"Erst war es ein Donnerwetter von uns. Dann kamen sie mit einem Hagelschauer zurück. Am Ende haben wir sie mit ein paar Blitzen geschlagen." David Lee, US-amerikanischer Nationalspieler im Volleyball, beschrieb das olympische Halbfinale gegen Russland ziemlich wolkig - aber wer das Spiel gesehen hatte, der wusste: Lee hatte die passenden Worte gefunden. Eigentlich hatte die US-Sechs das Spiel schon so gut wie gewonnen, führte 2:0 nach Sätzen und lag im dritten Durchgang vorn. Doch dann kamen die Russen richtig ins Spiel, siegten 27:25 und im vierten Satz 25:22.

US-Volleyballer Stanley: Dramatik gegen Russland
Doch es war gar nicht die Spannung, die das Faszinierendste an diesem Spiel war - sondern die Demonstration eines auch bei Olympia oft verkannten Sports auf höchstem, aber nicht brutalen Niveau. Volleyball der Männer ist in der Weltklasse oft ein von Kraft und Athletik dominiertes Gebolze, das den Zuschauer in seiner Monotonie frustrieren kann.
Die Begegnung zwischen den USA und Russland aber war schlicht zu gut und zu eng, um sie durch rohe Gewalt und ohne Anwendung aller taktischen Finessen gewinnen zu können. So bewunderte man mit offenem Mund unglaubliche Rettungsaktionen tieffliegender Zwei-Meter-Zehn-Riesen, brillante Doppelpässe am Netz, butterweiche Lobs, millimetergenaue Zuspiele und blitzartige Kombinationen, bei denen zwischen schwieriger Annahme, Zuspiel und Angriffsschlag nur ein Sekundenbruchteil zu verstreichen schien - also alles, was die hochkomplexe Sportart Volleyball mit ihrer verblüffenden Vielzahl an Varianten auf engstem Raum so attraktiv machen kann.
Und was nebenbei die auch in Peking wieder penetrant oft ins Bild gesetzte Event-Show namens Beachvolleyball als jene vergleichsweise eintönige Veranstaltung entlarvt, die nun einmal übrigbleibt, wenn sich nur zwei Beteiligte den Ball im tiefen Sand zuspielen. So ist es halt bei hochkommerzialisierten Olympischen Spielen: Show schlägt Sport. Und Sommer, Sonne, Strand lassen sich besser verkaufen als Donnerwetter, Blitz und Hagel. Dabei geht doch nichts über so ein richtig schön dramatisches Gewitter. In der Halle.
Jörg Schallenberg
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