Von Susanne Rohlfing, Peking
Es dauert eine Weile, bis Alexander Grimm auch wie der Sieger aussieht. Zunächst sitzt er einfach nur da. Lässt sein Boot sanft im Zielbereich der olympischen Kanuslalom-Strecke treiben. Weiß offensichtlich nicht so genau, was er jetzt machen soll. Ob das alles überhaupt wahr ist. Am Rand stehen seine Kollegen und die Trainer des deutschen Teams, sie jubeln und brüllen und schwenken eine Deutschlandfahne. Dann paddelt Grimm langsam zu ihnen hinüber, nimmt die Fahne entgegen, legt sie sich um die Schultern. Auf Zuruf posiert er ein wenig für die Fotografen. Nur ein bisschen. Sehr zurückhaltend. Langsam begreift er: Ja, es ist wahr. Er hat die Fahne, für ihn wird gejubelt. Er ist Olympiasieger, der erste deutsche bei diesen Spielen in Peking.
"Ich kann das noch gar nicht realisieren", sagt Alexander Grimm, als er nach seinem beeindruckenden Finallauf wieder an Land geklettert ist. "Ich hatte ein Gefühl, wie ich es noch nie in einem Wettkampf hatte." Inzwischen strahlt er über das ganze Gesicht. Das Halbfinale hatte er eine gute Stunde zuvor noch als Vierter beendet, ihm fehlten jedoch nur 1,23 Sekunden auf den Führenden.
Im zweiten Durchgang erwischte Grimm dann auf dem als sehr schwierig geltenden Parcours die perfekte Route. "Ich habe keinen Fehler gemacht, das ist von oben bis unten gut durchgelaufen", berichtet der 21-Jährige aus Augsburg. Rund 10.000 Zuschauer im gut gefüllten Shunyi-Park hatten ihm zugejubelt, der Sprecher rief einen Superlativ nach dem anderen ins Mikrofon: Phantastisch, unglaublich, spektakulär, fabelhaft.
Am Ende hatte Grimm 1,60 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplazierten Fabian Levevre (Frankreich) und 1,75 auf den Dritten Benjamin Boukpeti (Togo).
Im Zielbereich steht sein Heimtrainer Thomas Apel. Er dürfte dort gar nicht sein, denn man hatte ihn nicht offiziell mitgenommen nach Peking. Jetzt steht er dennoch da, mit der Akkreditierung seines Athleten um den Hals und gesteht, dass ihm die Knie zittern. Dann passiert, was im Kanuslalom selten passiert: Grimm wird derart von Journalisten bestürmt, dass Apel sich hinten anstellen und warten muss, bis er ihn endlich in die Arme schließen kann. Als es endlich so weit ist, ist das die Umarmung zweier Männer, die hartnäckig gegen Widerstände gekämpft und am Ende Recht bekommen haben.
Alexander Grimm ist nicht der einzige deutsche Kajakfahrer, dem eine Medaille im Kanuslalom zuzutrauen gewesen wäre. Grimms Kollegen Erik Pfannmöller, 23 und Fabian Dörfer, 24, sind ebenso wie er selbst Weltmeister, die drei gewannen 2007 gemeinsam Mannschaftsgold. In der nationalen Qualifikation setzte sich Grimm gegen die beiden Älteren durch.
Weniger erfolgreich war das Duo Grimm/Apel dann beim Gerangel um die Trainerfrage. Die Plätze des deutschen Teams für Olympia sind begrenzt, deshalb kann nicht jeder Athlet seinen Wunschtrainer dabei haben. Grimm wollte natürlich Apel, aber Jennifer Bongardt, Weltmeisterin und wie Grimm Kajak-Spezialistin, wollte lieber Sven Peiler. Weil ihr die größeren Medaillenchancen zugerechnet wurden, setzte sie sich durch – und Apel musste aus der Ferne von der Tribüne aus das Rennen seines Athleten verfolgen.
Vor dem Halbfinale hatte er ihm aber noch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben. Grimm sollte es locker angehen, nicht zu verkrampft, denn das sei dem Junioren-Weltmeister von 2004 schon häufiger zum Verhängnis geworden. Grimm blieb cool bis zum Schluss. Darüber hat sich wohl niemand so sehr gefreut wie sein Trainer. "Dass Alex im zweiten Lauf noch einen draufsetzen kann, hat er schon oft genug bewiesen", sagte Apel. Es lief also alles nach Plan. Und als der 1,88 Meter lange Modellathlet schließlich gestriegelt und geschniegelt im Trainingsanzug neben ihm steht, bereit für die Siegerehrung, kann Apel sagen, was er schon nach dem Halbfinale geahnt hatte: "Das war ein taktisches Meisterstück." Und Grimm taut langsam auf. Den Weg zum Siegerpodest legt der Sportsoldat und Maschinenbaustudent winkend zurück.
Früher sei er ein richtig schüchterner Junge gewesen, erzählt sein Trainer. Einer, der kaum mal seine Emotionen nach außen getragen hat. "Er ist schon viel lockerer geworden." Und tatsächlich, als Grimm auf das oberste Podest steigt, hüpft er sogar. Und streckt beide Fäuste in die Luft.
Seine Kollegin Bongardt machte sich kurz danach wieder auf den Weg ins Athletendorf. "Ich bin mit meinen Gefühlen ganz oben", sagte sie. Sie hatte geschrien und gejubelt und Grimm die Flagge gereicht.
"Das war ein Hammerlauf, den der Alex da hingelegt hat", sagt Bongardt, "ich freue mich total für ihn. Aber für mich ist das natürlich auch ein Riesen-Druck, der da runterfällt", ergänzt sie, "ich muss mich jetzt auf mein Rennen konzentrieren." Am Mittwoch startet die Deutsche in der Qualifikation und möglichst auch am Donnerstag in Halbfinale und Finale.
Alexander Grimm kündigte schon mal an: "Ich werde Jenny da runterjagen." Die Deutschlandfahne hat er ihr nicht mehr zurückgegeben. Jennifer Bongardt wäre es sehr recht, wenn er es am Donnerstag täte. Im Zielraum der Rennstrecke.
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mit meiner Hauszeitung telefoniert, die meinten von den Presseargenturen käm zu wenig Information, leider ist es nun so, dass bei den NORMALEN Spielen ARD/ZDF 700 Leute im Einsatz hatten, bei den Behinderten wieviel ? mehr...
Es gibt bei den Paralympics aber insgesamt viel mehr Medallien zu verteilen als bei Olympia, daher kann man die Medaillenanzahl nicht einfach gegenüberstellen. Bei Olympia lag Deutschland am Ende auf Platz 5 im Medaillenspiegel [...] mehr...
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Finde ich auch schade. Allerdings scheint es eine normale Entwicklung zu sein. Wird das Interesse mal steigen, werden auch die Sponsoren mehr und auch die Sendezeiten intensiver. mehr...
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