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21.08.2009
 

Geschlechtstest bei Semenya

Südafrika will Uno einschalten

Umstrittene Semenya: Kampf um das Geschlecht
Fotos
Getty Images

Wirbel um den Geschlechtstest von 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya: Der Vorsitzende des südafrikanischen Sportausschusses sieht die "Rechte und Privatsphäre" der Läuferin erheblich verletzt - und kündigt eine Beschwerde bei der Uno-Menschenrechtskommission an.

Hamburg - Der Geschlechtstest von Südafrikas 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya wird immer mehr zum Politikum und internationalen Sportkonflikt. Aus Protest gegen den Test bei der 18-Jährigen will sich Südafrika bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen beschweren. Der Vorsitzende des sportpolitischen Ausschusses im Parlament in Kapstadt, Butana Komphela, kündigte diesen Schritt am Freitag an. Die Beschwerde werde sich gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF richten, weil er in erheblichem Maße die "Rechte und Privatsphäre" der Läuferin Semenya untergraben habe.

Dass das südafrikanische IAAF-Councilmitglied Leonard Chuene aus Protest seinen Rücktritt aus dem Spitzengremium des Weltverbandes erklärt haben soll, wurde zunächst nicht bestätigt. Das IAAF-Councilmitglied Helmut Digel teilte mit, dass Chuene am Freitag nicht an einem Treffen des Gremiums teilgenommen habe.

Die IAAF hatte die Goldmedaillengewinnerin von Berlin zum Geschlechtstest aufgefordert, nachdem ihre tiefe Stimme, ihr muskulöser Körperbau und die schnelle Leistungssteigerung Zweifel an ihrem Geschlecht hatten aufkommen lassen. Dieser Test hatte in Südafrika zu einem allgemeinen Aufschrei der Empörung geführt, dem sich Politiker, Sportler und auch Gewerkschafter anschlossen. Komphela sprach von einer erniedrigenden, sexistischen und rassistischen Aktion des IAAF.

Es habe zahlreiche weiße Athletinnen gegeben, die männliche Züge hatten, aber nicht getestet wurden. "Nur weil sie (Semenya, Anm. d. Red.) schwarz ist und ihre europäischen Mitbewerber aus dem Feld geschlagen hat, gibt es nun diesen ganzen Aufruhr", erklärte der Politiker.

Untersuchung wird länger dauern als zunächst angenommen

Unterdessen teilte die IAAF bei der WM in Berlin mit, dass das Ergebnis des Tests nicht wie zunächst angekündigt binnen einer Woche vorliegen wird. Für die komplexen wissenschaftlichen und medizinischen Untersuchungen benötige man mehr Zeit als zunächst angenommen. Zugleich betonte die IAAF in einer Erklärung, dass mit der Anordnung des Tests der Athletin kein bewusstes Fehlverhalten vorgeworfen wird, mit dem Semenya einen unfairen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben könnte.

Die IAAF sei sich der Sensibilität des Themas bewusst und bedauere zutiefst, dass es im Zusammenhang mit dem angeordneten Geschlechtstest zu Anschuldigungen gegenüber der Läuferin gekommen sei, hieß es. "Wenn die Ergebnisse des Tests vorliegen, werden sie in adäquater Weise in Absprache mit Caster Semenya und dem nationalen Verband veröffentlicht."

In Südafrika ist die Empörung groß. In hitzigen Reaktionen werden Rassismus, Imperialismus und eurozentrischer Neid bemüht. "Was passiert ist, ist die erniedrigendste Erfahrung, die je einem internationalen Sportler zuteil wurde. Wir haben Caster gebeten, die Medaille für alle von uns in Südafrika anzunehmen", erklärte ANC-Sprecher Brian Sokutu nach Medienberichten.

Semanya wollte Goldmedaille offenbar nicht annehemen

Das war auch nötig, denn nach Informationen der südafrikanischen Tageszeitung "Times" wollte Semenya die Goldmedaille nach dem Sieg über 800 Meter ablehnen. Aus Protest über den angeordneten Geschlechtstest sagte Chuene, der auch Präsident des nationalen Leichtathletik-Verbandes ist: "Sie erklärte mir, nicht aufs Podium gehen zu wollen, doch ich habe ihr gesagt, sie müsse es tun. Sie sagte mir: 'Niemand hat mir je erklärt, dass ich keine Frau sei. Ich bin kein Junge! Warum hat man mich hierher gebracht - man hätte mich zu Hause in meinem Dorf lassen sollen'."

Ihr Vater Jacob betonte dagegen: "Wir werden es nicht akzeptieren, dass sie sich diesen Tests unterzieht und wir sind mit ihr einer Meinung: Sie hätte diese Medaille besser ablehnen sollen!" Männlich wirkende US-Tennisspielerinnen würden auch nicht angezweifelt. Semenya will am Dienstag in ihre Heimat zurückkehren.

wit/dpa

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09.07.2010 von graf.koks: Gut!

Sie haben hiermit den Beweis für die absolute Sinnlosigkeit der Sportbewertung erbracht! Die Sportler brauchen keine neuen Klassen oder Schubfächer! Wir als Zuschauer, die den ganzen Blödsinn mit unserem Jubeln anfeuern, [...] mehr...

08.07.2010 von loncaros:

Ich finde dieses "er/sie/es" absolut ekelerregend und es zeigt genau wessen Geiste Kind jemand ist. Das sind genau die Leute die vor 100 Jahren noch im Zirkus die "Freaks" ausgelacht haben. Und gleichzeitig [...] mehr...

07.07.2010 von Umbriel: Beschiss ist Beschiss

Ist doch sofort offensichtlich klar, daß da was nicht stimmt. Da gehört schon eine kräftige Portion Unverfrorenheit dazu, so eine Show abzuziehen, als ob es nicht schon genug Unsportlichkeiten gäbe! mehr...

06.07.2010 von fireflycan:

Stimme ich zu, leider gibt es wiohl nicht genug Athleten in der "sonderklasse" um eine eigene Leisungsklasse zu rechtfertigen, aber die Maennerklasse als "offen" anzusehen ist keine schlechte Idee. mehr...

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