Von Sven Simon
Die Therapie schlägt gut an, sein Körper erholt sich schnell. Die Krebsart sei nicht komplett heilbar, sagt er. Aber man könne quasi die Pausetaste drücken. Alle drei Monate wird sein Blut seitdem untersucht. Bisher gebe es keine Anzeichen für einen neuen Ausbruch. Er habe mal gelesen, dass die mittlere Lebenserwartung bei seiner Krebserkrankung bei etwa fünf Jahren liege. "Aber das waren fast ausschließlich ältere Menschen und keine Leistungssportler wie ich", sagt er. "Außerdem sind das nur Statistiken."
Okulaja, der Geschäftsmann
Heute bewegt sich Okulaja sicher in seiner neuen Umgebung, die irgendwie nicht so recht zu ihm passen will. Berlin-Kreuzberg, einer der Hinterhöfe am Osthafen. Alte Gebäude, direkt am Spreeufer, hier und da von einem wahrscheinlich bekannten Architekten veredelt. In der Hauptstadt ist dies die neueste Lieblingsheimat der Kreativen.
In einem der alten Gebäude sitzt Okulajas Firma Streetlife Entertainment. Die gründete er vor fünf Jahren mit einem Freund. Das Unternehmen arrangiert in Europa vor allem Auftritte für Rapper wie Busta Rhymes, DMX, Missy Elliott und 50 Cent, produziert auch selbst Musik. Bisher war Okulaja stiller Teilhaber, nun steigt er aktiv mit ein. "Da gibt es verdammt viele Sachen, die ich lernen muss", sagt er. "Aber ich sehe das als gute Investition für die nächsten Schritte meiner beruflichen Karriere."
Kürzlich hat er ein Fernstudium für Sportmarketing und Kommunikation über sechs Monate an der Universität von Venedig abgeschlossen. An seinem zur Abschlussprüfung eingereichten Konzept zur besseren Vermarktung von Basketball in Europa zeigt die Euroleague großes Interesse. Wenn er vor seinem Schreibtisch stehend davon erzählt, erinnert kaum etwas an Okulaja, den Basketballprofi. Außer hinten links im Büro der lebensgroße Pappaufsteller von sich selbst als Nationalspieler.
Okulaja, der Kosmopolit
Draußen auf der Straße zeigt sich, dass die Gegend doch gut zu ihm passt. Es herrscht urbanes Treiben, Kreuzberger Allerlei. In der Vielfalt und dem Grundchaos einmalig in Deutschland. Türkisch und Englisch als gleichberechtigte Sprachen neben Deutsch. Mit seiner Frau Michaela und den Söhnen Adeisaiya und Adenoah wohnt er wie einige andere Nationalspieler auch im gepflegten Wilmersdorf, aber Kreuzberg passt irgendwie besser zum Kosmopolit Okulaja. Zu ihm, der mit drei Jahren aus dem nigerianischen Lagos nach Berlin kommt und über den Streetball zum Profisport findet. Der an der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin neben Botschafterkindern erst sein Highschool-Diplom, dann sein Abitur macht und später zudem noch fließend Spanisch spricht. Der über seine 20-jährige Karriere hinweg außer in Deutschland in den USA, Spanien, Italien und Russland aktiv war.
Vor ihm auf dem Tisch liegen Fotos aus seiner Karriere. Im Trikot des FC Barcelona. An der Seitenlinie, wie er Dean Smith, der Trainerlegende aus North Carolina, zuhört. 1995 als 19-Jähriger bei Alba Berlin, wie er den Korac Cup küsst. "Mann, guck mal: Da habe ich sogar noch Haare", brüllt er und lacht. "Lass das bloß meine Frau nicht sehen."
Lesen Sie im zweiten Teil des FIVE-Artikels über Ademola Okulaja: Warum der Forward gerne mit seinen Trainern aneinander geriet - und wie die Chancen auf ein Comeback im Profi-Basketball stehen.
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