Hamburg - Ann Kathrin Linsenhoff ist mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) zurückgetreten. Diese Entscheidung sei in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen worden, teilte die DSH mit. Bis zur Klärung der Nachfolge wird Geschäftsführer Michael Ilgner (37) die Stiftung kommissarisch leiten.
Zurückgetrene Sporthilfe-Chefin Linsenhoff: Weg frei für Neuanfang
Mit Entsetzen und Ratlosigkeit haben die deutschen Spitzensportverbände auf die Krise bei der Sporthilfe reagiert. "Wenn diese Situation so weiter geht, dann wäre das von großem Schaden für den gesamten deutschen Sport", sagte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes. Leichtathletik-Verbandschef Clemens Prokop und Schwimm-Präsidentin Christa Thiel forderten eine möglichst rasche Lösung.
Nach dem Rücktritt der beiden Aufsichtsratsmitglieder Bernd Rauch und Peter Zühlsdorff, die offenbar als Linsenhoff-Unterstützer galten, forderte der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Michael Groß auch Aufsichtsrat Hans Wilhelm Gäb auf, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. "Unabhängig von seinen Verdiensten und seiner Persönlickeit - Herr Gäb sollte den Weg freimachen für einen Neuanfang", sagte Groß, der bis 2005 selbst Mitglied im Sporthilfe-Vorstand war, der "Bild"-Zeitung. Zugleich forderte er eine Reform der gesamten Stiftung: "Sie muss verschlankt werden. Wichtiger als Gremien sind Gelder für Sportler."
Gäb lehnte einen Rücktritt jedoch ab: "Für mich sind nicht solche Statements wichtig, sondern dass der Aufsichtsrat mir geschlossen das Vertrauen ausgesprochen hat. Und was Herrn Groß angeht: Er war ein großer Schwimmer."
Linsenhoff hatte sich zuletzt heftiger Kritik an ihrer Amtsführung zu erwehren. Ihr waren von Gäb mangelnde Teamfähigkeit und ein Interessenkonflikt mit ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks Unicef vorgeworfen worden. Die Sporthilfe hat seit ihrer Gründung 1967 mehr als 40.000 Athleten mit 350 Millionen Euro unterstützt. Derzeit profitieren rund 3800 Kaderathleten in 50 Sportarten mit jährlich insgesamt zehn bis zwölf Millionen Euro von diesen Mitteln.
ruf/dpa
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