SPIEGEL ONLINE: In der vergangenen Woche hat der Argentinier Raúl Lozano die Nachfolge von Stelian Moculescu als Bundestrainer angetreten. Was sagen Sie zu dieser Verpflichtung?
Steuerwald: Ich kenne ihn noch nicht persönlich. Aber ich habe natürlich gegen Polen gespielt, als er dort Trainer war. Er hat mit einigen Teams Großes erreicht. Polen steht realistisch gesehen nicht an Nummer zwei der Welt, aber sie sind mit ihm Vizeweltmeister geworden. Es ist gut, dass er im Volleyball schon sehr bekannt ist. Ich würde mich sehr freuen, wenn er mich zur Nationalmannschaft einlädt.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind 1,82 Meter groß. Für einen Volleyballspieler eher klein. Warum können Sie trotzdem auf so hohem Niveau spielen?
Steuerwald: Ich spiele als Libero (Spieler mit einem andersfarbigen Trikot, der nur auf den hinteren Positionen eingewechselt werden darf, d. Red.). Ich gehe nicht ans Netz, muss nicht blocken, angreifen oder aufschlagen. Im Regelfall komme ich für einen Mittelblocker ins Spiel, wenn dieser in der Rotation hinten spielen müsste. Ich bin der Annahme- und Abwehrspezialist.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Position gibt es erst seit 1999. Was bringt der Libero dem Volleyballsport?
Steuerwald: Der Sinn dabei ist, dass der Ball länger im Spiel bleibt, dass Bälle abgewehrt werden. Und dafür bin ich da. Das, was die Großen nicht oder nicht so gut können, das ist meine Aufgabe. Und die machen vorne am Netz, was für mich mit meiner Größe schwieriger ist.
SPIEGEL ONLINE: Ärgert es Sie nicht manchmal, dass Sie nicht auch mal im Angriff richtig draufhauen können oder einen Angreifer blocken?
Steuerwald: Ich spiele sehr gerne Libero, das ist meine Lieblingsposition. In der Bundesliga könnte ich vielleicht auch als Außenangreifer spielen. Aber mein langfristiges Ziel ist ein guter Club im Ausland. Als Libero habe ich bessere Perspektiven.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind erst 19, hatten sich aber bis zum Ende der letzten Saison beim VfB Friedrichshafen und der Nationalmannschaft zur Nummer eins auf der Liberoposition entwickelt. Nun haben Sie mit Thomas Kröger, der nach Knieoperationen vom Beachvolleyball zurückgekehrt ist, einen Konkurrenten in beiden Teams bekommen. Wie fühlt es sich an, nur noch Ersatzmann zu sein?
Steuerwald: Das ist natürlich nicht einfach, weil ich gut gespielt habe. Das wurde mir von allen Seiten bestätigt. Ich denke, dass ich mich weiterentwickelt habe: Allgemein im Spiel, technisch und auch im Auftreten. Und dann bekommt man zu hören: "Du fährst nicht mit zu Olympia." Da denkt man: "Okay, das ist blöd, aber ich kann es nicht ändern." Und dann sitzt du jetzt auch noch im Verein die meiste Zeit auf der Bank. Das ist natürlich Scheiße, wenn man das so sagen kann.
SPIEGEL ONLINE: Überlegen Sie, deswegen den Verein zu verlassen?
Steuerwald: Mein Vertrag läuft nach der Saison aus. Wenn alles normal läuft, habe ich dann mein Abitur in der Tasche und bin frei fürs Volleyballspielen. Wie es dann weiter geht, das bleibt offen. Ich denke, es werden Angebote kommen. Und dann muss ich gucken, wie auch Friedrichshafen plant: mit mir oder ohne mich. Wir sind noch nicht mal in der Mitte der Saison. Da wird sich noch einiges ergeben.
SPIEGEL ONLINE: Auch in der Nationalmannschaft?
Steuerwald: Wir stehen durch die Olympiateilnahme inzwischen auf Platz 14 in der Weltrangliste. Es ist sehr schade, dass wir es nicht schaffen, in der Weltliga zu spielen.
SPIEGEL ONLINE: Woran hapert es da?
Steuerwald: Bei der Weltliga müssen die Spiele live im Fernsehen laufen. Das klappt in Deutschland nicht, ob dies nun am Verband oder an den Sendern liegt, kann ich nicht beurteilen. In diesem Jahr gab es eine gute Chance, denn es war ein Platz frei. Den haben jetzt die Niederländer bekommen. Das ist ärgerlich. In der Weltliga spielen die Top-Teams, da geht es gegen Brasilien, Russland und die USA. In der Euro-Liga spielen wir nur, ohne jetzt jemandem zu nahe treten zu wollen, gegen Österreich oder Weißrussland.
SPIEGEL ONLINE: Besteht grundsätzlich die Chance, die nötigen Fernsehzeiten zu bekommen?
Steuerwald: Für 2009 haben wir es nicht geschafft. Es wäre wichtig, dass es mal klappt, damit wir uns weiterentwickeln könnten. Dann springt bei Olympia vielleicht nicht der neunte Platz raus, sondern der fünfte.
SPIEGEL ONLINE: Warum glauben Sie das?
Steuerwald: Serbien haben wir vor Olympia zum Beispiel dreimal geschlagen. Die haben sich aber in der Weltliga vorbereitet, wir in der Euro-Liga. Bei Olympia haben wir dann 3:1 gegen sie verloren. Das war das entscheidende Spiel um den Einzug ins Viertelfinale. Da fehlt die Erfahrung, die man in der Weltliga sammelt, um so ein Spiel zu gewinnen.
Die Fragen stellte Sebastian Trepper.
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