Mittwoch, 10. Februar 2010

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Leichtathletik-WM

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14.08.2009
 

Leichtathletik-WM

Glänzende Aussichten

Endlich Edelmetall! Am Samstag startet die Leichtathletik-WM in Berlin. Die deutschen Athleten, die bei den Olympischen Spielen so bitter enttäuschten, hoffen auf den Heimvorteil. Netzathleten-Kolumnist Jan Fitschen sagt auf SPIEGEL ONLINE, für wen eine Medaille drin ist.

Soll ich lachen oder weinen? Eigentlich freue ich mich total auf die Leichtathletik-WM, die am Samstag in Berlin beginnt.

Andererseits bin ich ein wenig traurig, dass ich aufgrund einer Fußverletzung nicht selbst an den Start gehen kann. Dennoch werde ich in meiner neuen Rolle als Kolumnist während der neun Tage ganz dicht an meinen Freunden und Kollegen dran sein, Ihnen Analysen, Stimmen und sicher auch die ein oder andere Anekdote aus dem deutschen Haus liefern.

Genügend Geschichten sollten zusammenkommen: Die halbe Welt strömt nach Berlin, Zehntausende Leichtathletik-Fans, Athleten aus über 200 Ländern! Was die Teilnehmerzahl angebelangt, wird Berlin so üppig besetzt sein wie keine WM zuvor. Über 2100 Sportler sind für die Wettkämpfe gemeldet - darunter auch 90 Deutsche.

Nach dem enttäuschenden Ergebnis der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in Peking vergangenes Jahr rechne ich in Berlin mit deutlich mehr Medaillen. Einzig Christina Obergföll holte damals Bronze im Speerwerfen und verhinderte die totale Pleite des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV).

Dieses Mal stehen die Vorzeichen jedoch anders.

Zum einen spielt das Klima eine wichtige Rolle. Peking war in puncto Wetterbedingungen alles andere als optimal für unsere Athleten. Es ist ein enormer Vorteil, die klimatischen Bedingungen dieses Mal besser einschätzen zu können.

Dazu kommt das Publikum. Springt der Funke von der Laufbahn auf die Zuschauerränge über, holt das nochmal ein paar Prozent Leistung aus den Athleten heraus. Deshalb glaube ich auch an die ein oder andere Überraschung aus dem deutschen Team. Wenn alles rund läuft, können wir sogar das Ergebnis aus Osaka verbessern. Dort holte das deutsche Team zweimal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze.

Nach der Absage meiner Mannschaftskollegin Irina Mikitenko haben wir allerdings nur noch eine ganz große Hoffnung auf Gold im Rennen: Hochspringerin Ariane Friedrich. Sie präsentiert sich dieses Jahr in Topform und kann ihrer Dauerkonkurrentin Blanca Vlasic aus Kroatien sicherlich den Titel abnehmen.

Im Weitsprung wird Sebastian Bayer bestimmt um eine Medaille mitspringen können. Trifft er den Balken so optimal wie bei seinem Hallen-Europameister-Titel im März, ist mit ihm zu rechnen. Auch die deutschen Stabhochspringer sind gut in Form. Weht der Wind allerdings zum falschen Zeitpunkt, ist schnell der "Salto Nullo" passiert und der Traum von der Medaille geplatzt. Insgesamt denke ich aber, dass Malte Mohr oder Alexander Straub gute Chancen haben, eine Medaille zu holen.

Die deutschen Werfer sind traditionell eine Bank. In diesen Disziplinen können wir die meisten Medaillen holen. Im Speerwerfen der Frauen sind wir prima aufgestellt und haben mit Steffi Nerius und Christina Obergföll zwei Kandidatinnen. Auch die beiden Kugelstoßerinnen Nadine Kleinert und Denise Hinrichs können vorne mit eingreifen. Robert Harting zählt mit dem Diskus zu den aussichtsreichsten deutschen Medaillenanwärtern überhaupt, und Hammerwerferin Betty Heidler, die das starke Werferteam komplettiert, will natürlich versuchen, ihren Titel zu verteidigen.

Doch um eine Medaille zu gewinnen, muss am Wettkampftag wirklich alles passen. Wie schnell kann ein wenig Wind oder ein falsch gebundener Schuh über Sieg und Niederlage entscheiden. Eben deshalb sollten wir auch mal mit einer Finalteilnahme unserer Athleten zufrieden sein.

Um das Thema Doping werden wir wohl leider nicht herum kommen. Ich will Dopingmissbrauch mit keinem Wort rechtfertigen, aber der Fehler steckt auch im System.

Es bringt doch nichts, dass ich den Kontrolleuren die Koordinaten meines Zeltplatzes in Norwegen durchgeben muss, wenn ich dort gerade im Urlaub bin, die Testverfahren jedoch eh ins Leere gehen, da die Substanzen nicht nachweisbar sind. Da muss man ansetzen. Ich hoffe, es wird bald mehr Geld in die Testverfahren gesteckt. Leider wird es wohl auch in Berlin einige positive Testergebnisse und somit Dopingfälle geben. Ich hoffe, es werden nicht allzu viele, damit der Leistungsport nicht noch mehr an Ansehen verliert.

Alle Athleten, mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe, sind hochmotiviert und wollen vor heimischem Publikum ihr Bestes geben. Man spürt eine gewisse Anspannung, allerdings keine Angst vor den Wettkämpfen, was ich als sehr positiv werte.

Die blaue Laufbahn in Berlin ist nicht zu hart und nicht zu weich. Das ist gut für die Sprinter aber auch gut für uns Mittel- und Langstreckenläufer. Ob die Bahn schnell genug für Weltrekorde ist, wird sich zeigen. Gerade das mit Spannung erwartete Duell zwischen Olympiasieger Usain Bolt, Weltmeister Tyson Gay und Ex-Weltrekordler Asafa Powell über die 100 Meter am Sonntag (21.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird das Publikum elektrisieren und diese Frage womöglich beantworten.

Mehr zu den Netzathleten finden sie hier.

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ZUR PERSON

AP

Jan Fitschen, 32, ist einer der erfolgreichsten deutschen Langstreckenläufer. In seiner bisherigen Karriere erreichte er 14 deutsche Meisterschaften und holte 2006 den Europameistertitel über 10.000 Meter. In seiner Funktion als Netzathleten.de-Kolumnist berichtet er von der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Eine Fußverletzung hindert ihn an der aktiven Teilnahme. Mehr zu Jan Fitschen

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