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Basketball in Europa Dunkings ohne Gehalt

2. Teil: Glamour und Probleme - NBA-Stars in Europa

Spieler wie der Argentinier Carlos Delfino, einst in Toronto unter Vertrag, oder der schlaksige Amerikaner Josh Childress von den Atlanta Hawks haben vor allem wegen des Geldes die NBA verlassen. Delfino verdient geschätzte 13,5 Millionen Dollar für drei Jahre bei Khimky Moskau - wenn er sie denn bekommt. Childress hat für geschätzte 22 Millionen Euro netto für drei Jahre bei Olympiakus Piräus unterschrieben, Chauffeur und Villa inklusive.

Was finanziell eine Gratwanderung mit ungewissem Ausgang ist, ist sportlich ein höchst interessanter Versuch. Nach der Hälfte der Saison ist absehbar, dass das "faszinierende Experiment" (der Branchendienst Draftexpress), ein NBA-Sternchen nach Übersee zu verschiffen, zwar nicht als gescheitert betrachtet werden muss, aber neben allem Glamour auch jede Menge Probleme birgt: "Die Spitzenteams in der NBA und in der Euroleague spielen zwar auf einem ähnlich hohen Level. Der Unterschied liegt aber darin, dass das Spiel in den USA mehr auf einzelnen Spielern aufbaut, in Europa dagegen auf dem Kollektiv", sagt Alba-Manager Marco Baldi.

Keiner der US-Importe hat bislang in Europa dominieren können. Entweder waren die Ex-NBA-Spieler eine Enttäuschung. Oder aber sie passten sich allenfalls solide in das Gefüge ihres Teams ein. Flügelspieler Childress hat in Piräus eine miese Freiwurfquote vorzuweisen, die schlechtesten Werte bei Dreipunktewürfen in der Karriere und die niedrigste Punktezahl seit dem College. In Europa, diese Lektion hat auch Childress lernen müssen, zählt die Mannschaft, nicht der Star. "Wir haben Josh nicht geholt, damit er jeden Abend 30, 40 oder 50 Punkte macht", sagt Piräus-Coach Giannakis über den Transfer. Die Lehre aus dem Childress-Experiment ist für Alba-Manager Marco Baldi schon jetzt klar: "Es wird keinen Spieler geben, der aus den USA kommt und das Spiel in Europa komplett verändert."

Baldi hat das aus nächster Nähe beobachten können, bei Brandon Jennings, dem amerikanischen Wunderknaben im Dienste des Gruppen-Gegners Rom. Der 18-Jährige, der im Sommer von der Highschool nach Italien wechselte, gilt in Amerika schon als der nächste LeBron James, doch in die NBA durfte er nicht, weil er dafür zu jung war. Da kam das Angebot aus Rom, für eine Million Dollar nach Europa zu wechseln, gerade recht.

In der Europaliga macht sich der Teenager zwar nicht schlecht, in den ersten neun Spielen erzielte er im Schnitt in knapp 20 Minuten Spielzeit 8,9 Punkte. Aber mitunter lief Jennings über das Parkett wie ein aufgescheuchtes Huhn, das den eigenen Stall nicht findet. Im Heimspiel gegen Alba, das Rom nur mühsam gewann, hatte der italienische Coach schon früh ein Einsehen und beließ den jungen Amerikaner auf der Bank. Rom schaffte dennoch vorzeitig den Einzug in die Runde der 16 besten Teams Europas - das, was sich Alba so sehnlich erträumt.

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