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01.05.2009
 

Basketball Final Four

Münzverbot im Schlüsselspiel

Von Sascha Klettke

Millionenschwere Stars, horrende Eintrittspreise und Angst vor Hooligan-Krawallen - da kann es doch eigentlich nur um Fußball gehen. Doch weit gefehlt: Am Wochenende wird in Berlin um den Meistertitel der Basketball-Europaliga gespielt - mit ungewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen.

Berlin - Der 1. Mai in Berlin - die Haupstadt im jährlichen Ausnahmezustand. In Kreuzberg werden wieder Krawalle erwartet. Doch die Polizei muss in diesem Jahr auch auf die andere Seite der Spree gucken - zur Arena am Ostbahnhof. Dort wird zwar nur Basketball gespielt wird, aber die Halle wird zum Hochsicherheitstrakt. Zwei Stunden vor den Spielen sollen die Fans da sein, damit sie es rechtzeitig durch die Sicherheitskontrollen schaffen.

Ex-NBA-Spieler Navarro: Von den Memphis Grizzlies zurück nach Barcelona
AFP

Ex-NBA-Spieler Navarro: Von den Memphis Grizzlies zurück nach Barcelona

Der Grund für die Aufregung: Das Final Four der Euroleague. Die Namen der vier Mannschaften kennt auch jeder Fußballfan: FC Barcelona, ZSKA Moskau, Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus. Und durch das Duell der beiden griechischen Clubs im zweiten Halbfinale am Freitagabend um 21 Uhr bekommt das Turnier seine besondere Brisanz. Deren Fans sind verfeindet bis auf das Blut. Zuhause in Griechenland müssen bei den Derbys die gegnerischen Fans draußen bleiben. Das gilt nicht nur für Fußball und Basketball: 2007 starb ein Fan am Rande eines Spiel zwischen Panathinaikos und Olympiakos - auf dem Programm stand Damen-Volleyball.

Die Berliner Organisatoren sind bei den Sicherheitsvorkehrungen auf ungewöhnliche Ideen gekommen: Es ist verboten, Münzen und Schlüssel mit in die Halle zu bringen. Für die Schlüssel wird vor der Halle eine Garderobe eingerichtet.

Das Hartgeldverbot sei in Griechenland üblich, erklärte Pressesprecher Moritz Hillebrand vom Arena-Betreiber Anschutz Entertainment Group (AEG) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Münzen sind in einigen Mittelmeer-Ländern beliebte Wurfgeschosse. Wer an der Sicherheitskontrolle der Arena noch Kleingeld im Portemonnaie hat, soll es spenden: Für die Anti-Aids-Initiative von Nelson Mandela, die von der Euroleague unterstützt wird. Damit an den Imbissständen in der Halle kein Wechselgeld benötigt wird, sollen alle Preise durch glatte fünf Euro teilbar sein.

Eingang durch das Nottreppenhaus

Vor allem das Schlüsselverbot geht vielen Fans zu weit. "Wegen ein paar dutzend Hools werden tausende normale Fans schikaniert. Dafür habe ich wenig Verständnis", schreibt ein Nutzer im Fan-Forum "Schönen Dunk". "Die Sicherheit der Zuschauer ist unser wichtigstes Ziel", verteidigt Anschutz-Sprecher Hillebrand den Aufwand, "wir wollen erreichen, dass es in der Arena nur sportliche Auseinandersetzungen auf dem Parkett gibt."

Auch die Abläufe in der Halle, die eigentlich gar nicht auf die Trennung verfeindeter Fanlager eingerichtet ist, wurden deshalb neu organisiert. "Die Fan-Gruppen sollen in der Halle nicht aufeinander treffen", sagte Hillebrand. So wird nun improvisiert: Statt durch den verglasten Haupteingang soll jede Anhängerschar der Risikoclubs die Arena über eins der vier Nottreppenhäuser betreten. Auch der eigentlich durchgängige Umlauf mit den Imbissständen wird unterteilt.

Der Sportsoziologe und Basketballexperte Silvester Stahl von der Uni Potsdam geht davon aus, dass es in der Halle sogar gelingen könnte, Gewalt zwischen den Fans zu verhindern. "Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es auf der Straße oder in der S-Bahn gar nicht zu Schlägereien kommt", sagte Stahl SPIEGEL ONLINE. Er war 2007 Augenzeuge als sich Panathanikos-Fans nach dem Final Four in Athen eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten - und das ohne die Beteiligung des Erzrivalen Olympiakos.

Es dürfte für die Polizei nur schwer abzuschätzen sein, wie viele der erwarteten drei- bis viertausend Fans aus Griechenland gewaltbereit sind - und ob die Krawall-Touristen nach Spielende ins Nahe Kreuzberg weiterziehen wollen, um bei der traditionellen Randale zum 1. Mai mitzumischen.

Die Fans, die in der Halle sein werden, haben sich das einiges kosten lassen. Karten direkt am Spielfeldrand wurden für 1200 Euro angeboten. Bei diesen Eintrittspreisen hoffen die Zuschauer auf echte Spitzenspiele. Die Trainer der teilnehmenden Clubs sprechen vom "besten Final Four seit vielen Jahren".

"Sie haben recht", sagt Marco Baldi, Manager von Alba Berlin, dem amtierenden deutschen Basketball-Meister. Sein Verein war als Außenseiter in die Runde der besten 16 eingezogen - dort war dann erwartungsgemäß Schluss. Für das Aus der Berliner sorgten unter anderem zwei Niederlagen gegen den Halbfinalisten FC Barcelona.

"Es gibt im Final Four keinen Außenseiter, bei dem der Sieg eine Überraschung wäre", sagte Baldi SPIEGEL ONLINE. Die vier Clubs seien auf Augenhöhe - sportlich und wirtschaftlich. Alle Final Four-Teilnehmer haben einen Jahresetat von mehr als 35 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Budget von Alba Berlin wird auf 7,5 Millionen geschätzt.

So sorgte Olympiakos Piräus im Sommer mit einem spektakulären Transfer für Schlagzeilen: Sie lockten den NBA-Spieler Josh Childress nach Griechenland - mit einem Drei-Jahres-Vertrag über 22 Millionen Dollar. Es war wohl das erste Mal, dass ein US-Amerikaner mitten in seiner NBA-Karriere nach Europa wechselte.

Auch einige Spieler der anderen Clubs haben Erfahrungen in der stärksten Basketball-Liga der Welt gesammelt, entschieden sich dann aber für den zweitstärksten Wettbewerb in der europäischen Heimat: Carlos Navarro kehrte nach einem Ausflug zu den Memphis Grizzlies nach Barcelona zurück. Pass-Virtuose Sarunas Jasikevicius wurde bei den Indiana Pacers und den Golden State Warriors nicht glücklich - jetzt spielt er seit zwei Jahren bei Panathinaikos.

Der russische Nationalspieler Viktor Khryapa wechselte mitten in der vergangen Saison zu ZSKA, aus Frust über die wenige Spielzeit, die er bei den Chicago Bull bekommen hatte. Mit dem Moskauer Armeesport-Verein wurde Khryapa dann nach wenigen Monaten russischer Meister und Europaliga-Sieger.

Um diesen Erfolg zu wiederholen, müssen er und seine Mannschaftskollegen erstmal das Halbfinale gegen Barcelona überstehen. "Das Team von Barcelona ist auf allen Positionen beeindruckend besetzt", sieht Alba-Manager Baldi die Spanier zumindest körperlich im Vorteil. Doch die Mannschaft habe den Ruf, in Drucksituationen ins unsicher zu werden.

Der Sieger der Partie Moskau gegen Barcelona tritt am Sonntag um 20 Uhr im Finale gegen den Gewinner des Griechen-Duells an. Das Spiel wird in 170 Ländern übertragen, in Deutschland bei Eurosport. Und wenn beim griechischen Duell am Freitag alles gut geht, dann stehen beim Finale die Spieler hoffentlich mehr im Rampenlicht, als die uniformierten Sicherheitskräfte.

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