Aus Peking berichtet Andreas Lorenz
Am Mittwoch wird die riesige Olympische Flamme über dem Nationalstadion in Peking erlöschen. Die chinesischen Medien feiern ausführlich den Erfolg des großen Sportfestes: Wie schon bei den Olympischen Spielen im August berichten sie enthusiastisch über das Geschehen in Stadien und Hallen, das staatliche Fernsehen überträgt die Wettkämpfe live.
Blinde chinesische Fußballspieler: Chinas Sportsystem funktioniert für die Behinderten ebenso wie für die Gesunden
Sportlich können sich die Gastgeber wie schon zuvor bei den Wettkämpfen im August freuen: Sie führen am Anfang dieser Woche den Spiegel der 471 Disziplinen mit 179 Medaillen an - davon 76 goldene. Chinas Athleten liegen damit weit vor der Konkurrenz aus Großbritannien (92/41) und den USA (87/30). Die Deutschen rangieren derzeit an neunter Stelle.
Der Erfolg der Gastgeber ist von langer Hand geplant: Chinas staatliches Sportsystem funktioniert für die Behinderten ebenso wie für die Gesunden. Die Athleten wurden Jahre vor den Spielen in Sportzentren zusammengezogen, ihr Alltag hieß seither: Training, Training, Training.
So übten Chinas Leichtathleten im Sportzentrum für Behinderte in Shanghai – sogar bei über 39 Grad im Schatten. "Die Athleten rennen, springen – und schwitzen." So beschrieb die amtliche Nachrichtenagentur "Xinhua" im vorigen Jahr das Training. "Es stehen mehrere Bänke und ein Wassereimer zehn Meter von der Laufbahn entfernt. Die Sportler nehmen oft Wasser, aber keiner setzt sich auf die Bank zum Ausruhen." Und die KP-Zeitung der südlichen Provinz Yunnan teilte kurz vor Beginn der Spiele mit: "Die Aufgabe, die sie auf ihren Schultern tragen, ist es, Gold für China bei den Paralympischen Spielen zu gewinnen."
Damit sie zum Ruhm des Landes beitragen, macht der chinesische Staat auch seine behinderten Athleten zu Berufssportlern. Andere Länder können da nicht mithalten, auch Deutschland nicht. Dort sind die Sportler vor allem auf private Sponsoren angewiesen.
| Medaillenspiegel Top 11 | |||||
| Pl. | Land | G | S | B | ges. |
| 1 | China | 89 | 70 | 52 | 211 |
| 2 | Großbr. | 42 | 29 | 21 | 102 |
| 3 | USA | 36 | 35 | 28 | 99 |
| 4 | Ukraine | 24 | 18 | 32 | 74 |
| 5 | Austral. | 23 | 29 | 27 | 79 |
| 6 | Südafr. | 21 | 3 | 6 | 30 |
| 7 | Kanada | 19 | 10 | 21 | 50 |
| 8 | Russl. | 18 | 23 | 22 | 63 |
| 9 | Brasilien | 16 | 14 | 17 | 47 |
| 10 | Spanien | 15 | 21 | 22 | 58 |
| 11 | Deutschl. | 14 | 25 | 20 | 59 |
Geld fließt auch aus den Töpfen des Bundespräsidenten, des Gesundheits- und Innenministeriums und des Sportverbandes. "Wir verlassen den traditionellen Rahmen, der als Nische definiert war", lobt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Karl-Hermann Haack, diese Entwicklung. Popow preist wie die meisten Sportler die Bedingungen in Peking: "Im Paralympischen Dorf wurde einem alles abgenommen", schwärmt er. Am Sonntag gewann er im 100-Meter-Lauf die Silbermedaille. Und auch Rugbyspieler Christoph Werner war trotz der Niederlage gegen Neuseeland begeistert: "Die Atmosphäre in der Halle ist super. Zu Hause spielen wir nur vor Freunden und Verwandten, aber hier kommen Tausende von Leuten. Da bekommt man schon eine Gänsehaut."
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