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05.07.2008
 

Doping 2008

Cortison, Fruchtbarkeitsmittel, Genversuche

Von Frieder Pfeiffer

Bei der Tour de France werden zweifellos wieder klassische Dopingpraktiken zum Einsatz kommen - Blutdoping, Epo und Wachstumshormone. Doch auch der Einsatz neuer Mittel ist zu erwarten: SPIEGEL ONLINE zeigt, womit sich Sportler in diesem Jahr aufputschen.

Jesús Manzano wollte, dass sein Blut mehr Sauerstoff transportiert. Er wollte es um jeden Preis, wollte im Kampf um Verträge und Prämien das letzte bisschen Leistungsreserve ausschöpfen, und darum griff er zu der Packung mit der Aufschrift "Oxyglobin". Er fragte nicht nach den Risiken, als sie ihm empfohlen wurde. Und so nahm er ein Medikament aus der Tiermedizin, gegen Blutarmut bei Hunden. Ein Mittel, das zum Beispiel der Analytiker Mario Thevis vom Dopinglabor in Köln "sehr gefährlich" für Menschen nennt.

Als Manzano sich 2003 vor der ersten Bergetappe der Tour de France Oxyglobin spritze, merkte er an einem steilen Anstieg, was er da getan hatte. Er musste die Rundfahrt beenden - im Delirium: "Das Einzige, woran ich mich noch erinnere, ist, dass mir schwindlig war und ich nicht länger geradeaus fahren konnte. Aber ob ich hinfiel oder ob sie mich wegtrugen und wo sie mich hinbrachten, weiß ich nicht mehr", sagte er der spanischen Zeitung "As". Seine Karriere war kurz darauf beendet.

Hunde-Pharmaka für Radsportler - das war 2003. Der Fall zeigt, wie erfinderisch die vielen Betrüger in dieser Disziplin sind.

2008 werden sie neue Mittel probieren. Davon ist auszugehen.

Der ehemalige deutsche Radprofi Jörg Jaksche, wie Manzano geständiger Ex-Doper, spricht heute von "Methoden aus den sechziger Jahren", wenn er an die Mittel wie Oxyglobin zurückdenkt. "Wenn Du Glück hattest, waren sie gut gekühlt, dann haben sie wenigstens nicht geschadet."

Tiermittel als Dopingsubstanzen sind Jaksche zufolge in diesem Jahr ebenso wenig zu erwarten wie anabole Steroide. Der SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist ist sicher, dass inzwischen andere gefährliche Substanzen den Weg ins Peloton gefunden haben:

  • Zum Beispiel Menogon, eigentlich ein Mittel gegen Unfruchtbarkeit bei Frauen. Es regt bei Männern die Testosteronbildung an.
  • Hormone wie Prolaktin sind gerade der Renner unter dopenden Radsportlern. Sie sind bisher schwer bis gar nicht nachzuweisen.
  • Auch Cortisonpräparate werden nach wie vor im Sport zum Dopen eingesetzt, sagt Thevis. Für sie holen sich manche Profis gerne medizinische Ausnahmegenehmigungen mit Verweis auf eine vorgetäuschte Asthmaerkrankung - so ist die Medikamentierung mit cortisonhaltigen Mitteln erlaubt. Da nützt es dann wenig, dass verwandte Verbindungen zum menschlichen Cortison mit den üblichen Testverfahren der Dopinganalytik sehr gut und lange nachweisbar sind.
  • Jaksche glaubt außerdem, dass gentechnische Manipulation den Weg in den Sport gefunden hat. "Es gibt sicherlich Versuche", sagt er. Versuche, mittels Genen, die dem Sportler gespritzt werden und für die Produktion bestimmter Stoffe im Körper verantwortlich sind, das Leistungsvermögen zu steigern. Thevis ist vorsichtiger: "Gendoping ist sehr wahrscheinlich derzeit kein größeres Problem für den Leistungssport. Das kann sich in Zukunft natürlich ändern."

Allerdings gilt nach wie vor: Selbst wenn neue Mittel Einzug in den Radsport halten - Blutdoping, Wachstumshormone und Epo werden bei dieser Tour de France wichtig bleiben.

SPIEGEL ONLINE zeigt die aktuell gängigsten Praktiken:

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