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19.07.2009
 

Deutsche Tour-Fans

Generation Jan Ullrich

Von Christian Gödecke, Verbier

Während die Frankreich-Rundfahrt seit Jahren von Doping-Schlagzeilen beherrscht wird, sind die deutschen Rad-Fans des Themas müde. Die Anhänger pilgern wegen des Sports und der Stimmung in die Alpen - Jan Ullrich löst bei ihnen Phantomschmerzen aus.

Wer wissen will, was aus der Tour de France geworden ist, kann den Skeptiker fragen, und der Skeptiker würde antworten: Die Tour de France stinkt. Nach Doping. Doping wäre demnach wie Qualm und die Tour ein Raucherzimmer. Es müffelt, auch wenn der Veranstalter gerade die Fenster weit aufgerissen hat und Duftspray verteilt.

Tour-Fans Klingner (r.) und Thomas: "Es passt alles"
SPIEGEL ONLINE

Tour-Fans Klingner (r.) und Thomas: "Es passt alles"

Man kann auch Ronald Klingner fragen. Er sitzt unten am Anstieg nach Verbier auf einem Campingplatz, vor sich den Frühstückstisch und neben sich seinen besten Freund Ralf Thomas. Hunderte Wohnwagen stehen hier, Wohnwagen von Radsportfans aus Norwegen, Frankreich, Italien. Und aus Sachsen, Deutschland. Ronald Klingner sagt: "Ich habe mit dem Thema Doping abgeschlossen."

Er wäre demnach jemand, der sich die Nase zuhält.

Es gibt viele Deutsche bei dieser Tour, die denken wie Ronald Klingner, 36, aus Sachsen. Sie stehen in Besançon auf der Tribüne im Ziel oder in Tarbes auf einem Parkplatz und schütteln beim Thema Doping mit dem Kopf. Stattdessen hört man Worte wie die eines älteren Herrn in Barcelona, der sagt, dass doch alle "voll" seien. Alle! Dann schwenkt er seine deutsche Fahne.

Festina, Landis, Rasmussen, Winokurow - immer schlimmer und dreckiger wurde es in den vergangenen Jahren. Die Tour, ein Sumpf. Die Tour, am Ende? Doch während die Doping-Berichterstattung in den Medien alles Sportliche verdrängte, erschöpfte sich bei den Konsumenten das Bestürzungspotential. Die Fans wirken stattdessen wie Trümmerfrauen nach dem Krieg. Den Blick nach vorn, des Themas müde.

"Die Tour ist ein Happening, es passt alles. Menschen, Sonne, Stimmung. Und Radsport", sagt Klingner. Es ist seine achte Tour de France, "einmal waren wir in den Pyrenäen, sonst immer in den Alpen". Zum ersten Mal war er 1998 dabei, er gehöre zur "Generation Jan Ullrich". In Le Creusot sah er das Zeitfahren des Deutschen, in dem dieser dem späteren Sieger Marco Pantani fast drei Minuten abnahm. "Mein Jan Ullrich", sagt Klingner und lächelt.

Für fast ein Jahrzehnt waren deutsche Radsportanhänger auch Jünger des Mannes aus Scherzingen, dessen Name später Blutbeuteln im Lager des Dopingarztes Eufemiano Fuentes zugeordnet wurde. Doch während Ullrich, Toursieger 1997, in der Radsport-Berichterstattung nur noch als persona non grata vorkommt, löst er bei den Fans Wehmut aus. Und Phantomschmerzen.

Als Ullrich am 30. Juni 2006 kurz vor Tourstart ausgeschlossen wurde, saß Ronald Klingner im Berliner Olympiastadion beim Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland gegen Argentinien. "Da ist für mich schon eine kleine Welt zusammengebrochen", sagt er. Zur Tour fuhr er trotzdem. Es sei merkwürdig gewesen, sagt Klingner, "wenn man am Berg auf jemanden wartet, der dann nicht kommt". Seither hofft er auf Andreas Klöden.

Es ist heiß in Martigny, 20 Kilometer vor dem Ziel oben in Verbier. In sechs Stunden werden hier Klöden, Lance Armstrong und Alberto Contador vorbeifahren, aber Klingner und Thomas sind dann nicht mehr da. Sie fahren nach dem Frühstück den Schlussanstieg selbst hoch - gedopt. Am Abend zuvor haben sie ein Weizenbier getrunken. Jetzt das Frühstück, dann steigen sie aufs Rad. Sie werden leiden, aber sie haben hart trainiert. Thomas seit dem Frühjahr 1000 Kilometer, Klingner jeden Tag 60.

Vielleicht kann man wirklich nur verstehen, was in den Köpfen der Radprofis vorgeht, wenn man selber mal Serpentinen nach oben gefahren ist auf dem Rad. Klingner ist Ausdauersportler, er will im Herbst einen Marathon laufen. Sport ist für ihn vor allem ein Kampf gegen sich selbst, er und Thomas sind schon mit dem Rad durch die Karpaten gefahren und von Neapel nach Palermo. In diesen zwei Wochen wollen sie neben dem Anstieg nach Verbier auch noch den St. Bernard und dann den Mont Ventoux bezwingen. Dort wird am vorletzten Tag der Tour die Entscheidung über die Sieger fallen.

Der Mont Ventoux ist ein Riese, ein mythischer Anstieg, an dem schon viele Profis verzweifelt sind. Vielleicht wird es deshalb bei den beiden auch ein Weizenbier mehr.

Klingner glaubt nicht an den sauberen Radsport und er verurteilt Doping. Aber er hofft immer noch, dass am Ende eigentlich alle gern sauber nach oben fahren wollen, aber nicht können. "Das Problem ist doch, dass wahrscheinlich alle was nehmen. Oder genommen haben, Ullrich auch", sagt er. Die Profis hätten das ganze Leben für das Ziel Toursieg trainiert, und dann stellen sie fest: sie können das Ziel nicht ohne Doping erreichen, "weil es doch jeder rechts und links von mir tut".

Diese Sicht auf die Dinge hat den Vorteil, dass einen immer neue Enthüllungen nicht enttäuschen können, sondern bestätigen. Und die Duelle bei der Tour werden plötzlich wieder zu welchen mit gleichen Waffen.

Doch selbst für Klingner und Thomas gibt es noch außergewöhnliche Ausreißer nach oben. 2006 standen sie am Col de la Colombière, als der US-Amerikaner Floyd Landis das Tourfeld auseinandernahm. Einen Tag, nachdem er komplett eingebrochen war. "Erst war er kaputt, und dann fährt er dort mit sieben oder acht Minuten Vorsprung hoch. Der war topfit", sagt Ralf Thomas. Er scheint sich immer noch zu wundern.

Die beiden müssen jetzt gleich los, der Anstieg nach Verbier wartet. 8,8 Kilometer, durchschnittlich 7,5 Prozent Steigung. Es sei schon eine große Leistung, nach 200 Kilometern in den Beinen solch einen Schlussanstieg noch hochzuklettern, sagt Ronald Klingner. Dann erzählt er noch die Geschichte eines Jedermannrennens von 60-Jährigen. Dort hätten sie am Ende bei den ersten drei der Etappe eine Dopingprobe gemacht. "Und natürlich war der Erste gedopt." Klingner lächelt. Der ältere Herr sei sicher kein schlechter Radfahrer gewesen.

"Aber er wollte gewinnen."

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Ein Mittelchen ist sogar schon seit vielen Jahren in Gebrauch und fördert die Regenerationsfähigkeit von Ausdauersportler, heißt mit Namen "Geref" und ist lt. Bernhard Kohl bereits seit vielen Jahren im Profiradsport [...] mehr...

29.07.2009 von Pinarello:

Tja, alte Telekom und Erik Zabel Schule, schließlich ist Rolf Aldag sportlicher Leiter bei Columbia, der weiß wie man einen Topsprinter richtig zum Sieg bringt, hat er ja selber viele viele Jahre gemacht. mehr...

29.07.2009 von sifro: TdF

Ich dachte, es geht hier um die Tour 2009 und nicht um irgendwelche "nichtgedopten" Schwimmer. mehr...

29.07.2009 von CaptainSubtext:

jaja. Wer hätte gedacht, dass die "Neger von der Insel" auf einmal und plötzlich in Peking Weltrekorde laufen können, wo doch der 100m-Weltrekord seit 2005 von einem Jamaikaner gehalten wird und sie schon in den 70ern [...] mehr...

29.07.2009 von Voll Mann:

Bevor wir hier alle in der Affäre "Mülleimer untergehen" Der Sprint beim Zieleinlauf in Paris war ja wohl der Hammer. Wie Columbia den Sprint angeführt hat und in den letzten beiden Kurven Hushovd kalt gestellt haben [...] mehr...

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