Über eines muss an diese Stelle nicht gesprochen werden: den sportlichen Gewinn für die deutsche Nationalmannschaft. Ob der 2,13-Meter-Mann Kaman, der in der besten Basketball-Liga der Welt pro Spiel knapp 16 Punkte macht und fast 13 Rebounds holt, in das deutsche Team integrierbar ist, steht außer Frage. Weil die DBB-Auswahl auch abseits des Platzes harmoniert, wird Kaman auch menschlich problemlos Anschluss finden. Ebenso wie alle Talente in den letzten Wochen.
Und dass ein - auch unter dem Korb entlasteter - Dirk Nowitzki nicht mehr jeden Spielzug prägen muss, beziehungsweise den Glauben hat, dies tun zu müssen, wird dem deutschen Spiel weit mehr gut tun, als die bloße Präsenz eines außergewöhnlichen Centers.
Diskussionen entspinnen sich lediglich aus direkten und indirekten Folgen dieser Entscheidung.
Bitter ist die Einbürgerung Kamans für den Spieler, der nun aus dem Kader für das vorolympische Turnier in Griechenland gestrichen wird. Womöglich trifft es sogar das hoffnungsvollste Talent. Eines, dass genau dort gut spielt, wo es Deutschland in den vergangenen Jahren schlecht erging: unter dem Korb. Doch der 20-jährige Tim Ohlbrecht wird noch genügend Zeit zum Lernen haben. Dabei hilft ein guter Lehrer. Dieser wird Kaman in den kommenden Jahren sein. Denn trotz aller Zweifel: Auch nach 2008 wird der basketballverrückte Profi für Deutschland auflaufen. Im Gegensatz zu Patrick Femerling. Für den 33-Jährigen sollte nach diesem Sommer Schluss sein. Ob dieser nun olympisch wird oder nicht.
Für den deutschen Basketball ist die Frage nach Olympia dafür umso mehr von Belang. Eine Teilnahme an den Spielen in Peking wäre ein Riesenerfolg - und Kaman in diesem Fall sicherlich ein entscheidender Faktor. Und deshalb auch im Falle eines Abschieds nach 2008 ein Gewinn. Die Talente, die diese Erfahrung miterleben dürfen, profitieren ungleich mehr, als es dem einen Nachwuchsspieler schadet, der nicht dabei sein kann.
Dass sich Kamans Deutschkenntnisse in engsten Grenzen halten, darf nicht als Argument zählen - diese (fehlende) Eigenschaft war noch nie ein Hinderungsgrund in der DBB-Geschichte. Bis zuletzt hielt Coach Dirk Bauermann seine Ansprachen auch aus diesem Grund auf Englisch. Im Training hält es der Bundestrainer genauso. Kaman wird also alles verstehen - und nichts muss geändert werden.
Auch für Nowitzki ist die Einbürgerung eine "super Nachricht". Dies verdoppelt den Effekt sogar. Denn bislang musste von einem - zumindest zwischenzeitlichen - Abschied des Superstars aus der Nationalmannschaft ausgegangen werden. "Wenn eine gesunde Mannschaft mit Perspektive da ist, kann es auch passieren, dass ich mir das noch einmal überlege", hat Nowitzki immer betont. Die Perspektive ist mit Kaman gegeben. Der Rest wird von selbst passieren. Es wird viel Gutes sein.
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