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06.08.2008
 

Segelquartier Qingdao

Fasten bei Meerblick

Aus Qingdao berichtet Andreas Lorenz

Abspecken für den Erfolg: Um bei der Regatta möglichst schnell zu sein, müssen die Boote federleicht sein. Doch die sind genormt. Abnehmen müssen also die Athletinnen und Athleten. Auch wenn es bei den Rahmenbedingungen vor Ort schwerfällt. Ein Stimmungsbericht vom olympischen Segelquartier.

Im großen Speisesaal des Olympiazentrums in Qingdao ist ein langes Buffet mit Köstlichkeiten aus aller Welt aufgebaut: leckere Salate, frisches Obst, Nudeln, Fleisch. Doch viele Segler picken nur ein paar Krumen vom Buffet. "Hier in Qingdao ist Fasten angesagt", berichtet Stefanie Rothweiler, 29, die mit ihrer Partnerin Vivien Kussatz, 35, in der 470er Klasse um Gold segelt.

Seglerinnen Rothweiler (l.) und Kussatz: "Wir sind schon dünn genug"
DPA

Seglerinnen Rothweiler (l.) und Kussatz: "Wir sind schon dünn genug"

Die beiden Frauen sind gerade von einer Trainingsfahrt zurückgekehrt. Beide tragen schwarze Hosen, weiße Hemden und große Sonnenbrillen und scheinen entspannt, trotz der schwierigen Tage, die ihnen bevorstehen.

Heute Nachmittag bläst eine frische Brise, was selten ist in der Küstenstadt und ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao. Dafür ist die Strömung auf der Regattastrecke ungewöhnlich stark. "Das sind extreme Bedingungen. Man segelt hier fast so wie auf einem Fluss", klagt Rothweiler.

Weht nur ein schwacher Wind, kommen die Boote überhaupt nicht voran. Deshalb müssen die Segler versuchen, sich und das Boot so leicht wie möglich zu machen - und da die Boote genormt sind, geht das nur, wenn die Athletinnen abnehmen. "Wir sind schon dünn genug", sagt Rothweiler.

Die beiden Tornado-Seglerkollegen haben seit April gemeinsam zehn Kilogramm abgespeckt. Ansonsten sind die Seglerinnen vom Wassersportzentrum Warnemünde mit den Bedingungen in Qingdao hochzufrieden. Anders als in Peking hat die Stadt die Segler nicht in Appartements, sondern in einem modernen Hotel untergebracht - mit Meerblick.

Drei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele reisen die letzten Sportler an. Alles scheint bereit für die Seglerwettbewerbe. Die Algenpest ist - vorerst - besiegt, das Wasser ist klar. Am Strand in der Nähe der Regattastrecke spielen Familien, eine Frau schwimmt im Meer. Ein Netz soll die dicke grüne Schicht abhalten. Dennoch tuckern morgens rund 80 Fischerboote auf das Meer, um die letzten Algen aus dem Wasser zu fischen.

Wie in Peking haben Polizei und Armee das Olympiagelände streng abgeriegelt. Schützenpanzerwagen sind an den Eingängen postiert. Nicht nur Segler müssen allerdings beschützt werden, sondern offenbar auch die Anwohner. Sie berichten, dass griechische Sportler jüngst eine heftige Kneipenschlägerei begannen.

Vor dem Eingang in der Xinhui-Straße 7 verkauft der "Blaue Himmel"-Laden Getränke, Eis, Kekse und Fertignudeln. "Das Geschäft läuft nicht so gut wie sonst", sagt die Verkäuferin. "Wegen der Absperrungen kommen weniger Kunden. Die Olympiamitarbeiter werden versorgt, und die Segler fahren nur in Bussen vorbei."

Hinter dem Tor bereiten sich die Seglerinnen Rothweiler und Kussatz - beide sind Juristinnen - auf den Wettbewerb vor, der für sie am 11. August beginnt. Mehrere Male sind sie in den vergangenen Jahren schon in Qingdao gewesen, um sich mit der Strecke vertraut zu machen. An der Eröffnungsfeier am Freitag im neuen Pekinger Nationalstadion wollen sie nicht teilnehmen. "Zu viel Stress mit dem Hin- und Herfliegen", sagen die zweimaligen Europameisterinnen.

Aber zum Finale der Spiele wollen sie unbedingt nach Peking fahren. Um dort im olympischen Dorf unterkommen zu können, müssen sie, wie sie gehört haben, wenigstens eine Bronzemedaille gewinnen. Unmöglich ist das nicht, sagt Stefanie Rothweiler: "Wir rechnen uns Chancen aus, wenigstens unter die letzten Sechs zu kommen."

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