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31.03.2009
 

Doping-Affäre in Österreich

Sportmanager Matschiner legt Geständnis ab

Es besteht Verdunkelungsgefahr: Die Sonderkommission "Doping" der österreichischen Polizei hat den umstrittenen Sportmanager Stefan Matschiner vorläufig festgenommen. Der 34-Jährige gestand, an Bluttransfers beteiligt gewesen zu sein. Mit Epo habe er jedoch nicht gehandelt.

Hamburg - Der Sportmanager Stefan Matschiner hat nach Angaben seines Anwaltes die Beteiligung an Bluttransfers für den ehemaligen Radprofi Bernhard Kohl eingeräumt. So habe Matschiner dem ehemaligen Gerolsteiner-Fahrer geholfen, Eigenblut-Transfusionen durchzuführen. Bisher hatte Kohl, der bei der Tour-de-France 2008 das Trikot des besten Bergfahrers gewonnen hatte, nur zugegeben, mit dem Epo-Nachfolgepräparat CERA gedopt zu haben.

Matschiner habe aber zugleich angegeben, dass er keine Dopingpräparate wie Epo an die Triathletin Lisa Hütthaler und Kohl weitergegeben habe, sagte Franz Essl der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Matschiner sei am Dienstag mehrere Stunden von Beamten der "Sonderkommission Doping" des Bundeskriminalamtes Wien vernommen worden, erklärte der Salzburger Anwalt.

Manager Matschiner (2008): "Das Thema Sport ist erledigt"
AP

Manager Matschiner (2008): "Das Thema Sport ist erledigt"

"Bei der umfassenden Hausdurchsuchung im Wohnhaus von Matschiner in Laakirchen wurden nach Angaben der Ermittler aber keine Dopingmittel oder Ähnliches vorgefunden", sagte Essl. Das Landesgericht für Strafsachen in Wien werde vermutlich an diesem Mittwoch über die Verhängung der U-Haft über Matschiner entscheiden. Matschiner hatte unter anderen den im Vorjahr des Dopings überführten und inzwischen gesperrten Radrennfahrer Kohl betreut.

Matschiner war in der Nacht zum Dienstag nach seiner Rückkehr aus den USA festgenommen worden. Grund für die Festnahme war die bestehende "Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr". "Es besteht der dringende Verdacht der Weitergabe von Dopingmitteln", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch.

Matschiner hatte unlängst seine Kooperationsbereitschaft mit den Behörden angekündigt. Als Manager werde er künftig nicht mehr tätig sein, sagte der 34-Jährige. "Das Thema Sport ist erledigt. Mit dieser verlogenen Szene bin ich fertig."

Am Freitag hatte die Triathletin Lisa Hütthaler Epo-Doping gestanden und Matschiner als Hintermann genannt. Die von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ihres Landes bereits für zwei Jahre gesperrte 25-Jährige erklärte, sie habe von Matschiner etwa sechsmal Epo bekommen und dafür insgesamt rund 15.000 Euro bezahlt. Matschiner war auch als Berater des inzwischen ebenfalls des Dopings überführten Tour-de-France-Dritten von 2008, Bernhard Kohl, tätig.

Belastende Kohl-Aussagen

Wie Staatsanwalt Jarosch bestätigte, hat der für zwei Jahre gesperrte Radrennfahrer Kohl inzwischen seinen ehemaligen Manager Matschiner schwer belastet. Kohl habe im Beisein seines Anwalts vor der "Soko Doping" umfassend gegen Matschiner ausgesagt und ihn unter anderem der strafbaren Weitergabe von Dopingmitteln bezichtigt.

Unterdessen hat ein weiterer Zeuge die belastenden Aussagen Hütthalers gegen Matschiner und den Kinderarzt Andreas Zoubek bestätigt. Der Fitnesstrainer und Radrennfahrer Michael Dimmel bestätigte, dass seine frühere Freundin Hütthaler von Matschiner und Zoubek mit Epo und Wachstumshormonen versorgt worden sei. Matschiner, der als Freund des in Untersuchungshaft sitzenden Skitrainers Walter Mayer gilt, hatte die Vorwürfe gegen seine Person zurückgewiesen. "Ich kann das nur dementieren", hatte Matschiner gesagt.

Nach Informationen der Sonderkommission Doping im österreichischen Bundeskriminalamt (BKA) benutzen zurzeit Athleten aus der Alpenrepublik verbotene leistungssteigernde Mittel. "Wir wissen von einigen Profisportlern, dass sie gedopt an den Start gehen", sagte ein Ermittler der "Presse am Sonntag". Das BKA darf aber keine Namen nennen. Momentan fehle die gesetzliche Grundlage, mit der Nada zu kooperieren. Der Austausch von sensiblen Daten sei nur von Behörde zu Behörde möglich.

Österreichs Nada forderte eine bessere Zusammenarbeit mit den Behörden. "Eine bessere Kooperation wäre wünschenswert, um sicherzustellen, dass der Anti-Doping-Kampf kein Lippenbekenntnis bleibt", sagte der Vorsitzende der Nada-Rechtskommission, Gernot Schaar.

fpf/sid/dpa

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