Hamburg - Bester Zehnkämpfer der Welt: Der US-Amerikaner Trey Hardee war bei der Leichtathletik-WM zu stark für seine Konkurrenten. Ein Jahr nach der bitteren Enttäuschung bei den Olympischen Spielen von Peking, als er nach drei ungültigen Versuchen im Stabhochsprung aufgab, schlug seine bislang größte Stunde. Mit Jahresweltbestleistung von 8790 Punkten holte sich der 25-jährige Texaner als vierter US-Zehnkämpfer WM-Gold. Dan O'Brien (1991, 1993, 1995), Tom Pappas (2003) und Bryan Clay (2005) hatten zuvor die Krone der Leichtathletik gewonnen.
Als Gewinner durfte sich auch Pascal Behrenbruch fühlen. Gleich bei seiner ersten WM kam der 24-Jährige auf den sechsten Platz und verschaffte den deutschen Mehrkämpfern ein Erfolgserlebnis. Die 60.000 Zuschauer im Olympiastadion und eine persönliche Bestleistung im Stabhochsprung von 4,80 Metern mobilisierten bei Behrenbruch die letzten Kräfte - mit 8439 Punkten übertrumpfte er seine Bestleistung am Ende um 65 Punkte.
Silber erkämpfte der Kubaner Leonel Suarez (8640 Punkte) vor dem Russen Alexander Pogorelow (8528). Titelverteidiger Roman Sebrle war diesmal chancenlos: Der 34 Jahre alte Weltrekordler aus Tschechien kam über den elften Platz nicht hinaus.
"Ich habe seit sieben Jahren Probleme mit dem Stabhochsprung, aber dieses Publikum hier hat mich beflügelt und motiviert", sagte Behrenbruch und bedankte sich bei den Zuschauern. Norman Müller erreichte sein Ziel, einen Platz unter den acht Besten, nicht: 8096 Punkte reichten nur zum 16. Rang. WM-Debütant Moritz Cleve wurde 24. mit 7777 Punkten.
Unerwartetes Aus für Olympiasieger Dayron Robles
Olympiasiegerin Melaine Walker gewann über 400 Meter Hürden Gold für Jamaika. Die 26-Jährige lief 52,42 Sekunden und schlug im Olympiastadion die US-Amerikanerin Lashinda Demus, die in 52,96 Sekunden Silber gewann. Bronze ging in 53,20 Sekunden überraschend an Josanne Lucas (Trinidad). Walker, die Jamaikas Siegesserie 20 Minuten vor dem 200-Meter-Finale mit Usain Bolt fortsetzte, gehörte zu den fünf Athleten der Karibikinsel, denen der WM-Ausschluss drohte. Sie hatten gegen den Willen des Verbandes das WM-Trainingslager in Herzogenaurach geschwänzt.
Ryan Brathwaite hat das frühe Verletzungs-Aus von Olympiasieger Dayron Robles ausgenutzt und ist über 110 Meter Hürden zu Gold gesprintet. Der Sechste der Jahresbestenliste aus Barbados lief 13,14 Sekunden und bescherte seinem Land das erste Gold über die Hürden-Strecke in der WM-Geschichte. Zuvor hatte Olympiasieger Robles im Halbfinale großes Pech gehabt. Erst trat er drei Hürden um, an der vierten war es für ihn dann vorbei. Robles plagten schon im Vorlauf Oberschenkelprobleme. Der 22-Jährige hatte sich nur mit Mühe ins Halbfinale gerettet. Dort ging nichts mehr, obwohl Robles auf die Zähne biss, um sich seinen großen Traum vom ersten WM-Titel zu erfüllen. Hinter Brathwaite belegte Terrence Trammell (USA/13,15) den zweiten Rang, auf Platz drei kam dessen zeitgleicher Landsmann David Payne. Für das deutsche Duo Alexander John (Leipzig) und Helge Schwarzer (Hamburg) war in der Vorschlussrunde Endstation.
Weitspringer Bayer scheitert in der Qualifikation
Der mit großen Hoffnungen gestartete Hallen-Europarekordler Sebastian Bayer ist bereits in der Weitsprung-Qualifikation ausgeschieden. Der Weltranglisten-Vierte, der im Winter bei der Hallen-EM in Turin 8,71 Meter gesprungen war, landete nur bei 7,98 Metern und produzierte zudem zwei Fehlversuche. Allerdings hatte der 23-Jährige mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Eine Kapselentzündung im linken Fuß behinderte ihn, weshalb er mit Schmerzmitteln springen musste. "Ich habe viele Tabletten geschluckt und auch Spritzen bekommen. Dennoch bin ich enttäuscht. Der zweite Versuch war sehr weit. Dann hätte ich es im Finale nochmal versucht", sagte Bayer. Er habe sich nur mit Krafttraining und Tischtennisspielen auf die WM vorbereiten können und rechnete sich selbst nur eine 40:60-Finalchance aus. "Ich hatte einfach kein Glück. Bei jedem Schritt schmerzte mein Fuß", so Bayer. Gescheitert ist auch Nils Winter, der auf 7,69 Meter kam.
Bei den Vorkämpfen hatte Hammerwerferin Betty Heidler das Highlight gesetzt: Die Titelverteidigerin warf in der Qualifikation gleich im ersten Durchgang 75,27 Meter - und damit so weit wie noch nie jemand bei einer WM. "Das war schon krass", sagte sie.
wit/sid/dpa
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