US-Tennislegende John McEnroe ließ keine Zweifel aufkommen. "Das war das beste Match, das ich jemals gesehen habe", schwärmte der frühere Weltranglistenerste. Im Wimbledon-Finale hatte Rafael Nadal nach 4:48 Stunden und zwei Regenpausen 6:4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7 gegen Roger Federer gewonnen. Es war das längste Endspiel in der Geschichte Wimbledons und ein Duell von epischen Ausmaßen.

Wimbledon-Sieger Nadal: Wild entschlossen an die Weltranglistenspitze
Nadal spielte von Beginn an mit großer Wucht, seine gewaltige Vorhand dominierte die Ballwechsel. Federer brauchte zwei Sätze Anlauf, dann stemmte er sich mit aller Macht gegen die Niederlage. Es ging nicht nur um dieses eine Match – es ging um die Verteidigung seines Terrains gegen den Sandplatzkönig, es ging um die Vorherrschaft auf der ATP-Tour.
Und der Kampf um die Krone wurde verbissen geführt. Beide Akteure zeigten ihr ganzes Repertoire und packten die besten Schläge immer dann aus, wenn es besonders wichtig wurde. So schlug Federer im Tiebreak des dritten Satzes sechsmal auf – und erzielte dabei vier Asse.
Im Tiebreak des vierten Durchganges erkämpfte sich Nadal seinen zweiten Matchball mit einem fantastischen Vorhand-Passierball. Federer wehrte die Chance mit einer wunderbaren Rückhand die Linie entlang ab – ganz so, als spielte er irgendwo in der Schweiz ein Trainingsmatch und nicht im All England Club das größte Duell seiner Laufbahn.
Doch alle Gegenwehr sollte nichts nutzen. Nichts konnte den nimmermüden Nadal an diesem 6. Juli stoppen. Die Dämmerung war bereits hereingebrochen als der 22-Jährige seinen vierten Matchball verwandelte und vor Freude rücklings auf den Rasen fiel – er hatte den Weltranglistenersten Federer auf dessen Lieblingsplatz geschlagen.
Boris Becker sagte wenig später: "Wer die French Open und Wimbledon gewinnt, ist immer die Nummer eins. Da ist mir egal, was der Computer sagt." Tatsächlich sollte es nicht lange dauern, bis die Rechenmaschine folgte: Am 18. August löste Nadal seinen Widersacher Federer nach vier Jahren an der Spitze der Weltrangliste ab. Dort steht der Spanier bis heute.
Hendrik Ternieden
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