Aus Athen berichtet André Voigt
So dürfte sich das Bundestrainer Dirk Bauermann wohl vorgestellt haben. 5:30 Minuten waren im dritten Viertel des zweiten Gruppenspiels der Olympiaqualifikation noch zu spielen. Craig Bradshaw, der Center Neuseelands, dachte, er hätte einen sicheren Korbleger direkt am deutschen Korb. Da flog Chris Kaman heran und schmetterte Bradshaws Wurf gegen das Brett.
DBB-Kollegen Kaman (l.) und Nowitzki: Bislang konkurrenzlos
"Chris musste am Ende nicht mehr auf dem Feld sein", erklärte Bauermann den zeitigen Feierabend Kamans, der aufgrund einer Sprunggelenksverletzung seit Ende März keine Partie bestritten hatte. "Das Spiel war entschieden und wir müssen immer noch ein wenig Rücksicht auf seinen Knöchel nehmen."
Weniger behutsam ging die deutsche Mannschaft während der Gruppenphase der Olympiaqualifikation mit den ihr zugeteilten Gegnern um. Die allenfalls drittklassig einzustufenden Kapverdischen Inseln wurden mit 104:68 abgefertigt, Neuseeland musste sich am Ende nach einem ebenfalls deutlichen 89:71 mit dem zweiten Rang der Gruppe B begnügen.
Die "Tall Blacks" treffen damit am Freitag im Viertelfinale auf Gastgeber und Topfavorit Griechenland (21 Uhr), während es Deutschland mit Brasilien zu tun bekommt (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Hauptgrund für die Dominanz des deutschen Teams: Die Vorteile auf den Positionen am Korb, auf denen mit Dirk Nowitzki und eben Kaman die besten Vertreter ihrer jeweiligen Spielergattung in diesem Turnier auflaufen.
"Die beiden sind so etwas wie ein zweiköpfiges Monster, das die anderen erst einmal stoppen müssen. Deshalb dürfen wir nicht an ihnen vorbei spielen", analysiert Bauermann. "Wenn sie den Ball haben, können beide hochprozentig abschließen oder sie zwingen die Verteidigung, extrem hart zu helfen. Dadurch ergeben sich auch Lücken für die anderen."
Gegen Neuseeland zeigten die beiden NBA-Profis, wie gut sich ihre Talente ergänzen. Nowitzki lieferte sein bekanntes, wohl gerundetes Angriffsspiel, punktete sowohl von der Dreierlinie, aus der Mitteldistanz, als auch in Korbnähe. Dabei profitierte er von Kamans Präsenz am Zonenrand, der durch seine Gefährlichkeit dort auch Räume für Nowitzki schafft.
Ein Luxus, den der Superstar in der Vergangenheit oftmalig als Alleinunterhalter im deutschen Angriff kaum genießen konnte. "Das Zusammenspiel von Chris und Dirk klappt immer besser", freut sich Bauermann. "Mit zwei NBA-Stars im Team erwartet man eigentlich Situationen, in denen sie sich die Würfe neiden. Das ist bei uns überhaupt nicht so."
Doch nicht nur offensiv machte sich die Ankunft Kamans bemerkbar. In der Verteidigung bietet Deutschland mit Nowitzki, Kaman, Patrick Femerling und Jan-Hendrik Jagla jetzt gleich vier Spieler über 2,10 Meter auf. Zusammen kontrollieren sie den Rebound, jeder Gegner, der sich in die deutsche Zone wagt, muss erst gegen einen der "Langen" abschließen. Zusammen mit Slowenien führt Deutschland in Athen mit Abstand in der Kategorie "Geblockte Würfe".
"Den Patrick von der Bank zu bringen, ist natürlich ein Luxus", weiß Nowitzki um die Qualitäten des Rekordnationalspielers Femerling, der seinen Stammplatz an Kaman verlor. "Wir haben eine riesige lange Garde und das werden wir auch weiterhin ausnutzen müssen." Das gilt auch für die deutschen Außenspieler, die mit dieser Versicherung im Rücken aggressiver verteidigen können. "Chris sagt uns immer: 'Lasst eure Leute nicht werfen. Wenn sie zum Korb ziehen, helfe ich euch.'", erklärt Spielmacher Steffen Hamann.
"Schwergewichtskampf gegen Brasilien"
So deutlich die Erfolge zum Auftakt der Qualifikation auch waren, mehr als ein Aufgalopp stellten sie nicht dar. Gegen Brasilien wartet nun der Ernstfall. Eine Niederlage und der Traum von Olympia ist vorbei. "Wir haben unser bestes Spiel noch nicht gezeigt. Gegen Neuseeland haben wir uns zwar gesteigert, aber im Viertelfinale müssen wir noch etwas drauflegen", sagte Nowitzki.
"Brasilien ist eine sehr gefährliche Mannschaft, bei der mit Marcelo Huertas ein exzellenter Aufbau alles lenkt", warnt Bauermann. "Das wird ein Fight auf Biegen und Brechen wie ein Schwergewichtskampf beim Boxen."
Erstmals in diesem Turnier treffen Kaman, Nowitzki und Co. auch unter dem Korb auf hochkarätige Konkurrenz. Neben den Euroleague-Profis Tiago Splitter und Murilo Da Rosa warten der NBA-erfahrene Rafael Araujo sowie Rebound-Spezialist Joao Batista. Erst das Viertelfinale wird einen echten Aufschluss über die Leistungsfähigkeit dieser deutschen Mannschaft zulassen. "Wir wollten Griechenland in Athen lieber aus dem Weg gehen", sieht Bundestrainer Bauermann das Minimalziel erreicht. "Trotzdem müssen wir jetzt noch zwei Partien gewinnen, um uns zu qualifizieren. Eine Niederlage am Freitag und wir müssen uns Olympia im Fernsehen anschauen."
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Die Diskussion hatten wir hier auch schon mal. Die Wurzel allen Übels ist meiner Meinung nach die Ausländerregelung. Gegen die ganzen Amis setzen sich 19 oder 20-Jährige nunmal selten durch, da wird sich auch in Zukunft nicht [...] mehr...
Ich hab Kamans Entwicklung in der NBA diese Saison ein wenig verfolgt und bin überzeugt, dass er der deutschen Mannschaft wertvolle Dienste auf dem Weg nach Peking liefern kann. Er scheint spieltechnisch erheblich gereift zu sein. [...] mehr...
Einerseits dass die Berufung Kamans noch geklappt hat, aber auch andererseits irgendwie traurig, dass es Talente aus Deutschland (bis auf Nowitzki) nicht auch bis auf dieses Niveau schaffen. Bisher dachte ich, dass etwa Israel auf [...] mehr...
Ja, klar Alter, schaffen die das! Kaman ist als 5er der Hammer (Bauermann als Trainer weniger). Mein Tipp: Bronze in Peking. mehr...
Ich gehe fest davon aus! Mit einem Sieg am Freitag gegen Brasilien hat man dann zwei Endspiele, und davon wird die deutsche Mannschaft auf jeden Fall eins gewinnen. Das Team ist solide, hat mit CK unter dem Brett jetzt eine [...] mehr...
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