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17.02.2009
 

Deutsches Tennis

Zittern vor dem Abgrund

Während die weltbesten Tennisprofis um den höchsten Preisgeldetat der Geschichte spielen, hat der deutsche Verband wirtschaftliche Probleme. Zudem fehlt es an Talenten. "SPONSORs"-Autor Steffen Guthardt analysiert, wohin der Weg der einst so angesehenen Sportart führt.

Der Spielervereinigung ATP geht es offenbar trotz der Finanzkrise offenbar so gut wie nie zuvor. Unter dem euphemistischen Begriff "player compensation" können die männlichen Tennisprofis seit dieser Saison insgesamt 80,7 Millionen Euro verdienen. Damit stieg das ausgeschüttete Preisgeld aus allen ATP-Turnieren in einem Zeitraum von nur zwei Jahren um satte 33 Prozent. Doch während die Nadals und Federers dieser Welt sich jeden ihrer Ballwechsel noch besser vergüten lassen, steht das deutsche Tennis am Scheideweg.

Tennisprofi Kiefer: Deutschland nur noch drittklassig
DPA

Tennisprofi Kiefer: Deutschland nur noch drittklassig

Mit sechs Wettbewerben der Profiserien ATP und WTA, die hierzulande derzeit ausgerichtet werden, befindet sich Deutschland bis dato noch in der Spitzengruppe mit Frankreich (sieben) und Spanien (sechs). Nur die USA können mit rund 20 Turnieren mehr Profitennis aufbieten. Doch der einstige deutsche Vorzeigeverband läuft mehr und mehr Gefahr, seinen Status als Ausrichter erstklassiger Turniere zu verlieren.

Das ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum musste nach einem Gerichtsbeschluss im August 2008 seinen bisherigen Status als Masters-Turnier bereits an Madrid abgeben. Damit wird der Wettbewerb im ATP-Ranking nur noch unter den sogenannten ATP 500 geführt und ist somit international in der Tennis-Drittklassigkeit gelandet. Davor rangieren die Spitzenevents des Tennisweltverbandes, die Grand-Slam- und Masters-Veranstaltungen.

Bereits am Ende ist das vom katarischen Tennisverband ausgerichtete Damenturnier in Berlin. Der katarische Verband hat den Wettbewerb ein Jahr vor Vertragsende an die WTA zurückgegeben. Die nun fällige Vertragsstrafe an die WTA in der Höhe des Turnierpreisgeldes von 451.000 Euro nimmt der Verband von Katar angesichts der Verluste der vergangenen Jahre wohl gerne in Kauf.

Übrig bleibt dem deutschen Damentennis mit dem Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart ein einziges Profiturnier. Bei den Männern sind es neben dem Hamburger Rothenbaum immerhin noch vier Veranstaltungen (BMW Open, Gerry Weber Open, Mercedes Cup und Arag World Team Cup). Keines davon hat ATP-Top-Status. Ein schneller Abstieg ins Tennis-Niemandsland droht.

Zudem krankt das öffentliche Interesse an den Spielen der Profis im Fernsehen bereits seit nunmehr zehn Jahren. Längst fristet der Tennissport in der Programmplanung der großen Medien-Anstalten ein Schattendasein. Die Übertragungen auf den Spartensendern Eurosport und DSF, in einer überschaubaren Dichte, sind nahezu die einzigen Fernsehbilder, die Tennis-Interessierte sehen können. Ausnahmen wie die Live-Übertragungen des WDR beim Düsseldorfer Arag World Team Cup fallen da kaum ins Gewicht.

In der zurückliegenden Saison konnte nur einer einzigen Ausstrahlung die Millionen-Zuschauer-Marke geknackt werden. 3,97 Millionen Menschen in Deutschland wollten das Spiel zwischen dem Deutschen Rainer Schüttler und dem Weltranglistendritten Novak Djokovic sehen – beim Tennisturnier der Olympischen Spiele in Peking.

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Keine Frau in den Top50, keine Talente in Sicht - ist Deutschland noch eine Tennisnation?

  • Ja, klar. Immerhin vier Millionen Menschen spielen hier Tennis.
  • Nein, nach den Rücktritten von Becker, Stich und Graf nicht mehr.
  • Tennis interessiert mich nicht.

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