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24.10.2008
 

Basketball-Europaliga

Außenseiter Alba überrascht mit Sieg gegen Rom

Von Sascha Klettke

Ein Sieg gegen den Favoriten aus Rom und ein europäischer Rekord: Alba Berlin ist besser in die Euroleague gestartet, als sich Verein und Fans vor dem Spiel vorstellen konnten. Der Schlüssel zum Erfolg: Ein Stück mehr Wille.

Berlin - Gründe für eine Niederlage hatte Berlins Trainer Luka Pavicevic vor dem Spiel genug aufgezählt, als er über den Gegner sprach: Das sei ein exzellentes Team, das hervorragend trainiert werde. Lottomatica Rom habe extrem talentierte junge Spieler und einen guten Mix aus erfahrenen Profis. Außerdem spiele der Gegner schnell und sehr athletisch. All das hat am Donnerstagabend nicht gereicht: Rom verlor zum Auftakt der Euroleague in Berlin 63:68.

Alba-Profi Sesay: Sieg gegen Rom
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Getty Images

Alba-Profi Sesay: Sieg gegen Rom

Für den deutschen Meister war es ein besonderes Spiel: Zum ersten Mal seit vier Jahren durften die Berliner wieder dort mitspielen, wo sie nach eigenem Selbstverständnis hingehören: In der Euroleague, der stärksten Liga Europas, hinter der NBA der zweitbeste Basketball-Wettbewerb der Welt. Seit Tagen redeten Trainer, Spieler und Club-Manager von der Aufregung vor dem ersten Auftritt.

Der war umso spannender, weil sich bei den Berlinern und in der Euroleague im Sommer einiges getan hatte: Die Liga hatte im Sommer Schlagzeilen gemacht, weil es ihr erstmals gelungen war, mit Josh Childress einen amerikanischen NBA-Spieler mitten in seiner Karriere nach Europa zu holen. Childress war für ein Jahresgehalt von rund sieben Millionen Dollar aus Atlanta zu Olympiakos Piräus gewechselt.

Und auch Alba hatte nach der gewonnenen deutschen Meisterschaft die Mannschaft weiter verstärkt. Für deutsche Verhältnisse scheint das Team überragend, im Vergleich zur europäischen Konkurrenz ist Alba auch mit dieser Mannschaft nur Außenseiter. Der eigentliche Star zum Saisonbeginn war aber die neue Halle: Aus der Max-Schmeling-Halle mit 8500 Plätzen zog der Club in die glitzernde Multifunktionsarena am Ostbahnhof, in der 15.000 Zuschauer Platz finden.

12.491 Besucher waren zum ersten Europaliga-Heimspiel gekommen – damit war Alba am ersten Spieltag Spitzenreiter in Europa. Und die Zuschauer sahen erst mal einen kleinen Fehlstart ihrer Mannschaft. Nach vier Minuten führte Rom 8:2. Aber danach konnte das Publikum 36 Minuten lang ein Spiel zweier gleichwertiger Teams verfolgen. Nach dem ersten Viertel führte Rom mit einem Punkt (14:15). Im zweiten Viertel ging Rom mit neun Punkten in Führung, doch Alba kämpfte sich noch auf vier Punkte heran – mit 35 zu 40 ging es in die Halbzeitpause.

Dass die Berliner so gut mithalten konnten, war schon ein Erfolg. Rom hat einen Kader aus europäischen Spitzenspielern: Center Primoz Brezec hat die letzten sechs Jahre in der NBA gespielt, Guard Sani Becirovic hat die Euroleague schon einmal gewonnen. Und Rom gelang im Sommer eine der überraschendsten Verpflichtungen: Das High-School-Super-Talent Brandon Jennings verließ den üblichen Pfad in die NBA. Statt auf das College zu gehen unterschrieb er einen Profi-Vertrag in Rom. In der Berliner Arena demonstrierte Jennings vor allem seinen Wurf: Drei mal traf er aus der Distanz für drei Punkte. Als Spielmacher muss er wohl noch einiges dazu lernen: In 22 Minuten gab er seinen Mitspielern keine einzige Korbvorlage.

In der zweiten Hälfte zeigten die Berliner das, was ihnen schließlich den Sieg bringen sollte. Sportdirektor Henning Harnisch nannte es "ein Stück mehr Wille". Center Adam Chubb eröffnete das dritte Viertel mit einem krachenden Dunking. Er war nach den ersten Bundesliga-Spielen von den Berliner Fans am meisten kritisiert worden. "Der ist "ne Wurst" lautete ein häufiger Kommentar im Internet-Fan-Forum "Schönen-Dunk". Gegen Rom machte er zwölf Punkte und holte acht Rebounds. Das Fangen der abprallenden Bälle gilt als Willenssache. Und Alba wollte offenbar mehr gewinnen als Rom: 38 Rebounds fingen die Berliner, nur 22 konnte Rom abgreifen. Dabei hatte Alba-Trainer Pavicevic noch vor dem Spiel gesagt, dass seine Mannschaft im Rebound nicht besonders gut sei. Aber das war vor dem Spiel.

Der Siegeswillen der Berliner wurde vor allem durch einen Spieler verkörpert: Immanuel McElroy. Fast bei jedem Angriff hatte er den Ball in der Hand. Immer wieder zog er zum Korb und warf sich jedem Ball hinterher. Am Ende des Abends hatte er 17 Punkte erzielt und neun Rebounds abgegriffen.

Dass Alba mehr Siegeswillen zeigte, heißt nicht, dass Rom aufgab: Eine Minute vor Schluss stand es 61:61. Doch dann wurde McElroy von Roms Allen Ray mit einem ziemlich robusten Foul am Schnellangriff gehindert – und traf beide Freiwürfe. Die Zuschauer in der O2-World hatten schon vorher ordentlich Stimmung gemacht: Sie probierten aus, wie sich La-Ola-Wellen in der großen Halle anfühlen und gegen Ende stand auch ein großer Teil des Publikums. Doch nach dem Foul an McElroy wurde es noch einmal deutlich lauter, ein gellendes Pfeifkonzert begleitete die letzten Angriffe der Römer.

Nach dem Sieg strahlte Alba-Manager Marco Baldi – und versuchte mit leuchtenden Augen, keine Euphorie aufkommen zu lassen. "Es war ein ganz wichtiges Spiel, aber eben nur ein Spiel", sagte er SPIEGEL ONLINE. Wahrscheinlich fünf der zehn Gruppenspiele müssen die Berliner gewinnen, um es in die Runde der besten 16 zu schaffen. Baldi warnte, dass die Auswärtspiele wesentlich schwieriger zu gewinnen seien, als die Spiele vor den begeisternden eigenen Fans: "Wenn die Spieler sich zuhause auf jeden Ball auf dem Boden stürzen, dann werden sie frenetisch bejubelt, auswärts passiert das Gegenteil."

Wie stark sich die Berliner vom gegnerischen Publikum aus dem Konzept bringen lassen, können sie in den nächsten zwei Wochen ausprobieren: Am Donnerstag treten sie in Istanbul gegen den türkischen Meister Fenerbahce an, in der Woche darauf gegen den spanischen Meister Tau Vitoria.

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