Hamburg - Das Playoff-Viertelfinale um die 89. deutsche Eishockey-Meisterschaft birgt viel Brisanz. Die Ausgangsposition vor dem Auftakt am Freitag ist allerdings klar: Titelverteidiger Eisbären Berlin hat die DEL-Hauptrunde mit vier Punkten Vorsprung zum ersten Verfolger Hannover Scorpions und mit 17 Punkten Abstand zum Dritten DEG Metro Stars gewonnen und ist der Top-Favorit.
Berliner Baxmann: Will den vierten Titel in fünf Jahren
Der erste Gegner auf dem Weg zum vierten Meistertitel in fünf Jahren ist in der Hand desselben Finanziers: Die Hamburg Freezers gehören wie die Eisbären dem US-Milliardär Philip Anschutz und nehmen den Schwung der Pre-Playoffs mit. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", riefen die Fans nach dem entscheidenden 4:2-Sieg gegen die Frankfurt Lions, mit dem der Club (vor 2002 München Barons) zum neunten Mal in Folge das Viertelfinale erreichte.
Die Erfolge der vergangenen Wochen haben die Hamburger selbstbewusst gemacht. "Berlin ist Favorit, aber wir haben in diesem Jahr gezeigt, dass wir jeden Gegner schlagen können und einen langen Atem haben", sagte Nationalspieler John Tripp, der am Mittwoch das letzte Tor erzielte. Der Deutsch-Kanadier lebte gegen Frankfurt das neue Selbstverständnis der Freezers vor: Im dritten Spiel kehrte er trotz einer Verletzung im Gesicht, mit acht Stichen genäht, aufs Eis zurück und führte sein Team zum ersten Sieg der Serie.
Dank Trainer Paul Gardner, der am 13. Dezember den erfolglosen Bill Stewart ablöste, spielt nicht nur Tripp nach ganz schwacher erster Saisonhälfte wie ausgewechselt. Die gesamte Mannschaft ist nicht wiederzuerkennen, holte seit Jahresbeginn mit 39 Punkten nur zwei Zähler weniger als Vorrundensieger Berlin und kletterte in der Tabelle stetig nach oben. "Dieses Team hat unglaublichen Charakter", lobte der Coach.
Der Titelverteidiger lässt sich davon nicht beeindrucken. "Wir wollen ins Finale und den Titel verteidigen", sagte Eisbären-Trainer Don Jackson, der die fast zwei Wochen Pause für intensives Training nutzte: "Wir haben in den letzten Tagen noch einmal hart trainiert. Die Mannschaft ist in absoluter Top-Form."
Ausgeruht gehen auch die Hannover Scorpions in das Duell gegen den EHC Wolfsburg, gegen den das Team von Trainer Hans Zach vor zweieinhalb Wochen im Pokalfinale 3:5 verloren hatte. Jetzt hat der Ex-Bundestrainer Höheres im Sinn. Berlin sei zwar der Top-Favorit, "aber wir lassen uns nichts gefallen. Wenn wir die erste Runde überstehen, dann sind wir der größte Konkurrent", sagte Zach ungewohnt angriffslustig.
Während das Derby in Hannover und Wolfsburg für volle Hallen sorgen soll, elektrisiert ein anderes Derby die Fans im Rheinland. Über 10.000 Zuschauer erwartet die Düsseldorfer EG im ersten Heimspiel am Freitag, das zweite Spiel am Sonntag in Krefeld ist bereits ausverkauft. "Ich will so schnell wie möglich Meister mit der DEG werden, da kommt Krefeld gerade recht", sagte DEG-Kapitän Daniel Kreutzer. Die Pinguine träumen indes von einer Wiederholung des Wunders von 2003, als sie ebenfalls von Platz sechs und zunächst gegen die DEG sensationell zur Meisterschaft stürmten. Jetzt sind vor allem die vielen Talente in der jüngsten Mannschaft der Liga gefragt. "Für sie sind die Play-offs Neuland", sagte Kapitän Herberts Vasiljevs: "Jetzt können sie beweisen, dass sie die Zukunft des Clubs sind."
Sich beweisen kann auch Teal Fowler als Interimstrainer beim DEL-Rekordmeister Adler Mannheim gegen die Nürnberg Ice Tigers. Der langjährige Co-Trainer ist einer von fünf Kandidaten, die im Rennen um den Job als Chefcoach in der nächsten Saison sind. "Ich will die Mannschaft aus dem Tief nach vorne bringen", sagte der US-Amerikaner angesichts von sechs Niederlagen in den letzten sieben Vorrundenspielen. "Eigene Interessen stehen hintenan", so Fowler. Während Mannheim mit einem viertägigen Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen gegen die sportliche Krise kämpfte, scheint in Nürnberg die Rettung des Clubs in Sicht.
Die Investorengruppe um den Schmuckhändler Thomas Sabo einigte sich am Freitag mit dem bisherigen Alleingesellschafter Günter Hertel auf die Bedingungen für die Übernahme der Ice Tigers GmbH. Demnach stieg das Konsortium für Hertels Firma als Trikotsponsor schon im Viertelfinale gegen die Mannheimer Adler ein. "Das ist ein positives Signal, aber noch kein Vollzug", sagte Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga.
jar/sid
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