:
Allerdings gilt nach wie vor: Selbst wenn neue Mittel Einzug in den Radsport halten - Blutdoping, Wachstumshormone und Epo werden bei dieser Tour de France wichtig bleiben.
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