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16.01.2009
 

Berlin im Basketball-Top-16

Eine frohe Niederlage mit bitterem Beigeschmack

Von Sascha Klettke

Nach der Niederlage ist vor der nächsten Runde: Alba Berlin verlor gegen Ljubljana und gehört trotzdem zu den Top 16 der Europaliga, weil auch der direkte Konkurrent eine Niederlage einstecken musste. Jetzt muss der Hauptstadt-Club überlegen, wie er gegen die Spitzenteams bestehen kann.

"Die sind gekommen, um uns die Party zu verderben - und das ist ihnen gelungen", sagte Alba-Manager Marco Baldi wenige Minuten nach der Niederlage gegen Olimpija Ljubljana und sah dabei kein bisschen traurig aus. Denn obwohl sein Team 59:67 verlor, wird Berlin weiter in der europäischen Königsklasse mitspielen. Doch das stand in der Schlusssekunde der Partie noch nicht fest.

Trotz Niederlage in der nächsten Runde: Berlins Aufbauspieler Steffen Hamann
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DPA

Trotz Niederlage in der nächsten Runde: Berlins Aufbauspieler Steffen Hamann

Zwei Stunden lang hatten die 14.800 Zuschauer in einer der modernsten Multifunktionshallen in Europa das Geschehen auf dem Parkett verfolgt: Über ihnen wiederholte ein Videowürfel in der Größe eines Einfamilienhauses die spektakulärsten Szenen, rund um den Innenraum blinkte ein riesiges Leuchtband. Doch als das Spiel vorbei war, lauschten die etwa 10.000 Zuschauer, die nicht gleich nach der Schlusssirene gegangen waren, einer Stimme aus dem Lautsprecher, wie anno dazumal bei öffentlichen Radiosendungen. Vor einem Laptop mit dem Web-TV-Livestream aus Vitoria im Baskenland saß Radio-Eins-Moderator Marco Seiffert und kommentierte die letzten Spielzüge der Partie Tau gegen Joventut Badalona. Der spanische Meister Tau Vitoria besiegte Pokalsieger Badalona - Albas Gegner von vergangener Woche - und ermöglichte den Berlinern damit den Einzug in die nächste Runde.

Den hätten die Berliner sich auch aus eigener Kraft erkämpfen können - mit einem Sieg gegen Ljubljana. Nach nervösen Anfangsminuten sah es aus, als hätten sie an diesem Abend die Chance dazu. Schnell führten sie 12:3. Doch der Gegner, der in der Gruppe bisher nur das Hinspiel gegen Alba gewonnen hatte, wollte noch einmal zeigen, warum er in die Europaliga gehört. Olimpija holte auf, nach dem ersten Viertel stand es 16:13.

Drei Viertel lang eine enge Partie

Zwei Viertel lang sahen die knapp 15.000 Zuschauer - so viele wie noch nie beim Spiel eines europäischen Basketball-Wettbewerbs in Deutschland - nun eine enge Partie. Alba führte zwar die meiste Zeit, konnte sich aber nie mit mehr als mit fünf Punkten absetzen. Zur Halbzeitpause ging dann Ljubljana in Führung, wenn auch nur mit einem Punkt: Berlin verlor den Ball, Jasmin Hukic stürmte nach vorne, stoppte weit vor der Dreierlinie ab und traf mit der Sirene zum 30:31.

Auch im dritten Viertel blieb es knapp, doch im Schlussabschnitt konnte Berlin nicht mehr mithalten. Die Albatrosse kamen mit der harten Verteidigung der Slowenen nicht zurecht, ihre Dreipunktwürfe trafen nicht und an der Freiwurflinie konnten sie nicht von den vielen Fouls der Slowenen profitieren: Jeder zweite Freiwurf ging daneben.

Ljubljana traf dagegen auch schwierigste Würfe aus dem Feld. Vor allem zwei Spieler machten den Berliner zu schaffen: Der gehörlose Power Forward Miha Zupan machte 14 Punkte. Gar nicht in den Griff zu bekommen war Vladimir Golubovic. Der kräftige 23-jährige Center traf in Korbnähe jeden seiner sieben Wurfversuche und war nur durch Fouls zu stoppen. Er kam auf insgesamt 21 Punkte.

Dass Berlin ausgerechnet unter dem Korb schlecht aussah, war kein Zufall: Auf den langen Positionen ist Alba nur dünn besetzt, weil der langjährige Nationalmannschaftskapitän Patrick Femerling noch wochenlang mit einer Knieverletzung ausfällt. Während Manager Baldi gebetsmühlenartig wiederholte, dass der Club nicht unter Druck stehe, unbedingt einen Spieler finden zu müssen, räumte Trainer Luka Pavicevic nach dem Spiel ein, dass es den Berlinern an Länge fehle. Er denke, dass die Aufsichtsräte und der Manager bald eine Lösung finden.

"Verdient ins Top 16"

Ob Spieler, Manager oder Trainer - nach der Niederlage, die trotzdem in die nächste Runde führte, hatten alle die gleiche Botschaft: "Auch wenn wir heute frustriert über unser Spiel sind, wir haben den Einzug ins Top 16 verdient", sagte der Alba-Guard und frühere NBA-Profi Casey Jacobsen. Und sein Trainer Pavicevic sprach zwar von einem "bitterem Nachgeschmack" der Niederlage, erinnerte aber an die Erfolge in der Gruppenphase: Alba gewann gegen Rom und Fenerbahce Istanbul, der letztjährige Uleb-Cup-Gewinner Joventut Badalona wurde sogar zwei Mal geschlagen. Fünf Siege, so hatte Pavicevic zu Saisonbeginn gesagt, brauche man um weiter zu kommen. Am Ende reichten sogar vier.

Wenn am Montag in Barcelona die drei Gegner für die nächste Runde ausgelost werden, stecken klangvolle Namen in den Lostöpfen: Maccabi Tel Aviv zum Beispiel oder die Basketball-Abteilungen des FC Barcelona, von Real Madrid oder Panathinaikos Athen. Die Berliner werden im Top 16 gegen die Spitzenclubs nur Aussenseiterchancen haben, doch Casey Jacobsen gibt sich kämpferisch: "Wir müssen nun beweisen, dass wir dazu gehören." Und Luka Pavicevic hatte auf die fast vorwurfsvolle Frage eines Journalisten, was er den so zahlreich erschienen Zuschauern sage, die sich eine Niederlage angucken mussten, eine einfache Antwort: "Ich lade sie ein, in der nächsten Runde wieder zu kommen."

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