Gegen Dänemarks Frauen zu spielen, war lange Jahre ein ziemlich freudloses Unterfangen, weil es einfach nichts zu gewinnen gab. Der klassische Spielverlauf war monoton, aber für die Liebhaber von "Danish Dynamite" immer wieder hinreißend: zurückliegen, am Abgrund balancieren, aber nicht verlieren.
Mitte der Neunziger lebte eine Mannschaft um den schrill-schrägen Weltstar Anja Andersen und den ebenso intellektuellen wie explosiven Trainer Ulrik Wilbek der kleinen Nation positive Arroganz und unerschütterliches Selbstbewusstsein vor.
Die dänischen Handballerinnen gewannen binnen 17 Monaten alle großen Titel: erst Olympisches Gold 1996 in Atlanta, dann die Europameisterschaft im eigenen Land und 1997 noch den WM-Titel in Deutschland. Andersen und Wilbek prägten Generationen.
Mit Enthusiasmus setzten sich die Frauen in Rot und Weiß gegen die südkoreanischen Perfektionistinnen durch, die 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona Gold geholt hatten. Anja Andersen, die damals wie Camilla Andersen vom Buxtehuder SV in der Bundesliga spielte (beim TuS Walle Bremen), war eine entscheidende Akteurin des Finals.
In der Schlusssekunde der regulären Spielzeit vergab sie den Gold-Siebenmeter, in der Verlängerung führte sie ihr Team schließlich zum zweiten Titel nach der EM 1994. Das 37:33 gegen Südkorea fesselte halb Dänemark vor den Fernseher. Südkoreas Trainer Hyung-Kyun Chung pries die Partie später als das "beste und schnellste Spiel", das er bis dahin gesehen habe.
Wenige Monate nach den Olympischen Spielern zelebrierten die Däninnen als Gastgeber unter gewaltigem öffentlichem Druck eine Heim-Europameisterschaft. Wilbeks Frauen wankten gelegentlich, stürzten jedoch nicht. Bei der unterlegenen Konkurrenz sorgte das zuweilen ob vermuteter Hilfe der Schiedsrichter für Missmut.
Der damalige deutsche Frauen-Bundestrainer Ekke Hoffmann echauffierte sich beispielsweise nach dem 22:24 im Halbfinale: "Gegen neun Mann konnten wir niemals gewinnen. Die Regie war einfach zu gut."
In Dänemark störte der Vorwurf eigentlich niemanden - größeres Gewicht besaßen da Schätzfragen nach dem Wert der Medaillen: Andersen fand das frische EM-Gold jedenfalls edler als den Olympiasieg, "denn wir hatten alles zu verlieren". Nur ein Jahr später hatten sie mit der Weltmeisterschaft indes alles gewonnen - ein noch immer unübertroffenes Gesamtpaket, wertvoll wie ein Grand Slam im Tennis.
Wilbek, der nach dem WM-Gewinn zurücktrat, bewies sein Geschick auch als Trainer der Männer und führte die bis dahin chronisch strauchelnden Spieler um Lars Christiansen zur Europameisterschaft 2008.
Und Dänemarks Frauen? Die gewannen unter Trainer Jan Pytlick noch Olympia-Gold 2000 in Sydney und 2004 in Athen, stürzten aus der Weltspitze und berappeln sich derweil nach den verpassten Peking-Spielen.
Anja Andersen, die ihre Laufbahn 1999 wegen akuter Herzprobleme bereits mit 30 Jahren sehr früh beenden musste, ist inzwischen zu einer (bis auf ihre emotionalen Ausbrüche) ge- und beachteten Trainerin geworden.
Mit Slagelse gewann sie dreimal die Champions League, und den FC Kopenhagen führte sie im Juni gegen Larvik zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Im Tor der Norwegerinnen stand übrigens mit Lena Rantala die letzte noch aktive Gefährtin aus den Zeiten der "Golden Girls".
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