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11.08.2009
 

Badminton-Profi Zwiebler

Schlauer Schläger

Von Christian Gödecke

Er war ganz oben, bangte um seine Karriere, legte dann ein bemerkenswertes Comeback hin: Marc Zwiebler will sich bei der Badminton-WM in Indien ganz nach vorne kämpfen. Als Randsportler leistet er im Schatten der Öffentlichkeit Großes - und zahlt einen hohen Preis dafür.

Irgendwann wurde es zu viel, da verlor Marc Zwiebler kurzzeitig den Überblick. Er war noch jung, nicht mal 20 und das größte deutsche Badminton-Talent. Einer, der schon damals seine Gegner demütigen konnte mit seiner Brillanz. Und ein Besessener. 35 bis 40 Wochen im Jahr spielte er, 15 internationale Turniere, Bundesliga. Zwiebler lebte aus dem Koffer, pendelte zwischen seiner Heimat Bonn und dem Olympiastützpunkt in Saarbrücken - und dann saß er eines Tages in einem Hotel, rief seine damalige Freundin an und klagte ihr sein Leid. Es gefalle ihm dort überhaupt nicht, in Norwegen.

"Aber du bist doch in Finnland", sagte die Freundin dann.

Profi Zwiebler: Zwischen Bildung und BadmintonZur Großansicht
AP

Profi Zwiebler: Zwischen Bildung und Badminton

Sechs Jahre später sitzt Marc Zwiebler in einem Hotel in Hyderabad, Indien, und sagt, dass er es jetzt ruhiger angehen lasse. Es ist Badminton-WM in Hyderabad, Zwiebler spielt am Dienstagabend sein Erstrunden-Match gegen Kevin Gordon aus Guatemala, die Nummer 44 der Welt. "Ein schlagbarer Gegner", sagt Zwiebler.

Zwiebler wurde in diesem Jahr zum dritten Mal Deutscher Meister im Einzel, er hat Boonsak Ponsana aus Thailand zweimal geschlagen, die Nummer eins seines Landes. Gegen Chong Wei Lee aus Malaysia verlor er im März knapp in zwei Sätzen. Chong ist einer der Besten der Welt. Aus dem Talent Zwiebler, das von jedem kleinen Turnier zum nächsten hetzte, ist der beste deutsche Badminton-Spieler geworden.

Wieder.

Die WM in Indien soll nun das nächste Kapitel einer beeindruckenden Sportlergeschichte werden, die von Schmerzen und Verzweiflung handelt, der Angst vor dem Karriereende, von einer langen Pause und einem unglaublichen Comeback. Sie handelt aber auch von den Hürden, die vor einem deutschen Sportler aufgebaut werden, der das Problem hat, nur in einer Randsportart Höchstleistungen zu bringen. Und der gleichzeitig nicht nur Sport im Kopf hat.

Die Geschichte des Marc Zwiebler beginnt 1984 in Beuel, einem Stadtteil von Bonn. Seine Eltern sind Badminton-Größen beim 1. BCB, mehrmalige Deutsche Meister. Seine Schwester spielt auch, hört aber mit 16 auf. Zwiebler gilt als hoch veranlagt, wird 19-mal Jugend- und Juniorenmeister. "Ich kann mich an ein Leben ohne Halle und Badminton nicht erinnern", sagt er. 2003 wird er U19-Europameister. Ein großer Erfolg für ein Land, das den Ruf hatte, Badminton-Diaspora zu sein.

Und Zwiebler will mehr. "Neun Wochen am Stück war ich damals manchmal unterwegs, ich kam nach Hause, hab meine Wäsche gewaschen und bin gleich wieder zum Flughafen", erzählt er. Zwiebler eilt von Turnier zu Turnier, wird immer besser, 2005 zum ersten Mal Deutscher Meister. Er kennt keine Pausen, keine Rast. Und er kennt keine Schmerzen. Die WM in Anaheim im gleichen Jahr, die würde schon noch gehen, auch wenn mittlerweile der Rücken öfter wehtut.

Seit einem Turnier Ende 2005 lassen sich die Schmerzen nicht mehr ignorieren. Irgendwann kann Zwiebler nicht mehr einkaufen gehen, jede Bewegung tut weh. Monatelang ist Zwiebler an die Wohnung gefesselt. Wenn er versucht, mit Freunden in die Stadt zu gehen, muss er sich schon nach fünf Minuten setzen - und mit dem Taxi wieder nach Hause fahren lassen.

Die Diagnose ist ein Schock: Bandscheibenvorfall. Marc Zwiebler ist gerade mal 21, und seine Karriere scheint schon vorbei. "Der Stress hat vielleicht auch die Verletzung begünstigt", sagt Zwiebler heute. Nach diversen Versuchen, den Rücken konservativ zu behandeln, entschließt er sich im August 2006 zu einer Operation. Der Eingriff ist ein großes Risiko, aber er hat Glück. Der Rücken heilt in der Reha. Zwiebler besiegt die Schmerzen und auch die Angst. Er kehrt zurück.

Olympiaqualifikation in letzter Sekunde

Was dann folgt, ist eine der beeindruckendsten Leistungen der vergangenen Jahre. Zwiebler steigt im Sommer 2007 in die Olympiaqualifikation ein, aber er liegt hoffnungslos zurück. "Ich habe nicht mal im Traum an Olympia gedacht", sagt Zwiebler. Selbst bei kleinen Turnieren muss er wegen der langen Abwesenheit in die Qualifikation, aber er gewinnt das erste. Das zweite. Das dritte. Insgesamt siegt er bei sechs Turnieren - und im Januar 2008 auch bei den Deutschen Meisterschaften. Doch erst im allerletzten Moment weiß Zwiebler sicher, dass er bei Olympia dabei sein wird. In Peking schafft er die dritte Runde, was angesichts seiner Vorgeschichte auch eine Sensation ist.

Nur mitbekommen haben sie nicht viele.

Badminton ist eine Randsportart in Deutschland, obwohl Millionen Menschen Federball spielen. Aber genau das ist wohl das Problem. Jeder weiß, dass er ein Dribbling gegen Cristiano Ronaldo verlieren würde oder ein Rückhandduell mit Roger Federer. Aber wer glaubt schon ernsthaft, in einer Stunde gegen einen Badminton-Profi nicht einen Punkt machen zu können?

Zwiebler liebt seinen Beruf, aber wer in Deutschland in einer Randsportart erfolgreich ist, muss viele Kämpfe austragen. Der gegen die mediale Vernachlässigung ist da noch der leichteste. Vor allem, wenn man auch noch studiert.

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14.08.2009 von incredibletunk: geht mir auch so

Stimmt. Und daß Juliane Schenk gewonnen hat, konnte ich auch nur in einer Randnotiz in der Zeitung lesen. Aber dafür wiederholt groß aufgemachte Artikel über ein offenbar dürftiges Länderspiel der DFB Kicker gegen die "Top [...] mehr...

13.08.2009 von lurn2: Schade!

Zwiebler verliert leider in der zweiten Runde der WM in Hayderabad/Indien gegen den Japaner Tago mit 21:15 und 21:10 in 2 Sätzen. Schade, dass er rausgeflogen ist und ich das spektekel Badminton-WM nicht mal im Fernsehen [...] mehr...

12.08.2009 von kaitou1412: ...

Au ja! =) Schon bei den Spiele in Sydney war ich begeistert von den Badmintonübertragungen. Da war ich geschmeidige 14. Da gibts manchmal mehr Dramatik als in vielen Fussballspielen. Definitiv mehr davon bitte. mehr...

12.08.2009 von lurn2: Stimmt!

Stimmt, vielleicht treffe ich ja auch einen zukünftigen Star auf einem meiner Turniere, ich habe da bei letzten Turnier schon einen gesehen, der wurde in meiner Klasse erster, gegen den hätte selbst mein Trainer verloren... [...] mehr...

12.08.2009 von incredibletunk: ...

Schade, daß es nicht mehr/ so gut wie kein Badminton im TV gibt. Die Sportart ist mMn. absolut sehenswert. Sie übertrifft an Spannung und Dynamik ganz sicher gezeigte Sportarten wie Poker, Dart oder Golf und vor allem vielen der [...] mehr...

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