Darüber hinaus klafft hinter den deutschen Top-Profis Nicolas Kiefer und Thomas Haas eine Lücke. Talente sind nicht in Sicht, während aus Spanien und dem aufstrebenden Serbien ein Spitzenspieler nach dem anderen auf die ATP-Tour kommt. Noch verheerender sieht die Situation im deutschen Damentennis aus. Dort befindet sich aktuell keine einzige Spielerin unter den Top 50 der WTA-Weltrangliste.
Dennoch versucht der DTB in diesen beunruhigenden Zeiten mit allen Mitteln, Geschlossenheit zu signalisieren. So wurde das umstrittene DTB-Präsidium um Georg von Waldenfels auf der Mitgliederversammlung vergangenen November in Hamburg geschlossen im Amt bestätigt. Überraschend, angesichts des gleichzeitig offengelegten Defizits von 2,3 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2007. So sank das Eigenkapital des Verbandes zum 31. Dezember 2007 im Vergleich zum Vorjahr von 10,67 auf 8,37 Millionen Euro.
Interessant ist auch, dass der DTB der Rothenbaum Sport GmbH 2007 noch einmal ein Darlehen von 1,6 Millionen Euro für die Aufwendungen des Hamburger Turniers gewährte. Der Darlehensvertrag besteht bereits seit 2005 und sieht eine jährliche Tilgung von 150.000 Euro vor. Hinzu kommt ein weiteres Darlehen, das der Stadion GmbH des Rothenbaums 2005 zur Sicherstellung seiner Liquidität gewährt wurde. Hier erfolgte 2007 eine Tilgung in Höhe von 200.000 Euro. Die Verbindlichkeiten des DTB gegenüber Kreditinstituten konnten von rund 834.000 Euro im Jahr 2006 auf 463.000 Euro in 2007 reduziert werden.
Hingegen weist die Jahresbilanz 2007 unter dem Punkt "Sonstige Verbindlichkeiten" einen Wert von 701.000 Euro aus, im Vorjahr waren dies nur rund 231.000 Euro. Die Verbindlichkeiten für "Lieferungen und Leistungen" stiegen im gleichen Zeitraum von 114.000 Euro auf 331.000 Euro an. Positiv zu bewerten ist, dass die Investitionen in den Breitensport von 163.000 Euro für 2006 auf 275.000 Euro für 2007 aufgestockt wurden.
Bei derart überschaubaren positiven Nachrichten überraschen die Statistiken des DTB umso mehr und geben gleichzeitig ein wenig Hoffnung. Nach eigenen Angaben ist der Verband mit über 1,5 Millionen Mitgliedern immer noch der mitgliederstärkste Tennisverband der Welt. Hinzu kämen rund 10.000 Tennisvereine und knapp 50.000 Tennisplätze im Bundesgebiet. Nimmt man die reinen Freizeitspieler hinzu, gibt es offenbar immer noch über vier Millionen Menschen, die regelmäßig zum Tennisschläger greifen.
Diese Perspektive möchte sich der DTB nun zunutze machen und die Nachwuchsförderung wieder in den Mittelpunkt der Verbandsarbeit stellen. Angedacht ist dabei ein neues Konzept, wie Erik Ballauff, Verbandsdirektor des DTB, verrät. So soll die breite Jugendförderung zugunsten einer intensiven, individuellen Ausbildung weichen. Zu diesem Zweck werden Deutschlands Top-Talente künftig in den renommierten Tennisinternaten in den USA, Spanien und Frankreich den nötigen Feinschliff für die Weltspitze erhalten. Dort ist im Gegensatz zu Deutschland eine spezifische Tennisförderung in der Regel mit einer allgemeinbildenden Ausbildung verknüpft.
Auf diesem Weg möchte der DTB das umsetzen, was in vielen der derzeit erfolgreichen Tennisnationen gang und gäbe ist. Ein gut gemeinter Ansatz, mit dem der DTB jedoch zugleich seine hausgemachten Defizite offenlegt. Denn Tennisschulen wie beispielsweise in Spanien sucht man in Deutschland seit Jahren vergeblich.
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