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Walujew gegen Holyfield Tapsiger Bär besiegt Tanz-Opa

Apathie statt Attacke: Zwölf Runden lang gingen sich Weltmeister Nikolai Walujew und Herausforderer Evander Holyfield aus dem Weg. Geboxt wurde kaum, dafür umso mehr getanzt. Nun droht sogar die Neuauflage des Duells der müden Männer.

Für einen kurzen Moment lang schien Tommy Brooks den Glauben an die Gerechtigkeit auf dieser Welt verloren zu haben. Evander Holyfields Trainer schlug die Hände über seiner schwarzen Baseballmütze zusammen und rannte wild umher. "Ich kann das nicht fassen", ließ er seine Mitstreiter im Boxring wissen. Kurze Zeit später besann er sich dann wieder, packte seinen Schützling am Handgelenk und riss dessen linke Faust in die Höhe. Das Publikum im Zürcher Hallenstadion feierte Holyfield, einige der 12.000 Zuschauer hielten Plakate in die Luft, "Evander - yes we can" und "Holyfield, you are the champion" war da zu lesen. Dabei hatte dieser gar nicht gewonnen.

Walujew verließ nach zwölf Runden den Ring und wurde wenig später als Champion der World Boxing Association (WBA) bestätigt. Das war es, was Brooks so auf die Palme brachte. Immerhin ein Ringrichter, Guillermo Perez aus Panama, hatte den spannenden, wenn auch wenig hochklassigen Fight unentschieden gewertet (114:114).

Die beiden anderen Juroren stimmten gegen Holyfield (114:115 und 112:116) und besiegelten somit dessen zehnte Niederlage im 54. Profikampf. "Jeder hat gesehen, dass wir gewonnen haben", sagte Coach Brooks später, "ich weiß nicht, welchen Kampf die Ringrichter verfolgt haben."

Holyfield selbst nahm's weit weniger emotional. Er schüttelte kurz den mit Schweißperlen übersäten Kopf und bedankte sich artig beim Publikum für die Unterstützung. Klar habe er sein Ziel verfehlt, mit 46 Jahren George Foreman als ältesten Schwergewichtsweltmeister der Boxgeschichte abzulösen, sagte der US-Amerikaner aus Atlanta. "Das kann ich aber immer noch schaffen. Mein Ziel ist nach wie vor der Titel." Mit Mitte 40 ans Aufhören denken? Niemals.

Wenig später auf der Pressekonferenz sitzt Holyfield mit seinem charismatischen Lächeln vor den Journalisten. Er sieht aus wie vor dem Kampf. Keine Spur von Schwellungen oder Schrammen. "Mir geht es großartig", sagt der Mann, der in seiner Karriere viermal Weltmeister war, zuletzt vor acht Jahren. Vielleicht ist er in diesem Moment selbst erstaunt, dass er es mit dem 2,13 Meter großen russischen Riesen derart gut aufnehmen konnte.

Was war vor dem Kampf nicht alles über Holyfields Gesundheitszustand spekuliert worden. Zwar bekam er von den Ärzten grünes Licht, doch wilde Gerüchte über Herzprobleme, eine Sehschwäche und viel zu langsame Reaktionen machten die Runde. Einige Kritiker hätten wohl am liebsten noch vor dem Kampf einen Krankenwagen für Holyfield bestellt, um Schlimmeres zu verhindern. Doch der Veteran hat sie eines Besseren belehrt. "Respekt, wenn einer in dem hohen Alter noch so boxen kann", sagte der deutsche Weltmeister im Mittelgewicht, Artur Abraham, der mit seinen 28 Jahren Holyfields Sohn sein könnte.

Ein Lob für Holyfield, das zugleich ein Abgesang auf das Schwergewicht ist. Es spricht jedenfalls nicht für die Qualität der bedeutendsten Klasse, wenn ein Boxer, dessen besten Jahre (mindestens) zehn Jahre zurückliegen, einen Kampf gegen einen Weltmeister zeitweise dominiert. So geschehen in den ersten drei Runden, als Holyfield mit seiner Rechten Walujew ein ums andere Mal überraschte. Als Holyfield ab Durchgang sechs die Puste ausging, beschränkte er sich auf eine gute Aktion pro Runde. Das reichte, um über die Zeit zu kommen.

Walujew, dem im Gegensatz zu den Weltmeister-Brüdern Klitschko ohnehin ein richtiger Punch fehlt, verpasste es immer wieder, trotz einiger guter Treffer in den zweiten Hälfte des Kampfes nachzusetzen. Die lautstarken Aufforderungen dazu aus seiner Ecke um Coach Alexander Simin ignorierte er einfach. Selbst in der letzten Runde, als sich Holyfield kaum noch auf den Beinen halten konnte, scheute der elf Jahre jüngere, 24 Zentimeter größere und 39 Kilogramm schwerere Russe das Risiko.

Hohn und Spott vom eigenen Promoter

Hohn und Spott waren die Folge. Nicht nur vom Publikum in der Halle, das Walujew nach dessen 50. Sieg im 52. Profikampf mit einem Pfeifkonzert verabschiedete, sondern sogar vom eigenen Promoter. "Ein Unentschieden wäre wohl gerechter gewesen", sagte Wilfried Sauerland und verzichtete auf das sonst übliche Schulterklopfen nach einem Sieg. "Evander ist ein Ausnahmeathlet", sprach Sauerland über den Unterlegenen, "er hat viel getanzt, allerdings wenig geschlagen." Walujews Leistung kam nicht zur Sprache, wahrscheinlich weil dieser nach Meinung des Promoters auf Tanzen und Schlagen zugleich verzichtete.

Immerhin versuchte der Geschäftsführer des Sauerland-Boxstalls, Christian Meyer, der Vorstellung noch etwas Gutes abzugewinnen. "Das war eine spannende Kiste, das schreit ja nach einem Rematch." Walujew soll nun zunächst gegen Ruslan Tschagajew antreten, der nach seiner Achillessehnenverletzung den WBA-Titel abgeben musste und nun das Recht auf einen WM-Kampf gegen Walujew hat. Danach sei dann Holyfield dran, sagte Meyer, wieder in Zürich als Austragungsort.

Holyfield dürfte eine Wiederauflage freuen. In Europa kann er seinen Namen noch verkaufen, in den USA will ihn niemand mehr kämpfen sehen. 750.000 Dollar hat Holyfield, der ja irgendwie auch seine große Familie (elf Kinder von drei Frauen) durchbringen muss, für seinen Auftritt gegen Walujew bekommen. Die gleiche Summe, so er denn dann das Okay von den Ärzten bekommt, dürfte es auch bei einem Rematch sein. Viel Geld für einen tanzenden Box-Opa, der wenig schlägt.

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insgesamt 512 Beiträge
dr.gnadenlos 13.07.2008
Meines Erachtens gibt es zurzeit nur einen Boxer, der Klitschko gefährlich werden könnte: Samuel Peter. Gegen den hat Klitschko zwar 2005 nach Punkten gewonnen, aber es war äußerst knapp ...
Meines Erachtens gibt es zurzeit nur einen Boxer, der Klitschko gefährlich werden könnte: Samuel Peter. Gegen den hat Klitschko zwar 2005 nach Punkten gewonnen, aber es war äußerst knapp ...
unomundo 13.07.2008
Ich glaube, Wladimir (im Gg.satz zu Vitali) Klitschko wird überschätzt, auch wenn er seinen WM-Titel gestern verteidigt hat: Zuerst einmal seine "beeindruckende KO-Bilanz": Gegen wen hat er denn sehr viele seiner [...]
Zitat von sysopDreifacher Weltmeister: Wladimir Klitschko hat souverän gegen Herausforderer Tony Thompson gewonnen. Nun kommt es vermutlich zum Kampf mit Alexander Powetkin. Ist der eine echte Gefahr? Und was ist vom Comeback Vitali Klitschkos zu halten?
Ich glaube, Wladimir (im Gg.satz zu Vitali) Klitschko wird überschätzt, auch wenn er seinen WM-Titel gestern verteidigt hat: Zuerst einmal seine "beeindruckende KO-Bilanz": Gegen wen hat er denn sehr viele seiner zahlreichen KO's gelandet? Vor allem gegen 2.-, wenn nicht 3.klassige Boxer wie Lajos Eros, Axel Schultz oder - in meinen Augen sein peinlichster Sieg - gegen den übergewichtigen und untrainierten Südamerikameister, der nach dem Niederschlag in der 1.Runde - nach kurzem Nachdenken - bequemerweise gleich liegenblieb... Dieser Kampf kam ja aus dem Grund zustande, um W.Klitschko nach einer KO-Niederlage "wieder Selbstvertrauen zu geben". Nur war diese sogenannte Aufbaugegner so schwach, dass er nicht mal als Sparringspartner taugte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es, vor allem in den USA, eine ganze Anzahl von guten Schwergewichtlern gibt, von denen wir Europäer noch gar nichts gehört haben, die, mit dem nötigen "Punch" ausgestattet, Wladimir regelrecht zerpflücken würden. W. Klitschko hat ja Sport studiert, aber von "hungry" hat er anscheinend keinne grosse Ahnung, ebensowenig wie von einigen - völlig regelkonformen - Tricks. Bsp.: Sein Kampf gg. Lemon Brewster: (Ich habe den Kampf auf Video aufgezeichnet und mir die entscheidenden Scenen x-mal angeschaut): In der 4. Runde ging Brewster zu Boden, Aber: Nach einem Wirkungstreffer, der einen zu Boden befördert, ist man normalerweise groggy. Aber Brewster war bei diesem "Niederschlag alles andere als groggy: Deutlich zu sehen ist das, als er sich im letzten Augenblick noch wegdrehte, um W. Klitschkos letztem, entscheidenden Sclag auszuweichen. Klitschko hingegen war zu diesem Zeitpunkt bereits so ausgepumpt, dass er nach seinem letzten Schlag völlig unkontrolliert in die Seile plumpste. Kommentar von Brewstwe's Trainer: "Jetzt haben wir ihn da, wo wir ihn haben wollen. Der (Klitschko) ist konditionell völlig fertig." Und in der nächsten Rundde wurde Klitschko dermassen hart zu Boden geschickt, dass man ihn aus der Halle tragen musste. Ich glaube, Wladimir hat inzwischen zu viele KO's eingesteckt, um nach einem harten Treffer noch unbeeindruckt weiterboxen zu können. Und in den USA wartet wahrscheinkich eine ganze - schagstarke - Meute auf die Chance, gg. W. Klitschko anzutreten - mit guten Chancen, wue ich vernute.
Michael Giertz 13.07.2008
Niemand ist unschlagbar, auch ein Vitali Klitschko nicht. Natürlich hoffe ich für ihn, dass er auch hier erfolgreich aus dem Ring steigt, doch dazu muss er seinen Gegner respektieren. Es GIBT keine "leichten Kämpfe" in [...]
Zitat von sysopDreifacher Weltmeister: Wladimir Klitschko hat souverän gegen Herausforderer Tony Thompson gewonnen. Nun kommt es vermutlich zum Kampf mit Alexander Powetkin. Ist der eine echte Gefahr? Und was ist vom Comeback Vitali Klitschkos zu halten?
Niemand ist unschlagbar, auch ein Vitali Klitschko nicht. Natürlich hoffe ich für ihn, dass er auch hier erfolgreich aus dem Ring steigt, doch dazu muss er seinen Gegner respektieren. Es GIBT keine "leichten Kämpfe" in der Gewichtsklasse, jeder Gegner kann ihm gefährlich werden. Da aber Vitali bisher eigentlich selten seine Gegner unterschätzt hat, schätze ich, dass er auch den nächsten Kampf bestehen wird. Er muss nur einfach voll dabei sein, darf sich nicht ablenken lassen. Soviel dazu: Viel Glück, Vitali.
Michael Giertz 13.07.2008
Mir fällt grad auf, dass ich wie verrückt von VITALI gesprochen hab. Das tut mir leid. Der Inhalt des Beitrages bleibt bestehen, nur sollte anstelle von VITALI eben WLADIMIR stehen. Viel Glück, Wladimir. (Sowas peinliches [...]
Mir fällt grad auf, dass ich wie verrückt von VITALI gesprochen hab. Das tut mir leid. Der Inhalt des Beitrages bleibt bestehen, nur sollte anstelle von VITALI eben WLADIMIR stehen. Viel Glück, Wladimir. (Sowas peinliches aber auch. Schade, dass es keine Editierfunktion gibt).
sittingbull 13.07.2008
Wladimir K. verfügt über eine beeindruckende Physis und schlägt zwei gute lange Hände - ein begabter Amateur, wie die frühere sowjetische Boxschule sie damals so erfolgreich formte. Danach aber ist Schluß! In der Hüfte steif, [...]
Wladimir K. verfügt über eine beeindruckende Physis und schlägt zwei gute lange Hände - ein begabter Amateur, wie die frühere sowjetische Boxschule sie damals so erfolgreich formte. Danach aber ist Schluß! In der Hüfte steif, scheint er überdies mit Plattfüßen geplagt zu sein. Als er seinem Gegner am Ringseil auf die Füße trat und dann steif wie eine Latte auf ihn fiel, sah man deutlich das fehlende Gleichgewicht und auch, wie gering seine Kondition eigentlich - trotz des langsamen Kampfes - war. Nicht unbedingt ein Champ! Und Hunger hat der Mann wirklich nicht mehr! Mir scheint, die drei Titel spiegeln nicht unbedingt ein Können wider, sondern eher eine kommerziell geschickte Stallregie. Müßte er sich in den USA als Herausforderer durchboxen, dann würde er wohl kaum an die Spitze kommen. Es tut dem Gemüt des Betrachters gar nicht gut, wenn dieser zu viele Vergleichsmöglichkeiten (oh, Nostalgie !) im Gedächtnis hat. Ich jedenfalls werde Wladimir's Weg nicht weiter begleiten! (lol)
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