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16.07.2008
 

Tour-Profi Voigt

"Gebt uns doch mal eine Chance"

Jens Voigt hat genug von den ständigen kritischen Fragen zu Doping im Radsport. Der Profi von CSC-Saxo Bank wettert im Interview mit SPIEGEL ONLINE gegen "billige Polemik", sieht seinen Sport als Opfer von Stimmungsmache - und meint, die Kontrollsysteme würden zu wenig gewürdigt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Voigt, Sie waren von Journalisten zuletzt ziemlich genervt. Warum eigentlich?

Voigt: Ich hatte kein schlechtes Verhältnis zu den Journalisten, aber sehen Sie, ich bin ja kein Kopfmensch, sondern eher so ein Herz- und Bauchmensch. Ich war bestimmt acht Jahre lang ein netter Stichwortgeber, war immer für eine Schlagzeile gut, die Journalisten mochten mich gern dafür. Dann schlägt plötzlich alles um, wir stehen alle unter Generalverdacht und Du bekommst Fragen an den Kopf geknallt, wo man denkt, sag mal, wie kannst Du mir denn jetzt dermaßen an die Karre fahren?

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie genau?

Voigt: Wenn jemand sagt, der Voigt gehört zur alten Generation, zur schmutzigen Generation, dann ist das beleidigend. Eine Frechheit. Nur weil ich ein älterer Fahrer bin, heißt das doch nicht, dass ich automatisch gedopt habe, vor zehn oder 15 Jahren.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten es jetzt zugeben, es wäre verjährt - wie bei Erik Zabel.

Voigt: Es war aber nicht so. Diese Vorwürfe sind eine billige Polemik.

SPIEGEL ONLINE: Sie verstehen aber schon, dass Journalisten angesichts all der Dopingfälle und Geständnisse kritisch nachfragen, oder?

Voigt: Ich war vielleicht etwas naiv. Viele Reporter waren über Jahre immer sehr freundlich und haben einem auch mal auf die Schulter geklopft. Was mich am meisten enttäuscht hat, war, das plötzlich alles über einen Kamm geschoren wurde. Alles war negativ, negativ, negativ.

SPIEGEL ONLINE: Weil zu viele Dopingtests positiv waren.

Voigt: Wenn jemand positiv getestet wurde, dann ist das doch ein Erfolg! Das heißt doch, das Kontrollsystem funktioniert und hat keine Lücken. Aber so schreibt das niemand. Vor ein paar Monaten waren elf von 14 Gewichthebern der griechischen Olympiamannschaft positiv. Da habe ich keine so großen Schlagzeilen in "Bild", der "Süddeutschen Zeitung" oder bei SPIEGEL ONLINE gesehen.

SPIEGEL ONLINE: Dopingfälle und Verdächtige in anderen Sportarten werden in seriösen Medien genauso erwähnt. Warum sehen Sie sich denn bloß in so einer Opferrolle?

Voigt: Sicher, die werden erwähnt - aber nicht mit einem solchen Aufschrei. Und vor allem: Der Radsport wurde eine ganze Zeit automatisch mit Doping gleichgesetzt. Wenn man etwas gelesen hat: Radsport, Doping. Radsport, Doping. Radsport, Doping. Das gibt es doch bei keiner anderen Sportart, egal wie viele Athleten da positiv getestet werden. Leute, gebt uns doch mal eine Chance.

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