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03.09.2009
 

DEL-Start

Adler jagen die Eisbären

DEL-Saisonstart: Die Teams und ihre Chancen
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Getty Images

Die Deutsche Eishockey-Liga startet in die neue Saison - mit altbekannten Problemen und vielen neuen Gesichtern. Besonders der Sohn einer Eishockey-Legende steht im Blickpunkt. Top-Favorit ist wieder Meister Eisbären Berlin, doch die Konkurrenz um Adler Mannheim hat kräftig aufgerüstet.

Hamburg - Angriff auf Titelverteidiger Eisbären Berlin: Wenn die Adler Mannheim am Donnerstag gegen die im Frühjahr noch insolventen Nürnberg Ice Tigers die 16. Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eröffnen, soll der Grundstein zum ersten Titelgewinn seit 2007 gelegt werden. "In den neunziger-Jahren wurden wir dreimal hintereinander deutscher Meister, in der jüngeren Vergangenheit waren die Eisbären Berlin das Maß der Dinge. Wir werden uns nicht verstecken, sondern versuchen anzugreifen", sagte Adler-Manager Marcus Kuhl.

In Zeiten der Wirtschaftskrise bleibt Mannheim mit einem geschätzten Etat von acht Millionen Euro Krösus der DEL. Gleich neun Clubs mussten dagegen sparen, darunter auch Titelverteidiger Berlin, der sein Budget um 0,3 auf 7,5 Millionen Euro zurückfuhr. Am stärksten betroffen waren die Hannover Scorpions, wo Clubbesitzer Günter Papenburg 1,3 Millionen strich und die Profis einen 15-prozentigen Gehaltsverzicht üben müssen. Nürnberg vermied das Aus erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens; in Köln fand eine Umschuldung statt; aus Frankfurt am Main und Kassel drangen zeitweise bedenkliche Töne.

Dem Image der DEL nachhaltig geschadet

Vor allem die Hängepartie der Nürnberger, die sich nur dank der Gelder von Schmuckhändler Thomas Sabo über Wasser halten konnten, hat dem Image der DEL nachhaltig geschadet. Um so etwas künftig zu vermeiden, darf ab sofort kein Club mehr an den Playoffs teilnehmen, wenn ein Insolvenzantrag läuft. Nach drei Monaten kann der Club ganz aus der Liga ausgeschlossen werden. Nürnbergs Sportlicher Leiter Lorenz Funk versicherte, dass diese Maßnahmen die Ice Tigers nicht treffen werden. "Die Saison ist abgesichert", sagte Funk. Sportlich müsse man angesichts eines um 0,6 Millionen Euro reduzierten Etats aber kleinere Brötchen backen: "Unser wichtigstes Ziel ist es, wirtschaftlich solide zu arbeiten", so Funk.

Trotz der Krisenstimmung befürchtet DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold im sportlich bedeutsamen Jahr der Olympischen Winterspiele in Vancouver und der anschließenden WM im eigenen Land keinen Qualitätsverlust. "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind global schwieriger geworden. Nirgendwo haben die Clubs mehr Geld, also kann auch nirgendwo mehr Geld ausgegeben werden. Das Niveau wird im Mittel sicher gleichbleiben", so Arnold.

Ein alter Bekannter soll die Kölner Haie aus dem Tabellenkeller schießen

Nach dem Rückzug von Dauerschlusslicht Füchse Duisburg und dem Aufstiegsverzicht von Zweitliga-Meister Bietigheim Steelers startet die DEL mit nur noch 15 Mannschaften. An der Spitze werden nach Meinung sämtlicher Experten Mannheim und Berlin um den Titel streiten. "Sie sind das Maß aller Dinge", sagt der ehemalige Bundestrainer Hans Zach, der in Hannover in seine voraussichtlich letzte Saison als Eishockeylehrer geht. Als dritte Kraft werden die DEG Metro Stars aus Düsseldorf erwartet.

Der Vizemeister verstärkte sich mit der Erfahrung von rund tausend Spielen in der nordamerikanischen Profiliga NHL, darunter Star-Torwart Jean-Sebastian Aubin. Prominente Zugänge präsentierten aber auch Mannheim mit Offensiv-Verteidiger Jame Pollock und Berlin mit Jeff Friesen, der 977 NHL-Spielen absolvierte.

Ein alter Bekannter soll dagegen die Kölner Haie aus dem Tabellenkeller schießen. An der Vizemeisterschaft 2007 hatte Ivan Ciernik mit 49 Toren großen Anteil. Nach dem Abschied des Slowaken stürzten die Haie vergangene Saison auf den vorletzten Tabellenplatz ab, nun kehrte Ciernik aus der russischen Liga zurück. Vor dem Debüt in der DEL steht dagegen einer, dem im Vorfeld das Etikett als Deutschlands Jahrhunderttalent verpasst wurde: Tom Kühnhackl, der Sohn von Deutschlands Jahrhundertspieler Erich Kühnhackl. Passenderweise könnte Kühnhackl junior am Freitag im Trikot der Augsburger Panther ausgerechnet gegen die Frankfurt Lions debütieren, wo sein Vater seit dieser Saison Sportdirektor ist.

Auch Florian Busch geht wieder aufs Eis

Wenn die Spieler vom Wochenende an mit ihren Clubs um die 90. deutsche Eishockey-Meisterschaft kämpfen, geht auch Florian Busch wieder aufs Eis. Der 24-jährige Stürmer des Titelverteidigers Eisbären Berlin, der vor 18 Monaten eine Dopingkontrolle zunächst verweigerte und später nachholte, darf in der DEL vorerst spielen. Denn die vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) verhängte Zweijahressperre ist noch nicht vollstreckt, weil Busch vor dem Schweizer Bundesgericht Rechtsbeschwerde eingelegt hat.

"Wir können ihn nicht sperren, er wird lizenziert", sagte Tripcke. Für die Nationalmannschaft ist der Berliner aber vorerst noch kein Thema. "Der Weltverband hat das Cas-Urteil angenommen, deshalb werden wir ihn nicht einsetzen", sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, Uwe Harnos. Sollte das Bundesgericht in Bern den Cas-Spruch jedoch kippen, stünde einer Rückkehr ins Krupp-Team nichts mehr im Wege: "Er ist einer der besten deutschen Eishockey-Spieler. Dass er dann wieder spielt, steht völlig außer Frage."

jar/sid/dpa

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