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05.12.2008
 

Segeln

Wie ein spektakulärer Crash einen Weltrekord verhinderte

Von Sebastian Trepper

Erst Begeisterung, dann Entsetzen: Der Australier Paul Larsen hat mit seinem Segelboot "Vestas SailRocket" erstmals die Marke von 50 Knoten durchbrochen. Als Weltrekord zählt der Versuch dennoch nicht - kurz vor dem Ziel hob das Boot plötzlich spektakulär ab.

Hamburg - "Ich war entschlossen, mir den Rekord zu holen. Ich wusste, dass mit unserem Boot etwas Besonderes möglich war", schreibt Paul Larsen auf der Internet-Seite der "Vestas SailRocket". Doch das "Besondere" sollte anders werden, als Larsen es sich erhofft hatte. Beim ersten Versuch schaffte die "Segelrakete" am Mittwoch eine Geschwindigkeit von 47,35 Knoten (87,7 km/h). Gleich im Anschluss startete Larsen zu einem zweiten Versuch.

"Ich konzentrierte mich auf die Einstellung des Segels, als das Boot beschleunigte, und verdammt, wie es beschleunigte", schreibt Larsen, "immer weiter, bis auf 52 Knoten (96,3 km/h), bevor die Nase hochstieg." Doch nicht nur die Nase verlor den Wasserkontakt, das Boot hob komplett ab, schraubte sich nach oben und schlug dann mit der Oberseite ins Wasser.

"Dann schlug ich hart auf", berichtet Larsen, "als ob ein starker Mensch mir mit voller Kraft und der flachen Hand auf den Helm geschlagen hätte." Doch der Australier zog sich keine schweren Verletzungen zu. Larsen saß in dem Teil der "SailRocket", der dem Wasser am nächsten blieb. Der Ausleger mit dem Segel rotierte um ihn herum.

Rekord verpasst

Beim Aufprall zerbrach das Boot. Laut der Internet-Seite der Rekordjäger kann der Schaden jedoch repariert werden, so dass Larsen bald erneut versuchen wird, sich den Weltrekord zu sichern. "Das war nur ein Vorgeschmack, um der Welt zu zeigen, was dieses Boot kann", sagte der Segler SPIEGEL ONLINE nach dem Unfall. Der 38-Jährige hat bereits einige Erfahrung mit schnellen Segelbooten. Als Crew-Mitglied auf Tracy Edwards' "Maiden II" brach er mit 694,7 Meilen den 24-Stunden Rekord für Mehrrumpfboote. Neben Designer Malcolm Barnsley, der schon seit neun Jahren an dem Boot arbeitet, ist er der Initiator des "SailRocket"-Projekts.

Für die Bestmarke wird die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke von mindestens 500 Metern gemessen. Die alte Marke des französischen Windsurfers Antoine Albeau (49,09 Knoten bzw. 90,9 km/h) übertraf Larsen mit 52 Knoten Höchstgeschwindigkeit vor seinem Unfall bei weitem. Doch den Rekord verpasste der Australier. Durch seinen unbeabsichtigten Looping erreichte er die 500-Meter-Marke nicht.

Die "SailRocket" wird von nur einem Piloten gesteuert. Larsen sitzt am Ende einer schmalen, länglichen Kufe. Auf seiner linken Seite hat das Boot einen weiten Ausleger oder Flügel, an dessen Ende ein Schlitten durch das Wasser gleitet. An diesem Schlitten ist das einzige, schrägstehende Segel befestigt. "Das Konzept ist einzigartig, es ist einfach dafür gemacht, schnell zu sein", sagt Larsen.

Die breite Konstruktion zielt darauf ab, im Gegensatz zu konventionellen Booten auch bei starken Böen nicht zu kippen, sondern schneller zu werden. Diese Idee funktioniert jedoch nur, solange die "SailRocket" auch Wasserkontakt hat. Als bei der enormen Geschwindigkeit des zweiten Versuchs beide Rümpfe abhoben, wurde das Boot aufgrund seiner Leichtbauweise in die Luft gerissen und vom Wind umgedreht.

Ein Risiko, das Larsen und sein zehnköpfiges Team auch beim nächsten Rekordversuch begleiten wird. "Noch konnten wir das Boot nicht reparieren, aber wir sind dran und werden vor allem an der Stabilität im Wasser arbeiten", sagt Larsen. "Aber dann legen wir los - und ich glaube, mit diesem Boot sind auch 60, 70 oder 80 Knoten möglich."

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