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04.05.2009
 

Euroleague-Finale

Ein Held wird zum Verlierer

Von Sascha Klettke

Spektakulärer Basketballkrimi in Berlin: Eine Halbzeit lang dominierte Panathinaikos Athen den Titelverteidiger ZSKA Moskau - doch nach der Pause kämpften sich die Russen zurück. Der letzte Wurf in der Schlusssekunde entschied Europas Meisterschaft.

Die Uhr läuft. Nur noch drei Sekunden sind im Europaliga-Finale zu spielen. Ramunas Siskauskas dribbelt mit dem Ball an der Dreipunktlinie. Die Entscheidung über Sieg und Niederlage liegt in seiner Hand: Sein Team, ZSKA Moskau, liegt 71:73 gegen Panathinaikos Athen zurück. Wenn der Litauer einen Zwei-Punkte-Wurf trifft geht das Endspiel in der Arena am Berliner Ostbahnhof in die Verlängerung, ein Dreier würde den Sieg bringen. Der 31-Jährige geht einen Schritt hinter die Linie und wirft. Mit der Schlusssirene springt der Ball auf den Ring und dann weit weg vom Korb.

ZSKA-Star Siskauskas (r.) und Athens Diamantidis: Intensives Duell
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Getty Images

ZSKA-Star Siskauskas (r.) und Athens Diamantidis: Intensives Duell

Riesiger Jubel in der Halle. Der grüne Panathinaikos-Fanblock war der größte und der ausdauerndste des Final-Four-Turniers. Jetzt feiern Spieler und Zuschauer ausgelassen den Doppelsieg: Das Team hat die Euroleague gewonnen, die nach der NBA wichtigste Basketball-Liga der Welt, und die Fans haben im Stimmungsduell gegen den Rivalen Olympiakos Piräus die Oberhand behalten.

Das Halbfinal-Duell der griechischen Teams hatte die Vorbereitungen des Final Four überschattet. Die Organisatoren dachten sich ungewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen aus: Kleingeld und Schlüssel waren in der Arena verboten. Als das Turnier begann, blieb die befürchtete Gewalt aus - die sorgsam getrennten Fangruppen versuchten sich nur mit ihren Schmähgesängen zu übertrumpfen.

Die griechischen Fans übertönten auch die Anhänger von ZSKA Moskau und dem FC Barcelona im ersten Halbfinale am Freitag. Es war das Spiel des Ramunas Siskauskas. Mit 29 Punkten, davon 18 im letzten Viertel, war er der entscheidende Faktor für den Moskauer 82:78-Sieg. Die beliebteste Journalistenfrage in den Pressekonferenzen nach dem Spiel: "Wie großartig fanden sie die Leistung von Siskauskas?"

"Am Ende stehen Messina und Obradovic im Finale"

Kein Wunder also, dass Moskaus Trainer Ettore Messina ihm in den letzten Sekunden des Finales den Ball in die Hand geben ließ. Messina ist einer der besten Basketballtrainer Europas, vielleicht sogar der Welt. Messina hat die italienische Nationalmannschaft in ein EM-Finale geführt und ist vierfacher Euroleague-Champion. Seit er 2005 ZSKA-Trainer wurde, ist er jedes Jahr in das Finale der europäischen Spitzenliga eingezogen.

Vor zwei Jahren hieß der Gegner schon einmal Panathinaikos. Das Team von Trainer Zeljko Obradovic, wie Messina ein absoluter Top-Mann (sechs Erfolge in der Euroleague zudem mit Serbien Welt- und Europameister), gewann damals in Athen 93:91. Zur Siegermannschaft gehörte auch Small Forward Siskauskas, der jetzt in Moskau spielt.

"24 Teams treten zu Saisonbeginn an - und am Ende stehen Messina und Obradovic im Finale." So fasste ein griechischer Journalist die Europaliga zusammen. 19-mal haben Teams der beiden Trainer insgesamt schon gegeneinander gespielt, elfmal gewann Obradovic. Messina erzählte am Samstag, wie seine Frau auf die Finalpaarung reagiert hatte: "Oh, wir sind in Schwierigkeiten."

Moskauer Aufholjagd

In den ersten Minuten der Partie sah es so aus, als hätte Frau Messina sich geirrt: ZSKA startete gut in die Partie, nach drei Minuten lag das Team ihres Mannes 8:4 in Führung. Doch nach sechs Minuten hatte Panathinaikos ausgeglichen, nach zehn führte die Mannschaft von Obradovic 21:16. Halbfinal-Held Siskauskas gelang bis dahin kein einziger Korb, zwei Versuche aus dem Feld und zwei Freiwürfe gingen daneben.

Das zweite Viertel war eine einseitige Basketball-Demonstration: Panathinaikos spielte sich in einen Rausch. Gewagte Pässe knapp über die Köpfe der Moskauer Verteidiger hinweg fanden immer wieder sicher ihr Ziel. Egal wer von den Athenern auf den Korb warf, fast alle trafen überdurchschnittlich gut. Acht Dreipunktewürfe versenkte Panathinaikos in der ersten Hälfte, bei Moskau ging nicht einer der sechs Versuche in den Korb. Erst nach 18 Minuten machte Siskauskas seine ersten Punkte. Zur Halbzeit stand es 48:28, obwohl alle Experten ein enges Spiel vorausgesagt hatten.

Sie sollten recht behalten: Ein paar Minuten dauerte es noch nach der Pause, doch dann begann Moskau mit der Aufholjagd. Zwei Treffer in Folge von Trajan Langdon, darunter der erste erfolgreiche Dreier für ZSKA, leiteten einen 17:0-Lauf ein. Jetzt traf Panathinaikos den Korb nicht mehr - auch weil Moskau nun wesentlich leidenschaftlicher verteidigte. Nach 30 Minuten hatten die Russen den Rückstand halbiert. Die stakkatoartigen ZSKA-Rufe der Moskauer Fans waren nun erstmals lauter als die melodischen Dauergesänge der Athener.

Im letzten Viertel kommt Messinas Team weiter heran. 40 Sekunden vor Schluss führt Athen nur noch mit vier Punkten, 70:66 stand auf der Anzeigetafel. Ein Schiedsrichter wischt sich gleich zweimal den Schweiß von der Stirn, bevor er nach einer Auszeit die Partie wieder anpfeift. Zwei Freiwürfe vom Moskauer Spieler Wiktor Khryapa, früher in der NBA aktiv, verfehlen den Korb, doch Athen kann das nicht nutzen. Siskauskas wirft von außen - Treffer. 70:69, 28 Sekunden vor dem Ende.

Nun beginnt das Nervenduell. Die Trainerfüchse nehmen Auszeiten und reden auf ihre Spieler ein. Die folgenden Angriffe enden an der Freiwurflinie: Dimitris Diamantidis trifft zwei für Athen, Siskauskas macht seine Punkte 12 und 13. Moskau foult Sarunas Jasikevicius, der Aufbauspieler von Panathinaikos verwandelt einen von zwei Freiwürfen - zwei Punkte Vorsprung für Athen. Fünf Sekunden noch, Trainer Messina ruft seine Mannschaft ein letztes Mal zusammen.

Dann läuft die Uhr wieder, Ramunas Siskauskas bekommt den Ball, dribbelt - und wirft. "Ich glaube, das war kein schlechter Wurf", sagt er nach der Partie, "ich habe ihn einfach nicht getroffen - das passiert eben im Spiel."

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