Sonntag, 22. November 2009

Sport



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19.08.2009
 

Leichtathletik-WM

Sternstunden und Sprungduell

Speerwerferin Nerius: Weltmeisterin in Berlin
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dpa

Speerwerferin Nerius: Weltmeisterin in Berlin

Für Steffi Nerius war ihre Goldmedaille ein toller Karriere-Abschluss - für das deutsche Team könnte es der Auftakt zu erfolgreichen Tagen gewesen sein. Netzathleten-Kolumnist Jan Fitschen analysiert auf SPIEGEL ONLINE die Medaillenchancen der kommenden Tage.

Nach einem Tag ganz ohne deutschen Medaillengewinn, erlebten wir gestern die Sternstunde der Steffi Nerius - Gold in ihrem allerletzten großen Wettkampf. Gleich mit ihrem ersten Versuch schockte sie die Konkurrenz, nur einmal zuvor hatte sie je weiter geworfen. Auch Ariane Friedrich qualifizierte sich leicht und locker für ihr Hochsprungfinale, so dass schon morgen eine weitere Goldmedaille möglich ist.

Ich wusste, dass sich Steffi Nerius viel vorgenommen hatte, aber mit diesem Ergebnis hatte die 37-jährige Leverkusenerin wohl selbst nicht gerechnet. Ein krönender Abschluss einer sehr langen und sehr erfolgreichen Karriere. 18 Jahre hat sie Spitzenleistungen mit ihrem Speer vollbracht und nun für die erste Goldmedaille des Deutschen Leichtathletik Verbands DLV bei dieser WM gesorgt. Eine herausragende Leistung.

Der 10.000-Meter-Lauf hat mich persönlich natürlich ganz besonders gefesselt. Es war ein viel schnelleres Rennen, als ich erwartet hatte - das Schnellste, das je über diese Strecke bei einer WM gelaufen wurde. Der 26-jährige Zersenay Tadese aus Eritrea, Dritter der Olympischen Spiele 2004, lief ab Kilometer fünf, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Dabei sah er eigentlich sehr unrhythmisch aus. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass er dieses Tempo bis zum Schluss durchhält und die Silbermedaille daraus wird.

Turbo auf der Bahn, Freude auf der Tribüne

Nur Ausnahmeläufer Kenenisa Bekele aus Äthiopien war noch schneller. Er beobachtete die Konkurrenz 24 Runden lang, lauerte und zündete dann in der letzten Runde den Turbo. Unwiderstehlich, wie er auf den letzten 400 Metern beschleunigte.

Für ihn war es bereits der vierte WM-Titel in Folge. Damit zog er mit seinem Landsmann Haile Gebrselassie gleich. Der zweitplatzierte Tadese, der zuvor so couragiert gelaufen war, freute sich so sehr über Silber, dass wir auf der Tribüne unsere wahre Freude hatten. Er lief die Ehrenrunde immer noch in solch hohem Tempo, da hätte jeder Hobbyläufer Probleme gehabt hinterherzukommen.

Gescheiterte Favoritin, Werfer in Form

Die WM in Berlin hat auch ihre erste richtig große Überraschung: Das Beispiel der gescheiterten Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa zeigt aber auch, wie schnell Goldträume in der Leichtathletik zerplatzen können. Man ist wirklich gegen nichts gefeit, gerade bei einer Weltmeisterschaft, bei der die Nerven eine große Rolle spielen. Um Weltmeister zu werden, muss einfach alles stimmen am Tag des Wettbewerbes, das möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen.

Schon heute könnte für den DLV eine weitere Medaille dazukommen. Diskuswerfer Robert Harting qualifizierte sich im Schnelldurchgang und mit Bestweite für das Finale. Kein Wunder, die Phalanx der deutschen Werfer und Werferinnen ist für drei der bisher vier gewonnenen Medaillen verantwortlich.

Für den Vizeweltmeister von 2007 ist es ein echtes Heimspiel in Berlin, so dass wir uns von ihm einen ganz großen Wurf erwarten können. Ich denke, er kann eine neue persönliche Bestleistung im Finale erzielen, auf Gold vorprogrammiert scheint aber Titelverteidiger Gerd Kanter aus Estland zu sein.

Auch der Zehnkampf startet heute endlich. Es ist sehr schade, dass unser derzeit bester, Michael Schrader, wegen eines Ermüdungsbruchs nicht dabei sein kann. Ich hoffe Pascal Behrenbruch kann die Lücke schließen. Ende Mai hat er seine persönliche Bestleistung beim Meeting in Götzis auf 8374 Punkte verbessert. Da ist noch Luft nach oben bei ihm. Was die Emotionen des Publikums hier in Berlin bewirken können, haben wir bei Jennifer Oesers sensationellem Siebenkampf gesehen. Warum sollte ähnliches nicht auch im Männermehrkampf gelingen.

Friedrich vs. Vlasic - Highlight der Hochsprung-Konkurrenz

Ariane Friedrich und Blanca Vlasic. Deutsche Rekordhalterin gegen amtierende Weltmeisterin. Auf dieses Hochsprung-Duell dürfen wir uns am Donnerstag freuen. Es ist der vermeintliche Höhepunkt der WM aus deutscher Sicht. In diesem Wettbewerb tritt die im Vorfeld größte Goldhoffnung des DLV an. Und Ariane ist gut drauf momentan. Die gesamte Saison über wusste sie mit Spitzenleistungen zu überzeugen, dieses Selbstbewusstsein ist ihr jetzt deutlich anzumerken. Die Qualifikation für das Finale schaffte sie mit einem einzigen Sprung - eine echte Kampfansage an ihre Dauerkonkurrentin aus Kroatien.

Ich denke mit einem solchen Ergebnis zur Halbzeit der WM hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Warten wir ab was noch kommt, einige heiße Eisen haben wir noch im Feuer. Ich möchte auch das Berliner Publikum noch einmal loben. Es honoriert die Leistungen aller Sportler. Auch jene deutschen Sportler werden gewürdigt, die nicht über ihre Zwischenläufe oder Halbfinals hinauskommen. Und das zu Recht - im Weltmaßstab gesehen liefern sie hervorragende Ergebnisse ab.

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ZUR PERSON

AP

Jan Fitschen, 32, ist einer der erfolgreichsten deutschen Langstreckenläufer. In seiner bisherigen Karriere erreichte er 14 deutsche Meisterschaften und holte 2006 den Europameistertitel über 10.000 Meter. In seiner Funktion als Netzathleten.de-Kolumnist berichtet er von der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin. Eine Fußverletzung hindert ihn an der aktiven Teilnahme. Mehr zu Jan Fitschen


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