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22.09.2008
 

Basketball-Saisonstart

Albas Sieg macht Gegnern Hoffnung

Von Sascha Klettke, Berlin

Basketball-Boom: Alba Berlin zieht als erster deutscher Club in eine Arena mit mehr als zehntausend Plätzen. Bei der Premiere zeigt das Team des deutschen Meisters, dass es nicht unschlagbar ist – obwohl es gegen die Artland Dragons gewann.

Der Aufbruch in eine neue Ära begann mit Verspätung: Weil draußen noch Hunderte Zuschauer Schlange standen, musste der Sprungwurf ein paar Minuten nach hinten verschoben werden. Für die meisten Spieler des deutschen Basketball-Meisters Alba Berlin kam der Spielbeginn anscheinend trotzdem noch zu früh. Lange sah es so aus, als könnten die Artland Dragons aus Quakenbrück dafür sorgen, dass die Albatrosse gleich ihr erstes Heimspiel in der neuen Halle verlieren.

Alba-Spieler Julius Jenkins: Mit 25 Punkten führt er Berlin zum Sieg
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DPA

Alba-Spieler Julius Jenkins: Mit 25 Punkten führt er Berlin zum Sieg

Der Hauptstadt-Club will in dieser Saison in eine neue Dimension starten. Das wichtigste Zeichen dafür ist der neue Spielort. Mit einem Fahrradkorso besiegelte der Fanclub den Abschied von der Max-Schmeling-Halle in die O2-World. Die Multifunktionshalle der US-amerikanischen Anschutz Entertainment Group bietet fast doppelt so viele Plätze. 14.800 Menschen können den Basketball-Profis jetzt bei der Arbeit zuschauen. Zum ersten Spiel war die Halle ausverkauft.

Die Zuschauer sahen auf dem Parkett eine hochklassige Partie zweier Bundesliga-Spitzenclubs. Mit intensiver Verteidigung und dennoch guter Trefferquoten beider Teams. Auch wenn am Ende die Berliner gewannen, die Partie widerlegte die Befürchtungen, dass der nächste Meistertitel schon fest an Alba vergeben ist. Die Artland Dragons spielten auf Augenhöhe, lagen lange Zeit sogar in Führung. Quakenbrücks neuer Trainer Thorsten Leibenath sagte, dass ihn das Spiel trotz der Niederlage optimistisch stimme.

Vor Saisonbeginn war schon von einer Berliner "Übermannschaft" die Rede gewesen. Der Grund dafür ist nicht die Halle, sondern derbis in die Tiefe der Ersatzbank exzellent besetzte Kader. Sieben Spieler der Meister-Mannschaft sind in Berlin geblieben und durch fünf hochkarätige Zugänge ergänzt worden, darunter Nationalspieler Steffen Hamann und die früheren NBA-Profis Casey Jacobsen und Ansu Sesay. In fast jeder anderen Bundesliga-Mannschaft würden die Spieler, die bei Alba zu Spielbeginn draußen sitzen, in der Startformation stehen.

Das beeindruckte die Dragons zunächst wenig. Sie punkteten unter dem Korb ebenso sicher wie von außen und setzten den Alba-Spielern mit ihrer Verteidigung zu. Vor allem dem alten Mann unter dem Korb, Artlands wuchtigem 35-jährigem Center Darius Hall, hatte Berlin nicht viel entgegenzusetzen. Im Angriff kam Alba lange nicht in Gang, das Zusammenspiel in Korbnähe funktionierte selten. Die Erklärung des Neu-Berliners Steffen Hamann: "Das erste Heimspiel in der neuen Halle, der Druck zu gewinnen - da waren wir schon nervös. Und die Nervosität hat länger angehalten, als ich vorher gedacht hätte." Erst zu Beginn des Schlussviertels spielten die Berliner einen Vorsprung heraus, der dann bis zum 95:84-Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet. Besonders stark war Julius Jenkins, der wertvollste Spieler der vergangenen Saison. Er steuerte 25 Punkte zum Sieg bei.

Neben der Nervösität war es vor allem ein Geräusch, dass die Berliner darin hinderte, ihren Rhythmus zu finden - die Pfiffe der Schiedsrichter. Insgesamt 54 Foul-Entscheidungen unterbrachen den Spielfluss. "Natürlich macht es mehr Spaß zu spielen, wenn das Spiel flüssiger ist", sagte Casey Jacobsen, Albas Neuzugang von den Memphis Grizzlies, "aber wir müssen damit klarkommen". Die Unparteiischen zeigten, was die neuen Regelauslegungen in dieser Saison mit sich bringen: Zahlreiche Pfiffe wegen unsportlicher Fouls, die mit Freiwürfen und Ballbesitz für den Gegner bestraft werden.

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Die neue Gangart der Schiedsrichter und die neue Berliner Halle sind nicht die einzigen Änderungen in der beginnenden BBL-Saison. Zwei neue Teams spielen in der Liga mit - und beide heißen Giants. Die aus Düsseldorf haben einen größeren Umzug als Alba hinter sich, weil der Hauptsponsor Bayer die Förderung des Basketball-Traditionsclubs und früheren Serienmeisters Leverkusen beendete, spielt die Profi-Abteilung jetzt in Düsseldorf. Ihr erstes Spiel - ein Rhein-Derby gegen die Köln 99ers - gewannen die Giants am Samstag in den Schlusssekunden mit 69:68. Die zweiten Giants kommen aus dem bayerischen Nördlingen. Sie sind der Aufsteiger aus der zweiten Bundesliga und begannen ihre Saison im Oberhaus mit einem Ausrufezeichen. Ludwigsburg wurde mit 75:56 nach Hause geschickt. Das dürfte eine Warnung für den Rest der Liga sein, die Teams mit kleinen Etats nicht zu unterschätzen.

Für das Team mit dem größten Haushalt, Alba Berlin, geht es nun darum, aus den vielen guten Spielern ein Team zu bilden, das auch in der Euroleague mithalten kann. Viele Details müssen noch verbessert werden. "Einige Wochen" werde es dauern, bis das Team auf höherem Niveau zusammenspielt, sagt Sportdirektor Henning Harnisch. Für die Verteidigung ist Nationalspieler Johannes Herber optimistischer: "Das wird schon in Gießen besser aussehen." Dort spielt Alba am nächsten Samstag.

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