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Handball-Star Jensen "Es wurde offen über Bestechung gesprochen"

Schiebung, Manipulation, Korruption - das Image des Handballs als saubere Sportart ist beschädigt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Flensburgs Weltklassespieler Johnny Jensen über systematische Benachteiligung und geschmierte Schiedsrichter.

SPIEGEL ONLINE: Herr Jensen, der Handballsport wird derzeit von einem Skandal erschüttert. Etliche Spiele sollen manipuliert worden sein. Glauben Sie, dass an den Vorwürfen etwas dran ist?

Jensen: Auf jeden Fall. Man kann zwar noch nicht sagen, wer was gemacht hat, aber es ist klar, dass Dinge nicht richtig und ehrlich verlaufen sind. Ich glaube, dass das, was wir erleben, nur die Spitze des Eisbergs ist, darunter sieht es richtig schlimm aus.

THW-Profi Karabatic (r.) und Flensburger Nielsen (2007 im Finale der Champions League): Ominöses Spiel
AP

THW-Profi Karabatic (r.) und Flensburger Nielsen (2007 im Finale der Champions League): Ominöses Spiel

SPIEGEL ONLINE: Sind die massiven Vorwürfe der Schiebung, die auch den THW Kiel betreffen, Gesprächsthema innerhalb Ihrer Mannschaft?

Jensen: Klar redet man darüber. Wir sind ja auch selbst betroffen, haben das Champions-League-Finale 2007 gegen Kiel verloren. Wir sind alle besorgt. Man fängt an, darüber nachzudenken.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch persönlich von den angeblichen Manipulationen durch bestochene Schiedsrichter gehört?

Jensen: Ich habe schon einige Sachen von norwegischen Schiedsrichtern erfahren, das ist alles richtig peinlich. In den vergangenen Jahren wurde ganz offen über Schiedsrichterbestechung gesprochen. Auch einige ehemalige Flensburger haben viel darüber erzählt.

SPIEGEL ONLINE: Um was ging es?

Jensen: Diese früheren Flensburger Spieler kennen viele Schiedsrichter aus dem Osten. Die haben dann auch erzählt, dass sie, als sie noch für ihre alten Clubs gespielt haben, mit gewissen Schiedsrichtern niemals verlieren konnten. Das war im Vorfeld des Spiels schon klar.

SPIEGEL ONLINE: Die Unparteiischen wurden bestochen?

Jensen: Ja, klar. Aber nicht nur mit Geld. Manchen Schiedsrichtern hat der Verein eine Woche Urlaub und eine schöne Schiffreise spendiert. Oder sie durften mit Frauen weggehen und feiern - alles, was die Schiedsrichter wollten.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie dahinter ein System?

Jensen: Ja, ganz eindeutig. Ich glaube, wenn du einmal bestochen und betrogen hast, stehst du so sehr unter Druck, dass du das immer wieder machen musst. So etwas spricht sich doch herum und der nächste Schiedsrichter will dann auch solche Extras haben. Da kommst du nicht mehr raus.

SPIEGEL ONLINE: Sind es denn nur Schiedsrichter aus Osteuropa?

Jensen: Das habe ich in den vergangenen Jahren immer geglaubt. Aber nachdem selbst die Deutschen Bernd Ullrich und Frank Lemme darin verwickelt sein sollen, muss man sich wirklich Sorgen machen. Das sind die besten Schiedsrichter der Welt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind die Reaktionen in Ihrem Heimatland Norwegen?

Jensen: Ich habe etwas von norwegischen Frauenmannschaften gehört. Die sind sehr gut, gewinnen ihre internationalen Spiele häufig zu Hause mit acht, neun Toren Differenz, verlieren aber auswärts immer noch deutlicher und scheiden früh aus.

SPIEGEL ONLINE: Bei Spielen im osteuropäischen Raum?

Jensen: Genau. Gegen die Mannschaften dort hatten die norwegischen Frauenteams in den vergangenen Jahren niemals eine Chance.

SPIEGEL ONLINE: Was würde es für den Handball bedeuten, wenn die Vorwürfe bewiesen werden? Unter anderem ermittelt ja auch die Staatsanwaltschaft Kiel gegen den THW.

Jensen: Das wäre sehr schlimm. Die Sponsoren und Zuschauer würden wegbleiben, dann müsste man viel Aufbauarbeit für den Sport leisten.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie denn momentan Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern ohne Hintergedanken hinnehmen?

Jensen: Einzelne Entscheidungen sind nicht schlimm, aber wenn ein ganzes Spiel lang gegen dich entschieden wird, dann denkt man schon daran, ob die Schiedsrichter sauber sind. Es ist eine schwere Situation für die Spieler, aber auch für die Schiedsrichter. Die meisten von denen haben bestimmt nichts gemacht - zumindest die in Deutschland.

Das Interview führte Rafael Buschmann

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insgesamt 44 Beiträge
BillBrook 14.03.2009
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter 14.03.2009
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich [...]
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen [...]
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren [...]
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der [...]
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
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