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15.09.2008
 

Paralympics-Gastgeber China

Mission Gold

Aus Peking berichtet Andreas Lorenz

Chinas Machthaber wollen bei den Paralympischen Spielen erneut beweisen, dass sie Organisationsgenies sind. Und dass sie sich aufopfungsvoll um ihre behinderten Sportler kümmern. Tatsächlich sind auch die deutschen Athleten begeistert.

Am Mittwoch wird die riesige Olympische Flamme über dem Nationalstadion in Peking erlöschen. Die chinesischen Medien feiern ausführlich den Erfolg des großen Sportfestes: Wie schon bei den Olympischen Spielen im August berichten sie enthusiastisch über das Geschehen in Stadien und Hallen, das staatliche Fernsehen überträgt die Wettkämpfe live.

Blinde chinesische Fußballspieler: Chinas Sportsystem funktioniert für die Behinderten ebenso wie für die Gesunden
DPA

Blinde chinesische Fußballspieler: Chinas Sportsystem funktioniert für die Behinderten ebenso wie für die Gesunden

Die Botschaft ist klar. Man will der Welt zeigen, wie gekonnt man die Spiele organisiert hat. Und wie gut man sich um die Behinderten kümmert. "China, wir sind stolz auf dich!" lauteten die Schriftzeichen, die chinesische Zuschauer am Wochenende in der Nationalen Sporthalle während des Basketball-Turniers in die Höhe reckten.

Sportlich können sich die Gastgeber wie schon zuvor bei den Wettkämpfen im August freuen: Sie führen am Anfang dieser Woche den Spiegel der 471 Disziplinen mit 179 Medaillen an - davon 76 goldene. Chinas Athleten liegen damit weit vor der Konkurrenz aus Großbritannien (92/41) und den USA (87/30). Die Deutschen rangieren derzeit an neunter Stelle.

Der Erfolg der Gastgeber ist von langer Hand geplant: Chinas staatliches Sportsystem funktioniert für die Behinderten ebenso wie für die Gesunden. Die Athleten wurden Jahre vor den Spielen in Sportzentren zusammengezogen, ihr Alltag hieß seither: Training, Training, Training.

So übten Chinas Leichtathleten im Sportzentrum für Behinderte in Shanghai – sogar bei über 39 Grad im Schatten. "Die Athleten rennen, springen – und schwitzen." So beschrieb die amtliche Nachrichtenagentur "Xinhua" im vorigen Jahr das Training. "Es stehen mehrere Bänke und ein Wassereimer zehn Meter von der Laufbahn entfernt. Die Sportler nehmen oft Wasser, aber keiner setzt sich auf die Bank zum Ausruhen." Und die KP-Zeitung der südlichen Provinz Yunnan teilte kurz vor Beginn der Spiele mit: "Die Aufgabe, die sie auf ihren Schultern tragen, ist es, Gold für China bei den Paralympischen Spielen zu gewinnen."

Damit sie zum Ruhm des Landes beitragen, macht der chinesische Staat auch seine behinderten Athleten zu Berufssportlern. Andere Länder können da nicht mithalten, auch Deutschland nicht. Dort sind die Sportler vor allem auf private Sponsoren angewiesen.

Medaillenspiegel Top 11
Pl. Land G S B ges.
1 China 89 70 52 211
2 Großbr. 42 29 21 102
3 USA 36 35 28 99
4 Ukraine 24 18 32 74
5 Austral. 23 29 27 79
6 Südafr. 21 3 6 30
7 Kanada 19 10 21 50
8 Russl. 18 23 22 63
9 Brasilien 16 14 17 47
10 Spanien 15 21 22 58
11 Deutschl. 14 25 20 59
Im internationalen Pressezentrum sitzt der deutsche Sprinter Heinrich Popow, ein forscher junger Mann, und sagt: "Jetzt müssen wir mit unseren Leistungen glänzen." Der Computerfachmann gehört zum "Top-Team", zusammen mit rund 50 anderen Sportlern. Seit Ende 2007 zahlten die Allianz-Versicherung und die Telekom ihnen die Hälfte ihres Monatslohns, damit sie sich halbtags auf die Paralympics vorbereiten konnten.

Geld fließt auch aus den Töpfen des Bundespräsidenten, des Gesundheits- und Innenministeriums und des Sportverbandes. "Wir verlassen den traditionellen Rahmen, der als Nische definiert war", lobt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Karl-Hermann Haack, diese Entwicklung. Popow preist wie die meisten Sportler die Bedingungen in Peking: "Im Paralympischen Dorf wurde einem alles abgenommen", schwärmt er. Am Sonntag gewann er im 100-Meter-Lauf die Silbermedaille. Und auch Rugbyspieler Christoph Werner war trotz der Niederlage gegen Neuseeland begeistert: "Die Atmosphäre in der Halle ist super. Zu Hause spielen wir nur vor Freunden und Verwandten, aber hier kommen Tausende von Leuten. Da bekommt man schon eine Gänsehaut."

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