Hamburg - Das gab es zuletzt vor 13 Jahren: Thomas Haas und Sabine Lisicki haben sich in Wimbledon auf die Spuren von Alexander Radulescu und Steffi Graf begeben. Zum ersten Mal seit 1996 stehen eine deutsche Tennis-Spielerin und ein deutscher Spieler gleichzeitig im Viertelfinale bei den All England Championships.
Haas setzte sich 7:6, (10:8), 6:4, 6:4 gegen den Russen Igor Andreev durch, bevor Lisicki auf demselben Platz mit einer ebenso starken Leistung 6:4, 6:4 über Caroline Wozniacki aus Dänemark triumphierte.
Der 31 Jahre alte Haas ließ sich an der Church Road auch von Andreev nicht stoppen und steht nun erstmals in seiner Karriere im Viertelfinale von Wimbledon. "Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass ich es in meinem hohen Alter noch geschafft habe, hier in den elitären 'Last Eight Club' vorzustoßen", sagte Haas. "Das ist ein ganz tolles Gefühl."
Der Deutsche schlug über das gesamte Match hindurch erstklassig auf, Andreev servierte ebenfalls stark. So musste im ersten Satz der Tie-Break entscheiden. Dort nutzte Haas drei Satzbälle zunächst nicht, wehrte dann einen von Andreev ab, bevor er seinen vierten etwas glücklich mit einem Netzroller verwandelte. Auch im zweiten und dritten Satz bot sich ein ähnliches Bild. Beide Spieler schlugen gut auf und erlaubten dem Gegner nur wenige Chancen. Haas wirkte dabei aber immer einen Tick gefährlicher und übernahm eher die Initiative. Er rückte auch ab und zu ans Netz vor, während sich Andreev fast ausschließlich auf seine Vorhand von der Grundlinie verließ.
Jeweils ein Break zum 4:3 brachte in beiden Sätzen letztlich die Entscheidung für den Deutschen. Haas steht damit zum siebten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier im Viertelfinale. Bislang konnte er dreimal das Halbfinale erreichen und stand dreimal im Viertelfinale der US Open. In Wimbledon war er zuvor bei zehn Teilnahmen lediglich 2007 unter die letzten 16 vorgedrungen, konnte damals zum Achtelfinal-Match gegen Roger Federer wegen einer Bauchmuskelzerrung aber nicht antreten.
Haas verwandelte den Matchball nach 2:12 Stunden Spielzeit. "Das ist verrückt, ich hätte mir vor ein paar Monaten nie vorstellen können, dass ich hier soweit komme", sagte er, "das bedeutet mir sehr viel." Sein Gegner in der Runde der letzten Acht am Mittwoch ist nun der Weltranglisten-Vierte Novak Djokovic aus Serbien, den er vor gut zwei Wochen im Endspiel des Rasenturniers in Halle/Westfalen bezwungen hatte. Djokovic setzte sich im Achtelfinale 6:2, 6:4, 6:1 gegen den Israeli Dudi Sela durch.
Auch Lisicki schloss an ihre starken Leistungen vom Samstag an, als sie die French-Open-Siegerin Swetlana Kusnezowa ausschaltete. Gegen die Weltranglisten-Neunte Wozniacki hatte sie bereits im April im Endspiel bei ihrem bislang einzigen Turniersieg in Charleston gewonnen, daher ging sie mit entsprechendem Selbstvertrauen in die Partie. "Ich weiß, dass ich gegen die Top-Spielerinnen gewinnen kann", sagte die zur Zeit nur auf Platz 41 im WTA-Ranking notierte Berlinerin.
Ihre nächste Gegnerin ist die Weltranglisten-Erste Dinara Safina aus Russland, die gegen die Französin Amelie Mauresmo 4:6, 6:3, 6:4 gewann. "Auch das kann sie schaffen", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Lisicki überzeugte gegen Wozniacki vor allem mit starken Aufschlagsspielen. Im ersten Satz gelang der 19-Jährigen zum Stand von 3:2 das erste Break, das sie zum Satzgewinn durchbrachte. Auch im zweiten Durchgang ging sie gleich 2:0 in Führung und wehrte die Angriffe der ein Jahr jüngeren Wozniacki ab. Nach 79 Minuten hatte Lisicki die Partie gewonnen. "Sabine war die Bessere, als es darauf ankam", sagte Rittner.
Titelverteidigerin Venus Williams aus den USA, auf die Lisicki im Halbfinale treffen könnte, hatte als erste Spielerin das Viertelfinale erreicht. Die 29-Jährige setzte sich 6:1, 0:1 gegen die Serbin Ana Ivanovic durch, die die Partie im zweiten Satz unter Tränen - offenbar wegen einer Hüftverletzung - aufgab. Bei den Männern hat Roger Federer das Viertelfinale erreicht. Der Schweizer bezwang in einer Neuauflage des Endspiels der French-Open den Schweden Robin Söderling 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5).
jok/wit/sid/dpa
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