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06.03.2009
 

Basketball-Europaliga

Lehrreiche Niederlagen für Alba Berlin

Von Sascha Klettke, Berlin

Ein wütendes Pfeifkonzert und ein empörter Trainer - in einem Spiel, bei es nur noch um die Ehre ging. Gegen den Kult-Club Maccabi Tel Aviv fängt sich Alba die fünfte Niederlage im Top-16 der Euroleague ein - und geht trotzdem gestärkt in den Kampf um die Meisterschaft.

Als Nationalspieler Johannes Herber beim Einlaufen den deutschen Basketball-Pokal in die Höhe reckte, den Alba Berlin am Sonntag gewonnen hatte, war eines schon klar: Um so etwas Handfestes ging es bei diesem Spiel, das Alba am Ende 70:76 verlieren sollte, nicht mehr. Am Vorabend hatte der Gegner aus Tel Aviv die theoretische Chance verloren, noch in die nächste Runde der Euroleague einzuziehen. Real Madrid verlor beim FC Barcelona, damit sind die beiden spanischen Teams aus Albas Gruppe für die Play-off-Runde qualifiziert.

Trotzdem wollten beide Teams in der Arena am Berliner Ostbahnhof gewinnen: Alba, um den Fans im letzten Europaliga-Heimspiel der Saison den ersten Sieg im Top-16 zu präsentieren und Revanche für die 65:96 Klatsche im Hinspiel zu nehmen. Und Maccabi, um die verkorkste Europa-Saison noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen.

Doch das Spiel wirkte am Anfang zerfahren: Die ersten Angriffe beider Teams endeten, ohne dass der Ball in den Korb ging. Und als die Spieler dann doch anfingen zu treffen, taten sie es eher maßvoll: 15 zu 13 stand es für Alba nach dem langsam gespielten ersten Viertel. Auch im zweiten Viertel blieben die Berliner in Führung: Zwar dunkte Maccabis israelischer Star Lior Eliayahu in der letzten Minute vor der Pause zum 30:30-Ausgleich, doch Immanuel McElroy sorgte mit einem Sprungwurf dafür, dass Berlin zwei Punkte Vorsprung mit in die Kabine nahm.

Dass Berlin so lange mithalten konnte, war schon ein Erfolg. Alba ist in Europa Außenseiter. Allein der Einzug in die Runde der besten 16 war für den Club mit einem Jahresetat von etwa 7,5 Millionen Euro erfreulich. Für Maccabi dagegen war das Ausscheiden schon im Top-16 eine gewaltige Enttäuschung. Tel Aviv gehört zu den Spitzenclubs in Europa. Mit dem langjährigen NBA-Spieler Carlos Arroyo hat der Club, der über ein Budget von etwa 20 Millionen Euro verfügt, den teuersten Spieler der Vereinsgeschichte im Kader.

Und der zeigte in der zweiten Halbzeit, dass er sein Geld wert ist: Arroyo traf selbst und bediente seine Mitspieler mit betont lässigen Vorlagen, bei denen er demonstrativ in die andere Richtung schaute. Marcus und Dee Brown netzten mehrere Dreier ein und Tel Aviv hatte plötzlich einen Vorsprung von zehn Punkten.

Die Partie um die Ehre wurde nun zu einem bissigen Kampf. Und die Zuschauer merkten, dass es nicht nur beim Budget Unterschiede zwischen Spitzenclub und Underdog gibt. Schon mehrfach war in den Top-16-Spielen offensichtlich, dass die Elite-Clubs und ihre Stars einen Bonus bei den Schiedsrichtern haben: Für sie war es anscheinend ein wenig leichter, gefoult zu werden und ein bisschen schwieriger, selbst Fouls zu begehen.

"Die Schiedsrichterleistung war unterirdisch"

Dass es diesen Bonus gibt, wurde nun allzu deutlich: Gleich serienweise fiele die knappen Entscheidungen zu Lasten der Berliner aus. Wo Alba-Fans und -Spieler ein Foul sahen, ließen die Unparteiischen weiterspielen, auf der Gegenseite hatten schon leichte Kontakte einen Foulpfiff zur Folge.

Das ließ die Alba-Fans in Fahrt kommen: Jeder Angriff von Tel Aviv wurde nun mit einem gellenden Pfeifkonzert begleitet. Eine Atmosphäre, die Maccabi gewohnt ist: Ihre mit 11.000 Zuschauern stets ausverkaufte Heimhalle ist für die lautstarke Atmosphäre berühmt.

Nicht nur die Zuschauer, auch die Alba-Verantwortlichen waren sauer auf die Schiedsrichter: Trainer Luka Pavicevic bekam für seine Beschwerden ein technisches Foul. Und Manager Marco Baldi schimpfte nach dem Spiel: "Die Schiedsrichterleistung war unterirdisch." Es gebe Momente im Spiel, an denen sich alles ändern könne. "Diese Momente haben heute die Schiedsrichter bestimmt und nicht die Spieler."

Doch das Alba-Personal auf dem Parkett versuchte es zumindest: In der Schlussminute war Berlin wieder auf zwei Punkte herangekommen. Doch ein paar Auszeiten und Freiwürfe später stand fest: Maccabi lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen. 70:76 stand am Ende auf der Anzeigetafel.

Das so eine Niederlage den Berlinern nicht ihr Selbstbewusstsein raubt, haben sie vergangene Woche bewiesen: Donnerstag verloren sie gegen Barcelona, Samstag gewannen sie das Pokalhalbfinale gegen die Skyliners aus Frankfurt, Sonntag holten sie sich den Pokalsieg gegen Bonn.

Die Frankfurter wunderten sich nach der Halbfinalniederlage vor allem, dass ihre intensive Verteidigung nicht die gewünschte Wirkung hatte: "Man merkt, dass die Berliner in der Euroleague auch gegen sehr aggressive Verteidigungen zu spielen haben und sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen lassen", sagte Frankfurts Kapitän Pascal Roller in einem Fernsehinterview mit Sportdigital.tv, "andere Mannschaften hätten Nerven gezeigt."

Auch der Berliner Manager glaubt, dass sein Team etwas aus dem europäischen Wettbewerb lernen konnte. Die wichtigste Lektion heißt seiner Meinung nach Konsequenz. "Top-Teams wie Barcelona spielen auch noch mit 20 Punkten Vorsprung mit hoher Intensität", sagte Baldi SPIEGEL ONLINE. Das hätten die Spieler am eigenen Körper gemerkt - und sicherlich habe das auch einen Lerneffekt gehabt.

Trainer Pavicevic glaubt, dass seine Mannschaft schneller geworden ist: "Nicht unbedingt beim Tempo des Spiels, sondern vor allem bei der Reaktionsschnelligkeit, bei der Geschwindigkeit, mit der sie Entscheidungen treffen." Was die Spielweise angeht, rechnet er nicht damit, dass er in der Bundesliga von der Europa-Erfahrung profitieren kann: "Dazu sind die beiden Ligen zu unterschiedlich." In der nächsten Europaliga-Saison allerdings könne Alba das Gelernte vielleicht anwenden - wenn die Berliner denn wieder in der Königsklasse mitspielen.

Die Voraussetzung dafür: Alba muss nach dem Pokalsieg auch noch die Meisterschaft holen. Trainer und Manager sind sich einig: "Das wird hart." Zurzeit steht Berlin in der Bundesliga auf dem vierten Tabellenplatz, was aber nur begrenzte Aussagekraft hat, weil noch einige Nachholspiele ausstehen.

Auch wenn die Euroleague-Saison für Alba beendet ist - für Berlin geht sie noch weiter: In der Arena am Ostbahnhof spielen die vier Teams, die die Play-off-Runde überstehen, am ersten und dritten Mai beim Final-Four-Turnier um den Titel der besten Mannschaft Europas.

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