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31.08.2008
 

Box-WM

Rückkehr des russischen Riesen

Von Martin Krauß

Nikolai Walujew ist wieder Boxweltmeister im Schwergewicht. Der Kampf gegen den Amerikaner John Ruiz war keine beeindruckende Vorstellung. Promoter Don King prophezeit seinem groß geratenen Schützling dennoch eine Riesenkarriere in den USA.

Profiboxen ist Theater und Schwergewichtsboxen besonders übertrieben inszeniertes Theater. Doch dieses Mal füllten die Akteure ihre Rollen nicht überzeugend aus. Nikolai Walujew bezwang am Samstagabend in Berlin den US-Amerikaner John Ruiz nach Punkten und ist wieder Weltmeister der World Boxing Association (WBA). Doch der 35-jährige Russe aus St. Petersburg wirkte dabei seltsam entrückt, als sorgte seine Körperlänge von 2,13 Metern dafür, dass er sich mit einem irdischen Störenfried wie Ruiz nicht wirklich abgeben müsse. "Die Leute haben halt immer Mitleid mit den kleineren Boxern", versuchte Walujew den Umstand zu erklären, dass er in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle von Berlin auch viele Pfiffe erntete. "Das ist ein Phänomen, das mich schon meine ganze Karriere verfolgt, da kann man wohl nichts machen."

John Ruiz, der aus Puerto Rico stammende Amerikaner, gab in diesem Boxerstück den um sein Recht Betrogenen. "Ich bin traurig", sagte der 36-Jährige ein ums andere Mal, als er nach dem Kampf müde und geschlagen durch die Zuschauerreihen ging. "Ist das wirklich der Boxsport, den wir hier gesehen haben?", fragte er.

Den Gute-Laune-Onkel im Schmierenstück gab Don King. "Ich liebe Berlin", krächzte der gefürchtete amerikanische Promoter, während er gleich sieben Fähnchen schwenkte und eine überdimensionierte Silberkette trug, "ich liebe Deutschland, ich liebe das deutsche Volk, und wir werden zurückkommen."

Ob für eine dritte Aufführung des Stücks Walujew-Ruiz wirklich große Nachfrage besteht, darf allerdings stark bezweifelt werden. Im Dezember 2005 hatten sich Walujew und Ruiz, der Lange und der Langweiler, schon mal einen Keilerei geliefert, schon mal in Berlin, und damals hatte Ruiz seinen WM-Titel nach Version der WBA verloren und sich auch schon als Opfer eines Betruges gewähnt.

Nun, nach zweieinhalb Jahren fand die Wiederaufführung statt. In den ersten Runden gingen beide kämpferisch zur Sache, fast wie in einem Boxkampf. Ruiz kämpfte, wie ein 1,88-Meter-Mann gegen einen 25 Zentimeter größeren Gegner boxen muss: Er ging in den Mann, bearbeitete den Körper pausenlos mit Schlägen. Bereits in der zweiten Runde ging Walujew tatsächlich zu Boden, doch es war ein Ausrutscher, wie der Lange gleich anzeigte und der Ringrichter akzeptierte. Nur Ruiz glaubte an einen Niederschlag und merkte sich den Fall als eines der Indizien, die er später vortrug, um zu zeigen, dass auch dieser Kampf wieder geschoben wurde.

Sportlich verflachte immer mehr, was die beiden Herren im Ring vorführten: Je müder beide Akteure wurden, desto mehr keilten und schubsten und drängelten sie. Ruiz ging immer öfter mit dem Kopf zuerst auf Walujew zu, und der Russe drückte Ruiz' Kopf häufig einfach nach unten. So konnte keiner von beiden klare Vorteile auf den Zetteln der Punktrichter sammeln. Einen deutlichen Sieger konnte man nicht erwarten.

Richtig Tempo bekam das Stück erst nach dem Schlussgong. Da hatte sich im "Team Ruiz" die Befürchtung zur Gewissheit verfestigt: Wir wurden wieder mal verschaukelt. Vor der Urteilsverkündung, als der Zettel, auf dem das Ergebnis stand, an einen jungen Mann von der ARD ging, der schnell die Daten in die Statistik fürs Fernsehen eintippen sollte, glaubte das Ruiz-Lager den Ort der vermeintlichen Manipulation entdeckt zu haben. Ein Mann, aus Ruiz' Ecke sprang aus dem Ring, entriss dem verdutzten Fernsehstatistiker den Punktzettel und gab ihn an Ringsprecher Michael Buffer weiter.

Der, nicht minder verblüfft, verlas das Ergebnis, das zunächst noch schmeichelhaft für Ruiz klang: Zwei Punktrichter hätten für Walujew, einer für Ruiz gewertet. Doch das war bloß das nächste Indiz, warum Ruiz an eine Verschwörung glauben kann: Der japanische Punktrichter, der angeblich für Ruiz gewertet hatte, meldete sich, dass hier wohl ein Fehler bei der Auswertung vorliege, auch bei ihm habe Walujew vorne gelegen. Der WBA-Delegierte Robert Mack überprüfte alles und stellte fest: Es war doch ein einstimmiger Punktsieg für Nikolai Walujew.

Nur Ruiz glaubte nicht dran. "Es ist doch lächerlich, wenn die Scorecards einfach durchs Publikum gereicht werden", sagte Ruiz, als er bei der Pressekonferenz mit Hilfe einer Schiebermütze wieder die Rolle des Belogenen und Betrogenen stärker herausstellte. "Sollte es im Boxen wirklich so sein, dass einfach die Punktkarten vertauscht werden können?", unkte er. Ruiz-Manager Tony Cardinale kündigte an, er werde sich die Videobänder von Kampf und Nachkampf genau anschauen und dann entscheiden, was zu tun ist.

Für den Sieger Nikolai Walujew blieb bei dieser Posse nicht viel Platz, um sich als jubelnder Triumphator zu gerieren. "Ich halte nichts von diesen schmutzigen Tricks", gab er, wieder mal mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck, von sich, als habe er sich mit seinen langen Armen nur eines unfairen Ruiz erwehrt und als sei es nicht Job eines Boxer, der Weltmeister werden will, den Kampf selbst zu gestalten.

Blieb immer noch der gut gelaunte und auch mit grauen Haaren topfrisierte Don King, der für Stimmung im Stück sorgte. "Nikolai ist der beste Kämpfer, den es heute auf der Welt gibt", kreischte King, der über seine Euphorie wohl vergessen hatte, dass es auch noch einen Wladimir Klitschko gibt. Dann erklärte King, wie in den USA das Boxbusiness funktioniert: "Amerika will Sensationen sehen, keine Alte-Männer-Kämpfe. Amerika wartet auf Walujew."

In welche Richtung der Mann denkt, der gerade seinen 77. Geburtstag gefeiert hat, ist klar: King will Walujew als boxenden Riesen verkaufen - eine Art siebtes Weltwunder mit Boxhandschuhen und fliehender Stirn.

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04.10.2011 von Rockker:

Uuuhh ray,..das hast du mich jetzt überfordert mit den ganzen "coolen" englischen Ausdrücken, oder , did you mean it just ironically? Jedenfalls, wäre jeder Werbefuzzi tief beeindrückt.. mehr...

03.10.2011 von Haio Forler:

Wenns so einfach wäre, rofl ;) Gibt ja auch 1000 Gerd Müller, jeden Taufs Neue ... mehr...

23.09.2011 von sitiwati: hab ich

son Gefühl, dass beim Spiegel Forum die Sommer und Winterzeit streiten !? mehr...

23.09.2011 von ray4901:

Ich kapituliere! Du kennst Dich in den US Sports aus wie kein zweiter. Ein "US Boxer" verdient eben sein Geld wie ein Mayweather und ein Paquaio. 70 Mio pro Nase! Und die schwereren gehen zu den Sportarten, die ich [...] mehr...

23.09.2011 von Rockker:

Das ist doch Quatsch... O 'Neal, Rodman und Co.. nur weil sie über 2 m groß sind? Und ich dachte für Boxen braucht man Talent und Wille... Und du meinst, es reicht wenn man die entsprechende Größe hat. Wie das klappt, haben [...] mehr...

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