Von Sven Simon
Ademola Okulaja grinst. Er grinst schon, während er die große Pranke zur Begrüßung ausstreckt. Sein typisches Ademola-Grinsen. "Alles klar bei dir?", fragt er. Welch eine Ironie, dass er, der kürzlich noch schwer gezeichnet war, sein Gegenüber nach dem Befinden fragt. "Wieso nicht?", sagt er. "Mir geht es doch wieder gut." So sieht er aus. Vital. Gesund. In Form. Eigentlich wie ein Profisportler.
Rückblick: Im Frühsommer 2008 befindet sich Okulaja auf Mallorca, die Qualifikation für Peking steht an. Der große Traum von den Olympischen Spielen. Dann kommen die Rückenschmerzen. Im Jahr zuvor hatte er sich bei den weichen Matratzen im Hotel über Nacht einen Nerv im Rücken eingeklemmt. "Nicht schon wieder", denkt er. Sorgen macht er sich keine, ignoriert die Schmerzen im Training. Es hat schon seinen Grund, dass er "Warrior" genannt wird. Aber als die Physiotherapeuten des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) keine Ursache finden, fliegt er nach Köln. Nach den Untersuchungen sitzen ihm mehrere Ärzte gegenüber. "Das ist kein gutes Zeichen", denkt Okulaja. Es wird ihm eröffnet, dass ein Tumor seinen siebten Brustwirbel zerstört habe, es bereits kleine Metastasen gebe und Eile geboten sei.
Am achten Juli bekommt er die Krebsdiagnose, am neunten fährt er nach Bamberg und erzählt es seiner hochschwangeren Frau, am zehnten wird er 33 Jahre alt, am elften wird der Tumor entfernt und ein künstlicher Wirbel aus Titan eingesetzt. "Alles Gute zum Geburtstag", denkt er damals.
Okulaja, der Krebspatient
Zunächst wissen nur Familie und Mitspieler von der Erkrankung, dann entscheidet sich Okulaja, die Öffentlichkeit zu informieren. Obwohl er darum bittet, in Ruhe gelassen zu werden, und keine Interviews gibt, läuft die Medienmaschine schnell an. Okulaja liest nichts davon, lediglich ein wenig Fanpost. Am schönsten findet er den einen Brief mit der rudimentären Adresse. "Ademola Okulaja, Basketballprofi, Bamberg", steht da drauf. "Da bin ich echt vom Glauben abgefallen, dass das Teil angekommen ist", sagt er. Obwohl er nicht mitteilt, wie genau die seltene Krebsart heißt, kommen auch Ratschläge aus der skurrilen Ecke. "Da wurde mir dann geraten, bei Vollmond auf dem Kopf stehend frisches Oregano zu kauen oder so was in der Art", sagt er heute und lacht.
Am siebten August kommt sein zweiter Sohn zur Welt. Bis dahin hatten ihm die Ärzte Aufschub gegeben. Nun startet die dreistufige Chemotherapie. Die Prognosen sind irritierend: Ein Arzt sagt, dass er den Krebs in den Griff bekommen wird, ein anderer fragt ihn, ob ihm bewusst sei, dass er das nicht überleben werde. Nach der hochdosierten Phase der Therapie liegt er in Quarantäne. Nicht mal seine Frau darf anfangs ins Zimmer. Das Immunsystem ist so geschwächt, dass schon ein Schnupfen gefährlich werden könnte. Tagelang hat er Fieber und Schüttelfrost. Für den Hochleistungssportler Okulaja wird schon der Gang zur Toilette zur Qual. "Ich hatte das Telefon auf lautlos gestellt neben meinem Krankenbett stehen, manchmal habe ich es blinken sehen, wenn meine Frau anrief. Nur war ich zu kraftlos, dranzugehen. Obwohl es mir sehr gut getan hätte, mit Michaela zu sprechen", sagt er später im "Stern"-Interview.
Okulaja, der Kämpfer
Durch die vielen Medikamente ist sein Körper aufgeschwemmt. 117 Kilogramm bringt er zwischenzeitlich auf die Waage - Doppelkinn inklusive. Das habe ihn als jemanden, der immer auf seinen Körper geachtet habe, trotz der lebensbedrohlichen Krankheit gestört, sagt er heute. Seine Frau habe darauf aber nur belustigt gesagt, dass sie so zumindest jetzt schon wisse, wie er als alter Mann aussehen werde.
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