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25.07.2009
 

Tour-Sieger Contador

Gelb mit Schatten

Aus Paris berichtet Christian Gödecke

Selten hat ein Fahrer die Tour so beherrscht wie Alberto Contador: Der Spanier dominierte sowohl in den Bergen als auch im Zeitfahren. Das erinnerte an Lance Armstrong - doch selbst der Amerikaner ist verwundert. Contador wurde nicht positiv getestet, wissenschaftlich wirft seine Leistung aber Fragen auf.

Danilo di Luca und Alberto Contador haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Beide sind zwar Leichtgewichte, dünne Männchen. Prädestiniert für die Berge, Kletterer. Aber di Luca ist 33, Contador 26. Der eine ist Italiener, der andere Spanier. Di Luca, Giro-Zweiter 2009, wurde gerade positiv auf Cera getestet. Von Contador gibt es aktuell nichts dergleichen.

Doch als Contador, Kapitän des Astana-Teams, in gelbem Hemd und gelbem Helm über die Ziellinie in Annecy fuhr, da wurden Erinnerungen wach an di Lucas Auftritt in Rom am 31. Mai 2009. Der Italiener war plötzlich vom herausragenden Bergfahrer auch noch zu einem guten Zeitfahrer geworden - und hatte beim Einzelzeitfahren zum Abschluss des Giro die deutlich höher eingeschätzten Levi Leipheimer und Michael Rogers hinter sich gelassen.

Eine derartige Entwicklung hat auch Alberto Contador vollzogen, in noch beeindruckenderem Ausmaß. In Annecy besiegte Contador nicht nur die Spezialisten Bradley Wiggins oder Sergej Ignatiew, er ließ auch den besten Zeitfahrer der Welt, Fabian Cancellara, hinter sich. Als Contador über die Ziellinie fuhr, war es im Pressezentrum des Hotels Imperial sehr lange sehr still. Weil auch andere in diesem Moment an di Luca dachten?

Passend zur verblüffenden Dominanz in der eigentlich artfremden Disziplin kamen Spekulationen auf, die bis weit nach dem Tourfinale am Sonntag anhalten dürften. Greg LeMond, dreimaliger Tour-Sieger aus den USA und Chefkritiker des dopingverseuchten Radsports, wies auf eine andere außergewöhnliche Leistung Contadors hin. Beim entscheidenden Antritt in Verbier habe der Spanier 1900 Höhenmeter in einer Stunde zurückgelegt, schrieb LeMond in der französischen Tageszeitung "Le Monde".

Ein Rekord - und jeder Radsportrekord ist in diesen Zeiten mit Makel behaftet. Zumal dann, wenn er die Leistungen anerkannter ehemaliger Dopinggrößen wie Marco Pantani (2004 tot in einem Hotelzimmer aufgefunden) in Alpe d'Huez in den Schatten stellt. Und zumal dann, wenn selbst Lance Armstrong, rekordgewohnter ehemaliger Tour-Dominator, verwundert ist. "Zu meinen besten Zeiten habe ich über 1700 geschafft. Aber Alberto schafft über 1800", sagte Armstrong eher ungläubig denn respektvoll.

Alberto Contador redet nicht gern, das hat er in den zurückliegenden drei Wochen oft genug gezeigt. Er will das Rad sprechen lassen. Deshalb war es nicht weiter verwunderlich, als der Spanier auf der obligatorischen Pressekonferenz in Annecy auf die Frage nach der Sauerstoffaufnahmefähigkeit seines Blutes lediglich "nächste Frage" sagte. Doch es wurde nachgehakt, und Contador wurde immer dünnhäutiger, bis er irgendwann aufstand und ging.

Contador werden LeMonds Zeilen nicht entgangen sein, zumal dieser auch noch den französischen Leistungsdiagnostiker Antoine Vayer herangezogen hatte. Laut Vayer, früher Trainer des Festina-Rennstalls, müsste Contador für seine Leistung in Verbiers einen VO2max-Wert (der die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes angibt) von 99,5 ml/mn/kg gehabt haben.

"Meines Wissens ist das ein Wert, der zuvor niemals von irgendeinem Athleten in irgendeiner Sportart erreicht wurde", erklärte LeMond - das sei vergleichbar mit einem Mercedes aus dem Autohaus, "der an einem Formel-1-Rennen teilnehmen und gewinnen würde". Weil das ausgeschlossen ist, darf man die Frage, die der US-Amerikaner dann nachschob, durchaus rhetorisch nennen: Sei es wirklich möglich, eine solche Leistung an der frischen Luft zu erreichen?

Contador sagt, er habe einfach viel trainiert für das Zeitfahren.

Der Sportinformationsdienst hakte später beim Dopinganalytiker Wilhelm Schänzer nach. Dieser zeigte sich über den VO2max-Wert verblüfft: "Ich weiß, dass bei Spitzensportlern Werte zwischen 70 und 80 gemessen werden, in Ausnahmefällen auch über 90. Der Wert von Contador klingt natürlich gewaltig", sagte Schänzer. Man könne aber nicht so weit gehen zu sagen, dass das nur durch Doping zu erreichen ist. "Die Berechnung ist lediglich ein Modell."

Ein Modell zwar - aber es liefert Indizien, dass das Gelbe Trikot des Spaniers eins mit Schatten ist. Vayers Modell hat mittlerweile auch andere Experten zu Berechnungen animiert. So wird Contadors Aufstieg nach Verbiers auch von den Ärzten Ross Tucker und Jonathan Dugas analysiert.

Beide beschäftigen sich auf "sportsscientists.com" seit Jahren mit (vermeintlichen) sportlichen Höchstleistungen. Tucker kommt zum Schluss, dass die Zahlen aus Vayers Modell nicht ganz stimmen - es setze eine falsche Wattzahl voraus.

Außerdem tauge die Analyse eines einzigen Anstiegs nicht, um Rückschlüsse auf mögliches Doping zu ziehen. Dies könne man verlässlicher nur dann tun, wenn man alle Anstiege dieser Tour betrachte, neben Verbier zum Beispiel auch Arcalis, Col de la Colombière und den Col de Romme. Doping ermöglicht laut Physiologe Tucker nicht nur einzelne Top-Leistungen - sondern die Wiederholung derselben "durch den Einfluss auf die Erholungsphasen". Immerhin ist der von Tucker errechnete VO2max-Wert von 98,4 nur unwesentlich kleiner als der von Vayer.

Tuckers Fazit ist so unklar wie bezeichnend: "Wenn ich mir die ganze Analyse (von Contadors Leistung - d. Red.) anschaue, dann sehe ich viele 'Wenns' und 'Abers'. Etwas stimmt nicht - aber es ist noch nicht zu fassen."

Alberto Contador, der am Sonntag in Gelb über die Champs-Élysées fahren wird, ist noch nicht positiv getestet worden, er gilt - zu Recht - als unschuldig. Das unterscheidet ihn auch von Danilo di Luca. Von dem gibt es eine positive Dopingprobe. Allerdings wurde sie erst sechs Wochen nach Giro-Ende öffentlich.

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Ein Mittelchen ist sogar schon seit vielen Jahren in Gebrauch und fördert die Regenerationsfähigkeit von Ausdauersportler, heißt mit Namen "Geref" und ist lt. Bernhard Kohl bereits seit vielen Jahren im Profiradsport [...] mehr...

29.07.2009 von Pinarello:

Tja, alte Telekom und Erik Zabel Schule, schließlich ist Rolf Aldag sportlicher Leiter bei Columbia, der weiß wie man einen Topsprinter richtig zum Sieg bringt, hat er ja selber viele viele Jahre gemacht. mehr...

29.07.2009 von sifro: TdF

Ich dachte, es geht hier um die Tour 2009 und nicht um irgendwelche "nichtgedopten" Schwimmer. mehr...

29.07.2009 von CaptainSubtext:

jaja. Wer hätte gedacht, dass die "Neger von der Insel" auf einmal und plötzlich in Peking Weltrekorde laufen können, wo doch der 100m-Weltrekord seit 2005 von einem Jamaikaner gehalten wird und sie schon in den 70ern [...] mehr...

29.07.2009 von Voll Mann:

Bevor wir hier alle in der Affäre "Mülleimer untergehen" Der Sprint beim Zieleinlauf in Paris war ja wohl der Hammer. Wie Columbia den Sprint angeführt hat und in den letzten beiden Kurven Hushovd kalt gestellt haben [...] mehr...

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