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01.09.2009
 

Basketballer Ademola Okulaja

Streitbares Vorbild

Von Sven Simon

Nach überstandener Krebserkrankung stand Ademola Okulaja kurz vor der Rückkehr in die Basketball-Nationalmannschaft. Dort könnte der Veteran den Nachwuchsspielern schon bald als Vorbild dienen - trotz gelegentlicher verbaler Aussetzer. Das Basketball-Magazin "FIVE" hat Okulaja besucht.

Dies ist der zweite Teil des FIVE-Artikels über Ademola Okulaja. Zum ersten Teil gelangen Sie hier.

Ademola Okulaja ist einer, der in den Raum tritt und da ist. Es ist Teil seines einnehmenden Wesens, im Mittelpunkt zu stehen. Schon immer ist er gerne Showman, klopft die besten Sprüche. Er ist der, der im Training unartikuliert rumbrüllt, wenn etwas misslingt. Die Mitspieler drehen sich nicht mal mehr um.

Er ist nicht immer umgänglich. Einer, der vor niemandem kuscht. Kommt er in Fahrt, redet er manchmal und denkt danach erst darüber nach, ob es hilfreich war. Oft stellt er Ehrlichkeit über Diplomatie. 2002 gerät Okulaja in Braunschweig mit seinem alten Trainer Svetislav Pesic aneinander. Die Deutschen haben gerade nach zwei Verlängerungen mit einem Punkt gegen den späteren Weltmeister Serbien verloren. Bei der Pressekonferenz treffen beide aufeinander. Bei Alba hatten sie sich oft aneinander gerieben. Er ist das junge Übertalent, das schnell aus Pesic' Philosophie von Rangordnung und Teamplay herauswächst.

Okulaja ist erst in Braunschweig zur Nationalmannschaft gestoßen, weil er in der Summer League der NBA seinem großen Traum von der stärksten Liga der Welt nachlief. "Oho, NBA! Ganz wichtig", stichelt Pesic. "Viel wichtiger als das Nationalteam. Da kann schließlich nicht jeder spielen." Okulaja könnte es einfach übergehen, aber das ist nicht seine Art. "Ganz genau, da kann nicht jeder spielen", giftet er vor den Medienvertretern zurück. "Ich kann es, du nicht."

Okulaja, der Veteran

Zu Beginn dieses Sommers hat er seinen Körper wieder auf Profiniveau gebracht. Bauermann hört davon und nominiert ihn für die Nationalmannschaft. Nicht aus alter Verbundenheit, sagt der Bundestrainer. "Ich bin davon überzeugt, dass er uns helfen kann." Dann muss Okulaja aber doch absagen. Wegen des Umzugs der Familie von Bamberg nach Berlin und wegen der Probleme mit den Brose Baskets. Der dortige Vertrag über drei Jahre hätte noch für eine Saison gegolten, aber der Club hat seine Option zum Ausstieg gezogen. Er hätte es dort gerne noch einmal probiert, in der kommenden Spielzeit, sagt er.

Bei der DBB-Auswahl wäre er mit seinen 34 Jahren der älteste Spieler gewesen. Die nominierten U20-Jünglinge kennen seinen Namen, wissen aber wenig über ihn. Robin Benzing beispielsweise ahnt nicht, dass Okulaja mal bei North Carolina zusammen mit Vince Carter und Antawn Jamison spielte und von 1995 bis 1999 zwei Mal im Final Four der NCAA stand. Tibor Pleiß trainierte mal für ein paar Wochen mit Okulaja in Köln zusammen. Der Center weiß aber nicht, dass sein damaliger Mitspieler in Spanien mal über fünf Jahre hinweg zu den MVP-Anwärtern zählte, in seinem ersten Jahr für Girona 23,4 Punkte und 9,6 Rebounds im Schnitt auflegte und später noch für Valencia, Malaga und Barca groß auftrumpfte. Bastian Doreth aus Bamberg lief mal bei einem Benefizspiel an der Seite von Okulaja auf.

Okulaja, die unbekannte Größe

Erstaunlicherweise kennen sie fast alle nur die Geschichte über den krebskranken Sportler Okulaja, nicht aber die über den besten Small Forward, den Deutschland je hatte. Den Spieler, der es drei Mal fast bis in die NBA geschafft hatte. Erst 2000, als er bei Philadelphia im Kader stand, aber nach Spanien wechselte, weil er nicht eingesetzt wurde. Dann 2001, als San Antonio ihm einen Vertrag über zwei Jahre anbot, er aber bereits bei Barcelona unterschrieben hatte. Und zuletzt 2003, als er bei Utah als letzter Spieler aus dem Kader gestrichen wurde. Sie mussten nie zu diesen besten Zeiten gegen ihn antreten. Standen nie dieser großartigen Mischung aus Wille, Einsatz und Athletik gegenüber. Seine Tip-Dunks im EM-Viertelfinale 2001 gegen Frankreich und bei der WM 2006 gegen die USA gehören nicht nur für deutsche Basketballfans zum Pflichtprogramm. Seit 1995 war er bei sechs Europa- und zwei Weltmeisterschaften aktiv. In 172 Länderspielen trug er den deutschen Adler auf der Brust. Mit Patrick Femerling (209), Hansi Gnad (181) und Henrik Rödl (178) liefen nur drei Akteure öfter für die DBB-Auswahl auf.

Jetzt, wo er wieder fit ist, wird gerätselt, ob er zumindest auf Clubebene in den Leistungssport zurückkehrt. In einem Sport-Zentrum im Berliner Stadtteil Zehlendorf halten sich im Sommer viele Profis fit. Berliner Jungs wie Mithat Demirel, Stipo Papic und Tommy Thorwarth, aber auch Femerling und Stephen Arigbabu, die mittlerweile die Hauptstadt als ihr Zuhause ansehen. Bei den Spielen dort geht es hoch her. Alphamännchen trifft Alphamännchen. Früher tauchte auch Okulaja öfters auf, inzwischen seltener. Auch morgen wird er fehlen. Die Prioritäten verschieben sich. Sein ältester Sohn hat Eingewöhnungstag im Kindergarten. "Da weißt du ja nie, ob es gut läuft und wie lange es dauert", sagt er.

Okulaja, der Heimkehrer?

Den Segen der Ärzte hat er für ein Comeback. Körperlich wäre er dazu auch in der Verfassung. Die Bestätigung dafür hat er sich wie früher auf den Freiplätzen Berlins geholt. "Es reicht noch", sagt er. "Glaub mir: Es reicht noch! Ich habe kein Spiel verloren, und das waren alles anständige Gegner." Sich selbst, erklärt er, müsse er nichts mehr beweisen - dem Umfeld und der Basketball-Gemeinde auch nicht. Kein falscher Ehrgeiz, um allen zu zeigen, dass er nach seiner schweren Krankheit wieder ganz der Alte ist. Und allein wegen des Geldes müsse er schon lange nicht mehr spielen, sagt er. Eigentlich ist es bloß der Spaß am Leistungssport, der ihn über eine Rückkehr nachdenken lässt.

Aus der Bundesliga gibt es bisher keine Angebote, aber aus Spanien. Natürlich würden die Clubs sich absichern wollen, aber damit habe er kein Problem. Für ein erneutes Jahr in der ACB müsse aber alles passen, sagt er. "Es müsste schon ein solide geführter Playoff-Anwärter sein, bei dem meine Familie und ich uns wohl fühlen." Während er darüber philosophiert, ob er wieder professionell spielen wird, wirkt er entspannt. Nicht, als ob er mit dem Thema abgeschlossen hätte, aber irgendwie auf dem besten Wege dahin. "Warten wir es ab", sagt er am Ende und während sein Lachen wieder das Gesicht erobert, streckt er zum Abschied noch mal die große Pranke aus. "Pass auf dich auf."

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Basketball for life
Nr. 61 - September 2009

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ZUR PERSON

REUTERS
Ademola Okulaja

Ademola Okulaja, 34, wurde im nigerianischen Lagos geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland, entdeckte er früh sein Talent für den Basketball-Sport. Am US-College in North Carolina genoss Okulaja eine gründliche Ausbildung und war später unter anderem für Alba Berlin, den FC Barcelona und Benetton Treviso aktiv. Mehrfach stand der 2,06 Meter große Forward kurz vor einem Sprung in die NBA, ganz reichte es jedoch nie. Im Sommer 2008 wurde bei dem 172-fachen deutschen Nationalspieler ein Tumor im Rückenbereich diagnostiziert - nach überstandener Therapie erwägt Okulaja nun die Rückkehr zum Basketball.









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