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15.06.2009
 

BBL-Finale

Emotion bezwingt Coolness

Von Sascha Klettke, Oldenburg

Kurz war die Pause - wach das Team: Bonn hat die erste Finalpartie um die Deutsche Basketball-Meisterschaft gewonnen. Gastgeber Oldenburg, eigentlich ausgeruhter, wollte den Rivalen überlegt ausspielen - unterlag aber der gegnerischen Leidenschaft.

3100 Oldenburger wollten ihren Basketball-Traum feiern - beim ersten Finalspiel der Vereinsgeschichte. Zu Gast waren die Telekom Baskets aus Bonn, Bezwinger von Titelverteidiger Alba Berlin. Und zur Pause hatte in der ausverkauften Halle bei acht Punkten Vorsprung noch Optimismus geherrscht, auch bei Oldenburgs Geschäftsführer Hermann Schüller: "Ich glaube, dass bei Bonn am Schluss die Kraft nachlässt."

Oldenburgs Boumtje Boumtje, Bonner Bowler (r.): Auswärtssieg zum AuftaktZur Großansicht
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Oldenburgs Boumtje Boumtje, Bonner Bowler (r.): Auswärtssieg zum Auftakt

Am Ende jedoch stand die Heimniederlage in Spiel eins der Finalserie der Basketball-Bundesliga - und die Enttäuschung bei den heimischen Fans. Wieder einmal hatten die Telekom Baskets mit einer Energieleistung Gegner und Zuschauer überrascht. Mit aggressiver Verteidigung und unkonventionellen Angriffen gelang es dem Team von Trainer Michael Koch, die Partie zu drehen. Bonn siegte 74:72.

So konnte Koch nach der Partie entspannt die Fragen der Journalisten beantworten. Woher nimmt sein Team die Kraft? Hatte es doch zuletzt Donnerstagabend gegen Berlin gespielt, sich erst in Partie fünf gegen Alba durchgesetzt. Dagegen hatten die Oldenburger eine Woche frei - weil sie das Halbfinale gegen Bamberg mit drei Siegen in Folge schnell für sich entschieden. Und doch wirkte Bonn wacher: Schneller im Kopf und auf den Beinen. "Ich habe den Jungs gesagt, das Wort Müdigkeit gibt es bei uns nicht", sagt Koch und lächelte. "Ist ja immer die Frage, ob so etwas hilft. Aber ich finde, das sah heute ganz gut aus."

Mit Bonn und Oldenburg stehen zwei Clubs im Finale, die sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt an die Spitze der Basketball-Bundesliga vorgearbeitet haben - sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Beide spielen in modernen Hallen, die Bonner sogar in ihrer eigenen. Beide setzen in der Vereinsführung schon lange auf Kontinuität und zunehmend bleiben auch die Spieler länger als nur für eine Saison. Für beide Vereine wäre die Meisterschaft ein großer Schritt: Denn wer den Titel gewinnt, darf in der kommenden Saison in der Euroleague antreten - nach der NBA die zweitbeste Basketball-Liga der Welt. Dort warten Clubs mit klangvollen Namen: der FC Barcelona, Panathinaikos Athen oder ZSKA Moskau.

Oldenburg und Bonn wären krasser Außenseiter, viele Gegner hätten den zehnfachen Etat. Und beide Clubs müssten sich anstrengen, um die Auflagen der Europaliga zu erfüllen: Oldenburg müsste die benachbarte Weser-Ems-Halle für Basketball-Spiele herrichten, weil die EWE-Arena zu klein ist für die vorgeschriebenen 5000 Sitzplätze. Bonn müsste Stehplatzblöcke zu Sitzplätzen umfunktionieren und unter anderem in neue Werbebanden investieren.

Basketball-Glossar

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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der 1 spielt der Point Guard (Aufbau). Die 2 hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Spieler, die auf der 1 oder 2 eingesetzt werden können, heißen "Combo Guards". Die 3 ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die die 2 oder 3 bekleiden können, werden als "Swingmen" bezeichnet. Die 4 ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der 5 spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen 1 und 2 bilden den Backcourt, 3 bis 5 sind der Frontcourt.
Ähnliche infrastrukturelle Voraussetzungen also für beide Clubs. Was sie aber unterscheidet, ist der sportliche Ansatz der Trainer und das Auftreten auf dem Feld: Während Oldenburgs Coach Pedrag Krunic eher kontrolliert spielen lässt und meist nur seinen sieben besten Männern Spielzeit gibt, schickt der Bonner Koch schon früh seine Bankspieler auf das Feld und erlaubt seinem Team auch riskante Würfe. Oldenburgs Geschäftsführer Schüller hatte vor dem ersten Spiel sein Team dadurch im Vorteil gesehen. "Unsere Spieler sind einen Tick abgeklärter und reifer, sie nehmen in der entscheidenden Phase die richtigen Würfe und treffen die richtigen Entscheidungen", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Gleichwohl wissend, dass die Coolness der Oldenburger vielleicht nicht reichen würde. Er warnte vor den Wellenbewegungen des Bonner Spiels: "Wir dürfen sie nicht nach oben kommen lassen", so Schüller. Wenn sie einen Lauf haben, dann sind die Bonner nur schwer zu stoppen. Tragen ihre Emotionen sie nicht, dann können sie auch in einem tiefen Tal landen. Wie im dritten Spiel gegen Berlin als die Telekom Baskets gerade einmal 39 Punkte erzielten.

Michael Koch hat seinen Spielern das Gegenteil von Coolness verordnet. Er selbst spricht davon, dass er sie "heiß macht". Und das sah man auf dem Feld: Aufbauspieler Johannes Strasser verteidigte seinen Oldenburger Gegenüber Jason Gardner mit unbändiger Energie über das ganze Feld, so dass der wertvollste Spieler der Liga (MVP) im Angriff nur drei seiner dreizehn Wurfversuche traf. Und auch im Angriff zeigte sich Bonn stark: Brandon Bowman machte insgesamt 26 Punkte, Center Ken Johnson stieg immer wieder mehrere Meter entfernt vom Korb erfolgreich zum Sprungwurf hoch - viele andere Trainer würden ihm das verbieten, weil lange Spieler von außen oft nicht sicher treffen.

Am Donnerstag können die Oldenburger das nächste Mal ausprobieren, ob ihr Finalgegner sich auf seiner Erfolgswelle gerade auf- oder abwärts bewegt. Dann müssen die EWE Baskets vor den Bonner Fans antreten, die wahrscheinlich sogar noch euphorischer sind als die Oldenburger. Schließlich hatten sie ihr Team nach dem Partie vier gegen Berlin bereits am Abgrund gesehen - und dann schafften die Spieler in Berlin den schon für unmöglich gehaltenen Einzug ins Finale.

Wenn sie jetzt auch noch die Meisterschaft gewinnen, dann wäre das für Bonn das Ende eines jahrelangen Alptraums: Fünf Mal war der Club schon Vizemeister. Beim sechsten Versuch könnte es klappen - wenn die Coolness am Ende nicht doch noch siegt.

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