Von Sascha Klettke
Hamburg - Für den einen ist es "die Aufregung, sich mit den besten Mannschaften aus anderen Ländern zu messen". So spricht Bambergs Trainer Chris Fleming vom Start in die Europa-Saison. Für den anderen ist der europäische Wettbewerb "wie Eimerchen und Schaufel am Strand - es geht auch ohne, aber mit macht es mehr Spaß". So nennt es Marko Beens, der Manager der Artland Dragons aus Quakenbrück. Die Dragons und Bamberg sind die deutschen Vertreter im EuroCup, der zweithöchsten europäischen Spielklasse, vergleichbar mit dem Uefa-Pokal im Fußball.
Die deutschen Basketball-Clubs müssen ohnehin um die Aufmerksamkeit von Zuschauern und Medien kämpfen, doch wenn sie europäisch spielen, wird es noch einmal schwieriger. Hierzulande kennt kaum einer die Gegner und in diesem Jahr haben zwei der drei Wettbewerbe auch noch ihre Namen geändert (siehe Infokasten unten).
Doch auch wenn im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung gespielt wird, für Clubs und Fans gehören die europäischen Partien zu den Höhepunkten des Jahres. Und Brose-Baskets-Trainer Chris Fleming hat mit einem Sieg am Dienstagabend beim Auftakt gegen den polnischen Vizemeister Turow die Chance, den holprigen Saisonstart vergessen zu machen.
Bamberg hat den Anspruch, in Deutschland zu den Top-Clubs zu gehören. Der Verein aus der 70.000-Einwohner-Stadt war 2005 und 2007 deutscher Meister. Und der Erfolg war vor allem mit einem Namen verbunden: Dirk Bauermann. Der Trainer hatte den Club bis in den höchsten europäischen Wettbewerb, die Euroleague, gebracht. Doch dort gab es im vergangenen Jahr kaum Erfolgserlebnisse. Und in der Bundesliga schied Bamberg in der ersten Playoff-Runde aus, Bauermann nahm Abschied und ist nun hauptberuflich Bundestrainer.
Ein Nachfolger für den in Bamberg verehrten Bauermann musste her. Der Club entschied sich für einen Trainer, für den die Playoffs ebenfalls nach Runde eins beendet waren, der aber vorher schon den Pokal gewonnen hatte und im EuroCup-Vorgänger, dem Uleb-Cup, in die dritte Runde gekommen war: Fleming, der die Artland Dragons aus dem 13.000-Einwohner-Städtchen Quakenbrück in die erste Liga geführt und dort an der Spitze etabliert hatte.
Auch dort ging eine Ära zu Ende und die neue in Bamberg begann mit Hiobsbotschaften: Fleming hatte seinen Aufbauspieler John Goldsberry mit nach Bamberg genommen. Er sollte der Anführer des Teams sein. Doch schnell war klar: Goldsberry fällt verletzt für längere Zeit aus, inzwischen wird seine Rückkehr erst in der nächsten Saison erwartet.
Die Vorbereitung verlief schleppend, die Nationalspieler trafen nach einem anstrengenden Sommer erst spät in Bamberg ein: Demond Greene, Robert Garret und Tim Ohlbrecht waren für Deutschland beim Olympischen Basketballturnier in Peking, Filiberto Rivera absolvierte ein umfangreiches Programm mit der Nationalmannschaft von Puerto Rico.
| Deutsche Clubs in Europa | |
| Kalew - Frankfurt | Di., 19.00 Uhr |
| Bamberg - Turow | Di., 19.30 Uhr |
| Quakenbrück - Bologna | Di., 19.30 Uhr |
| Oldenburg - Olympia Athen | Di., 20.00 Uhr |
| Bonn - Nikosia | Mi., 19.30 Uhr |
| Ljubljana - Berlin | Do., 20.30 Uhr |
Und so misslang der Start in die Bundesliga-Saison: Die ersten drei Spiele gingen verloren, der Verein stand am Tabellen-Ende. Im Internet-Fan-Forum "Schönen Dunk" schrieben die Bamberg-Anhänger seitenweise über die "Herbst-Krise" der Brose Baskets. Doch die ist spätestens seit dem 9. November beendet: In Düsseldorf gewann Bamberg das dritte Spiel in Folge. Und es war der erste Auftritt einer wichtigen Nachverpflichtung mit einem berühmten Namen: Michael Jordan. Weil der 31-Jährige die Fragen nach der Basketball-Legende mit dem gleichen Namen leid ist, nennt er sich jetzt Michael-Hakim Jordan.
"Michael hat uns Emotionen gebracht und eine Stimme, die uns antreibt", lobt Fleming seinen Führungsspieler. Er kennt ihn schon lange. Wie der verletzte Goldsberry hat auch Jordan schon in Quakenbrück für Fleming gespielt. Allerdings ist das drei Jahre her. Damals musste Jordan die Kleinstadt verlassen, von einem handfesten Streit mit Teamkollegen ist die Rede. Er heuerte in Köln an, wurde deutscher Meister und wechselte dann nach Italien, Griechenland und Belgien.
Mit Jordan scheint Fleming den fehlenden Baustein gefunden zu haben, um das Team wieder dahin zu bringen, wo es nach Meinung der Bamberger Fans hin gehört: In Richtung Tabellenspitze. Derzeit stehen die Brose Baskets mit fünf Siegen und fünf Niederlagen auf dem elften Tabellenplatz. Fleming gibt sich optimistisch: "Wir haben uns jetzt gefangen. Erst am Ende der Saison wird entschieden, ob man Erfolg oder Misserfolg hatte."
Im EuroCup fällt die erste Entscheidung schon nach sechs Spielen: Nur zwei der vier Mannschaften einer Gruppe kommen in die nächste Gruppe - und Fleming ist zuversichtlich, dass die Brose Baskets eine davon sein werden.
Sein ehemaliger Manager Marko Beens in Quakenbrück ist wesentlich zurückhaltender, was die Ziele für die Artland Dragons, dem zweiten deutschen EuroCup-Vertreter, angeht. "Es wäre vermessen zu glauben, dass wir weiterkommen könnten. Das läuft unter Erfahrung sammeln", sagte Beens SPIEGEL ONLINE. Der erste Gegner ist am Dienstagabend das italienische Spitzenteam aus Bologna. Auch wenn Beens die EuroCup-Gruppe G zu schwer für mehrere Überraschungserfolge hält, sieht er allein schon durch die Teilnahme Vorteile: "Für die Spieler ist der europäische Wettbewerb ein Schaufenster, um sich zu präsentieren." Center Darren Fenn oder Power Forward Adam Hess zum Beispiel hätten die Dragons ohne Europa-Startplatz wohl nicht ins Artland holen können.
Und ganz so bescheiden, wie Beens die Chancen seiner Mannschaft beschreibt, sieht er sie vielleicht doch nicht. Er lässt sich da eine Hintertür offen: "Wir freuen uns sehr auf unsere Rolle als Underdog. Daraus sind in den letzten Jahren unsere größten Erfolge entsprungen." Im vergangenen Jahr war das immerhin ein Platz unter den besten 16 im Uleb-Cup.
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