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28.08.2008
 

Olympische Spiele

China zieht Bilanz - und will 2012 noch mehr Gold

Von Andreas Lorenz, Peking

Rückstand trotz 51 Siegen: Die chinesischen Verantwortlichen beklagen nach den Olympischen Spielen in Peking eine große Lücke zwischen China und den besten Nationen in der Leichtathletik und im Schwimmen. Der erste Platz im Medaillenspiegel reicht dem Gastgeber nicht.

Über China soll es in Zukunft noch stärker Gold regnen als bisher – nachdem seine Sportler während der Olympischen Spiele insgesamt 51 Mal auf dem Siegerpodest standen und damit im Medaillenspiegel die USA und Russland überholten.

Hürdensprinter Liu: Vorbild für weitere Leichtathleten aus China
AFP

Hürdensprinter Liu: Vorbild für weitere Leichtathleten aus China

Das jedenfalls befand jetzt der Chef des Chinesischen Olympischen Komitees (Bocog), Liu Peng. "Es existiert immer noch eine relativ große Lücke zwischen China und den besten der Welt in den populären Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen und Radfahren sowie bei den attraktiven Ballspielen", erklärte Liu. Die erfolglosen Mannschaften sollten deshalb "der Scham Mut folgen lassen und Rückstände aufholen", verlangte der Chef des Bocog.

In der Leichtathletik hatten die Chinesen nur zwei Bronzemedaillen geholt, nachdem ihre große Hoffnung, der Hürdenläufer Liu Xiang, verletzt ausgeschieden war. Die US-Mannschaft gewann dagegen sieben Goldmedaillen.

Der Wassersport mit Kanuten und Ruderern habe "total versagt", bilanzierte der deutsche Kanuten-Erfolgstrainer Josef Capousek, den die Chinesen kurz vor Beginn der Spiele als Chefcoach der Olympiamannschaft entlassen hatten. Gründe sind nach seiner Meinung unter anderem zu "intensives und zu umfangreiches Training" in den vergangenen sieben bis acht Wochen vor dem Startschuss.

Capousek zu SPIEGEL ONLINE: "Das Thema der Regeneration und des Formaufbaus sind in China Fremdworte." Zudem hätten Provinzfunktionäre zum Schluss Einfluss darauf genommen, wer in den Booten sitzt. So wurde der Vierer der Kajak-Damen wenige Tage vor den Rennen umbesetzt.

Beim Turnen, Tischtennis und Turmspringen hingegen siegten chinesische Sportler in fast allen Disziplinen.

Wer gewonnen hat, kassiert nun groß ab. Jede Goldmedaille belohnt der Staat mit 350.000 Yuan (34.674 Euro), steuerfrei. In Athen hatte es nur 200.000 Yuan (zum heutigen Umrechnungskurs: 19.819 Euro) Prämie gegeben.

Damit nicht genug: Eine Hongkonger Stiftung spendiert jedem Sieger ein Kilogramm Gold plus 80.000 Dollar (54.169 Euro). Hinzu kommen noch Belohnungen aus den Provinzen sowie Werbeverträge.

Jede Goldmedaille dürfte damit im Schnitt rund 1,5 Millionen Yuan (148.643 Euro) wert sein, heißt es. Unklar ist allerdings, wie viel Silber und Bronze jeweils einbringen. Offen ist auch, wie viel Geld die Athleten wieder an ihre Verbände abgeben müssen.

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